Leer, sieht es aus im Narrenschopf in Bad Dürrheim, sehr leer und einsam. Wie alle Museen ist natürlich derzeit auch das Fastnachtsmuseum geschlossen. Mit drastischen Folgen. Museumsleiterin Ilka Diener berichtet im Gespräch mit dem SÜDKURIER über die schwierige Situation. Wie es weitergeht, weiß noch keiner. „Gerade der Ausfall im Mai tut sehr weh“, so Diener. In der Kuppel drei wäre fast jedes Wochenende im Mai ein Event gewesen. Auch die Narrenbörse, die Haupteinnahmequelle des Fördervereins, fällt weg.

Das Fastnachtsmuseum in Bad Dürrheim ist eines der Wahrzeichen der Stadt.
Das Fastnachtsmuseum in Bad Dürrheim ist eines der Wahrzeichen der Stadt. | Bild: Sprich, Roland

„Wir haben natürlich auch die Arbeitszeiten ziemlich reduziert“, berichtet die Museumsleiterin. Das Projektteam arbeite von zuhause aus. Im Büro werde Wechselschicht gefahren. Teilweise wurde Kurzarbeit angemeldet. Im Museum sind drei Angestellte tätig, plus Kassenpersonal, Hausmeister und Reinigungskräfte. Das Projektteam besteht aus vier Leuten. Die Museumsführer arbeiten auf Honorarbasis.

Laut Beschluss der Landesregierung sollen Museen ab 6. Mai wieder öffnen dürfen. „Wir haben jedoch den 16. Mai als Termin für die Wiedereröffnung ins Auge gefasst. Bis dahin hoffen wir, die geforderten Auflagen entsprechend umsetzen zu können“, erklärt Diener.

2019 war ein gutes Jahr

Letztes Jahr konnte der Narrenschopf fast 10 000 Besucher verzeichnen. 2018 sei davor das schlechteste Jahr seit 2012 gewesen mit nur 6500 Besuchern. Den Anstieg der Besucherzahlen führt Ilka Diener eindeutig auf die neuen Attraktionen ab Juli zurück, auch wenn schon im ersten Halbjahr ein deutlich höherer Zulauf bestand.

In der Kuppel vier, der 360-Grad-Präsentationskuppel, sitzt der Zuschauer mitten im Geschehen.
In der Kuppel vier, der 360-Grad-Präsentationskuppel, sitzt der Zuschauer mitten im Geschehen. | Bild: Naiemi, Sabine

Sehr gut angenommen wurden im letzten Jahr die offenen Führungen, mit eigentlich immer vollen Gruppen. „Das ist eher die ältere Generation, die darauf anspricht. Teils Kurgäste, teils Einheimische oder Urlauber“, so Diener. Die Kuppel vier (die 360-Grad-Projektionskuppel) werde besonders gern angenommen von Gruppen und sei besonders Ausflugsziel von Zünften und Vereinen gewesen.

VR und 3D sind der Renner

Das 3D-Kino komme besonders gut bei Kindern an. In Kombination mit VR-Brillen (Virtual-Reality-Brillen) sei hier bei Familien deutlicher Zuwachs zu verzeichnen. So hat man im Narrenschopf jetzt zusätzlich zwei verschiedene Pakete mit VR-Brillen im Angebot. Es gibt eine 3D-Brille, in die man das Smartphone reinschiebt und dann kann man über Youtubelinks drei der Filme anschauen, die es auch im Museum zu sehen gibt. Diese VR-Brille lässt sich auch zum Anschauen anderer VR- oder 360-Grad-Filme im Internet verwenden.

Immer wieder Weiterentwicklungen

Für das 3D-Kino sei die Anschaffung einer neuen Präsentationstechnik inklusive neuer 3D-Brillen notwendig, erklärt Diener weiter. Da aufgrund der Corona-Krise hierfür das Geld fehlt, ist der Narrenschopf wir auf Spenden angewiesen. Die Sparkasse Schwarzwald-Baar habe bereits mit der Finanzierung von zehn Brillen unterstützt. Jedoch werden noch weitere Spenden gebraucht. „Jeder Euro hilft uns weiter“, so Diener. Auf der Homepage des Fastnachtsmuseums ist ein Spendenlink eingerichtet.

Das Virtuelle Fastnachtmuseum wird ebenfalls ständig weiterentwickelt und ergänzt. So demnächst ein ganz neuer Themenbereich („Ursprünge der Fastnacht“) und ein neuer „Hingucker“ präsentiert werden.

Weiter wurde eine virtuelle Führung auf die Homepage gestellt und der bisherige 360-Grad-Rundgang mit Sprechertexten erweitert. Das ist so, wie wenn man bei einer Führung über Audio Informationen kriegt.

Die Beteiligung an der virtuellen Fastnachtsband laufe immer noch etwas zögerlich und dürfe ruhig mehr werden. „Das darf ruhig mehr werden“, appelliert Diener.

Narrenschiff kommt in den Schopf

Zwar können Museen ab dem 6. Mai wieder öffnen, doch der Narrenschopf hat sich auf den 16. Mai als Wiedereröffnung festgelegt. In den kommenden beiden Wochen steht nämlich noch eine spannende Umbaumaßnahme an: Das Franziskanermuseum Villingen stellt dem Narrenschopf sein großes Narrenschiff zur Verfügung, das es für seine Sonderausstellung „Familiengeheimnisse: De Narro un si ganz Bagasch“ Anfang des Jahres gebaut hatte. In der nächsten Woche steht der Umzug des Schiffes in den Narrenschopf an, so dass die Besucher nach der Wiedereröffnung sich gleich auf ein neues Highlight im Museum freuen dürfen.

Präsentation in Gebärdensprache

Für den Museumstag am 17. Mai sei einiges geplant gewesen. Der Tag sollte unter dem Motto stehen: Museum für Vielfalt und Inklusion. „Extra hierfür haben wir eine Beamerpräsentation über das Kölner Dreigestirn in Gebärdensprache übersetzen lassen“, verrät Ilka Diener. Sofern sich der Museumstag nicht umsetzen lasse, werde die Präsentation aber ziemlich sicher online gestellt. Es seien auch Führungen in Gebärdensprache vorgesehen gewesen. Das Thema ist jedoch nicht vom Tisch. „Irgendwann werden wir es machen, sobald es geht.“ Im Moment wurde erstmal das Konzept des Museumstages auf digitale Form verändert.

„Es gibt auch eine neue App“, kündigt Diener an. Zusammen mit anderen Museum wurde „MuseumStars“ entwickelt. Die App soll am morgigen Mittwoch, 6. Mai, in die Appstores kommen. Sie bietet eine spielerische, interaktive Challenge für Kinder, an der sicherlich auch Erwachene ihren Spaß haben werden. Vielleicht wird diese App später auch mal für Schulklassen verwendbar.

Herausforderungen meistern

„Es war schon immer nicht leicht und richtig überschauen wie es weitergeht, können wir noch nicht“, resümiert Ilka Diener. Es sei schon immer nicht leicht gewesen. Man habe eine Förderung beantragt, aber es sei noch nicht entschieden, was der Narrenschopf bekommen wird. So gut wie möglich werden Kosten eingespart. Jeder Tag ohne Einnahmen ist schwierig. Derzeit werde noch versucht, den Museumsshop wiederzubeleben.

Die offenen Führungen durch das Fastnachtsmuseum erfreuen sich großer Beliebtheit.
Die offenen Führungen durch das Fastnachtsmuseum erfreuen sich großer Beliebtheit. | Bild: Veranstalter

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