Nicht ein einziger Glockenschlag ist zurzeit in Öfingen zu hören. Der Grund warum die Kirchenglocken schweigen? Wegen Baumaßnahmen mussten die Glocken im Kirchturm abgenommen werden.

Das Glockengeläut bedarf einer umfangreichen Sanierung.
Das Glockengeläut bedarf einer umfangreichen Sanierung. | Bild: Mandy Heinze

„Aus sicherheitsrelevanten Gründen muss das Geläute saniert werden“, erklärt Ernst Schaber vom Kirchengemeinderat, der gemeinsam mit Reinhold Kienzle die Baumaßnahmen organisiert und überwacht. „Die Aufhängungen der Glocken bestehen aus Metall, welches laut Aussage der Glockenbauer und eines Glockensachverständigen Materialermüdungen aufweist“, so Schaber weiter. Somit müssen nun aus diesem Grunde die Metalljoche durch Holzjoche ersetzt werden. Die Holzjoche fangen die Schwingungen, die beim Läuten entstehen, besser auf. Die Arbeiten führt die Firma Schneider, Turmuhren und Glockentechnik, aus Schonach aus.

Durch die jetzt laufenden, vorgeschriebenen Maßnahmen werden auch weitere Sanierungsmaßnahmen erforderlich. So muss etwa die Läuteanlage überholt werden, denn sämtliche Elektroteile sind in die Jahre gekommen und teilweise sind schon gar keine Ersatzteile mehr zu finden. Das hat zur Folge, dass auch die ganze Elektrik im Moment still gelegt ist, da sämtliche Leitungen vom Zähler bis zum Kirchturm ersetzt werden müssen.

Doch das ist noch nicht alles. Bevor mit den Baumaßnahmen an der Elektrik und der Glockenaufhängung begonnen werden konnte, musste zuerst noch aus Sicherheitsgründen der Treppenaufgang im Kirchturm saniert werden. Die alten, seit Jahrhunderten ausgetretenen Treppenstufen und die Beleuchtung waren zu erneuern.

Die älteste Glocke wurde 1699 gegossen, 1952 musste sie wegen Haarrissen umgegossen werden.
Die älteste Glocke wurde 1699 gegossen, 1952 musste sie wegen Haarrissen umgegossen werden. | Bild: Mandy Heinze

Hohe Kosten für die Gemeinde

„Die Kosten für die Baumaßnahmen von etwa 50 000 Euro muss die Kirchengemeinde selbst tragen,“ berichtet Pfarrerin Bettina Ott. „Das ist natürlich sehr hart, denn wir müssen auf Rücklagen und Ersparnisse zurückgreifen. Daher sind im Moment Spenden der über 500 Gemeindemitglieder für die Kirchengemeinde besonders willkommen.“ Natürlich werden auch gerne Spenden von außerhalb angenommen. Besonders dankbar sei sie über die umfangreiche ehrenamtliche Unterstützung von Ernst Schaber und Reinhold Kienzle, sagt die Pfarrerin.

Auch freue sie sich, dass endlich wieder Gottesdienste in der Kirche stattfinden dürfen. Der erste Gottesdienst fand am 10. Mai statt, mit 29 Plätzen. Sonst sind es 320 Plätze. Tagsüber geöffnet für Ruhesuchende und zum Gebet ist die Kirche aber bereits seit Palmsonntag. „Als Einzelner kann man die Ruhe und Atmosphäre unserer Kirche, die seit über 800 Jahren an dieser Stelle steht, erleben und sich trösten lassen“, so die Geistliche. Bis Ende Mai sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Wer die Gemeinde durch eine Spende unterstützen möchte, kann sich beim Öfinger Pfarrbüro melden.

Die Öfinger Dorfkirche ist über 800 Jahre alt.
Die Öfinger Dorfkirche ist über 800 Jahre alt. | Bild: Hans-Jürgen Götz

Die Dorfkirche Öfingen

Hinweise auf Öfingen als frühe Pfarrei der Baar gibt gibt das Heiligkreuz-Patrozinium der Öfinger Kirche. Sie war Pfarrkirche für die Orte Oberbaldingen, Unterbaldingen, Ippingen und mehrere Wüstungen. Die erste schriftliche Erwähnung Öfingens findet sich 1275 in einem Verzeichnis des Bistums Konstanz. Im Konstanzer Liber quartarum von 1324 wird die Pfarrei Öfingen im Dekanat Trossingen aufgeführt. Die älteste Öfinger Glocke wurde 1699 von Peter Rosier gegossen. Sie sollte 1942 eingeschmolzen werden, konnte aber 1948 wieder in Gebrauch genommen werden. Aufgrund von Haarrissen wurde die Glocke 1952 umgegossen.

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