Wie später im zweiten Weltkrieg, wurden in Dürrheim auch im ersten Weltkrieg alle großen Kureinrichtungen und Kinderheime als Lazarette genutzt. Die Häuser gehörten von 1914 bis 1920 zum Reservelazarett Bad Dürrheim und beherbergten schwer kriegsgeschädigte Soldaten, weiß Jürgen Kauth, der Vorsitzende des Geschichts- und Heimatvereins Bad Dürrheim zu berichten und erzählt folgende Geschichte:

Zu den letzten Kriegsverletzten im Lazarett Hirschhalde, gehörte der Pionier Josef Weigel, seines Zeichens Stabstrompeter der Kaiserlichen Armee. Er war in der ganzen Gegend bekannt. Als beidseitig Beinamputierter und mit dem zerschossenen linken Arm waren seine Verwundungen wohl die schwersten von allen Soldaten. Doch das Spielen der Trompete wollte er sich bis zu seinem Tod nicht nehmen lassen.

Daher hatten ihm seine Kameraden am Straßenrand einen kleinen wetterfesten Unterstand aus Holz zusammengezimmert, der auch immer mit frisch gepflückten Wiesenblumen verziert war. Ein handgemaltes Schild „Trompeter‘s Ruhe“ wurde angebracht. Jeden Tag trugen sie ihn dort hin und setzten ihn auf die extra angefertigte, mit Kissen ausgelegte Bank. Damit die Trompete wegen des verletzten Armes nicht herunterfiel, knüpften sie ihm aus einer Vorhangschnur mit Quaste eine Trompetenschnur – ein Bandereau. Die Wache der Kameraden, falls der Trompeter ein „Bedürfnis“ haben sollte, galt als Ehrenpflicht. So hatte Weigel, der nur noch wenige Wochen zu leben hatte, jeden Tag noch seine kleine Freude, wenn er vorbeikommenden Menschen mit einem Trompetensignal begrüßen konnte.

Als der Trompeter dann eines Tages auf seinem „Bänkle“ für immer einschlief, versammelten sich alle Lazarett-Kameraden zum letzten Gruß. Rezitiert wurde aus Joseph Victor von Scheffels Werk „Der Trompeter von Säckingen“. Das Schild „Trompeter‘s Ruhe“ wurde nach dem Zerfall des Unterstandes an einen Baum genagelt, weil keiner es über‘s Herz brachte, es wegzuwerfen. Bis in die 1950er-Jahre hinein dachten vorbeispazierende Kurgäste, hier wäre ein Trompeter begraben.