Während der Jahreshauptversammlung des Geschichts- und Heimatvereins Bad Dürrheim sprach der krankheitsbedingt abwesende Vorsitzende Jürgen Kauth über seine ihn vertretende Frau Sabine in einer schriftlichen Darlegung ein dunkles Thema an, das vielen gar nicht bewusst ist.

Der Geschichts- und Heimatverein habe seit einem Jahr immer wieder unzählige Anfragen zu diesem „unangenehmen Thema“. Die Aufarbeitung der Problematik der so genannten „Verschickungskinder“ tangiere auch den Verein mit seiner Darlegung von lokaler Bad Dürrheimer Geschichte.

Millionen Kinder seien ab den 1950er Jahren über Jahrzehnte hinweg bundesweit in Kur „verschickt“ worden, so Kauth in dem Schriftsatz. Was viele Kinder bei ihren Aufenthalten jedoch erlebten, „traumatisierte diese für ihr Leben“.

Auch im Haus Hohenbaden waren Kinder zur Kur. Bild: Geschichts- und Heimatverein Jürgen Kauth
Auch im Haus Hohenbaden waren Kinder zur Kur. Bild: Geschichts- und Heimatverein Jürgen Kauth | Bild: Jürgen Kauth

Jürgen Kauth sprach damit den bei der Versammlung anwesenden Bürgermeister an.

Dieser versprach, sich mit dem Thema in der nahen Zukunft vermehrt zu beschäftigen. Er plane dann, sich in einem umfassenden Bericht darüber zu äußern. „Es ist wichtig, dass wir uns mit dem Thema auseinandersetzen, die Stadt muss das aufarbeiten“, sagt Berggötz. Für viele Kinder habe es immer wieder große seelische Probleme in den sechswöchigen Aufenthalten gegeben, die bis heute anhalten. Jedoch wolle er nicht nur den Kontakt zu Betroffenen suchen, sondern auch zu den damaligen Erzieherinnen.

Nach ersten Gesprächen mit diesen habe er aber auch festgestellt, dass diese auch „einen guten Job mit viel Herzblut für die Kinder“ gemacht hätten. Viele Kinder hätten auch gute Erinnerungen an die Zeit hier in Bad Dürrheim.

Berggötz wünscht, dass sich dieses Themas Schritt für Schritt angenommen wird. Er wolle bei einem späteren Termin weiterreichend informieren.

Kauth begrüßt, dass das Thema nun wissenschaftlich aufgearbeitet wird und fordert: „Dies muss seriös geschehen!“ Und er lobte den Rathauschef. „Unserem jungen Bürgermeister, der ja zur Zeit der Vorkommnisse noch gar nicht gelebt hat, ist das Thema wichtig.“ Er sei bisher übrigens der Einzige in Deutschland, der sich für solche Vorkommnisse bei ehemaligen Kinderkurgästen entschuldigt habe.