Der Bericht von Uwe Hüls, Fachgebietsleiter Soziales und Integrationsbeauftragter der Stadt, über die Integration und Unterbringung von Flüchtlingen zeigte ein offensiv-aktives Management auf. Momentan befindet sich die Stadt mit der Aufnahme von Flüchtlingen im Rückstand, das ehrenamtliche Engagement ist deutlich zurückgegangen und hat sich aber auch gewandelt.

  • Aufnahmen: Seit Beginn der Auflistung im Jahr 2013 hat Bad Dürrheim bis zum 10. Juni dieses Jahres 217 Zuwanderer aufgenommen, was auch gleichzeitig untergebracht bedeutet.
    Nach Mitteilung des Landratsamtes (LRA) vom 29. Januar 2020 habe Bad Dürrheim insgesamt (aus Vorjahren und aktuell kumuliert) weitere 88 Zuwanderer aufzunehmen. Mit Stand 10. Juni wurden seit Jahresbeginn bereits 15 Zuwanderer aufgenommen. Im Jahresverlauf 2020 sollen 25 Personen aufgenommen werden, im kommenden Jahr (2021) ebenfalls. In Kombination mit Akquise von geeignetem Wohnraum wird sich die Gesamtsituation auch zukünftig gut gestalten lassen.
  • Standorte: Aktuell werden acht Standorte genutzt. Vier davon sind angemietet (Albert-Schweitzer-Haus, Schabelweg, Kapfstraße, Mühlenstraße, geplant ist die Anmietung des Gebäudes in der Huberstraße 9). Vier befinden sich im Eigentum der Stadt (Hofstraße, Friedenstraße, Siemensstraße, Huberstraße 4). Gegenwärtig verfügt die Stadt über 91 Plätze, von denen aktuell 74 belegt sind.
  • Strategische Ansätze: Herauszustellen gilt, dass die Stadt eine Aufnahmeverpflichtung habe, jedoch keine Verbleibsverpflichtung. Dies stelle die Basis des strategischen Ansatzes zum stetigen und konsequenten Abbau der Rückstände dar, so Hüls.

Hüls weiter: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass stetig Zuwanderer kommen und explodiert irgendwo in den Krisenherden der Welt einer der Hotspots, dann ist sogar mit vermehrten Zugängen zu rechnen.“ Dann müssten und würden die vorgelagerten Ebenen schnell „Abnahmedruck“ aufbauen. Ginge man in eine solche Situation mit dem dargestellten Rückstand von jetzt noch 73 aufzunehmenden Personen, wären Maßnahmen unumgänglich, die weder im Interesse der betroffenen Menschen noch der Stadtgesellschaft sein würden. Deshalb wurde der bis Mai 2019 vorgenommene Abbau von Unterbringungskapazitäten gestoppt. Ferner sei mit dem LRA ein kontinuierlicher Abbau der Rückstände vereinbart worden.

  • Unterbringungsmanagement: Zur stetigen Akquise von geeignetem Wohnraum gehört, dass alle Objekte auf brachliegende, aber nutzbare Räume geprüft werden. Unterschiedliche Wohnqualitäten der Unterbringung werden als Anreiz eingesetzt. Wer kooperiert und sich um Integrationserfolge bemüht, wohnt besser und könne nach erreichten Fortschritten auch eher in den freien Wohnungsmarkt vermittelt werden.

Neuzugänge sind zur Wohnsitznahme in Bad Dürrheim verpflichtet. Doch nicht wenige halten sich hier gar nicht auf. Sie leben oder arbeiten in anderen Städten und sogar anderen Bundesländern. Sie kommen nur etwa zur Regelung von Passangelegenheiten oder dem Abholen des Taschengeldes. Diese Personen erhalten nur „Notwohnraum“. Jede mögliche Aufhebung einer Wohnsitznahmeverpflichtung werde aktiv forciert.

Wer Wohnraum auf dem freien Markt erreichen kann, werde offensiv beraten und unterstützt. Die Nutzungsentgelte für Wohnen seien hier eher preiswert, was auch „ordentlich verdienende Bewohner“ nicht zum Auszug motiviere. Die Empfehlung, die Nutzungsentgelte anzuheben sei mit dem Landratsamt bereits besprochen und werde absehbar umgesetzt.

  • Freiwillige Rückkehrberatung: Zuwanderer, die erkennbar niemals eine Integrationsperspektive in Deutschland haben, würden damit nachdrücklich konfrontiert, so Hüls, mit dem Ziel der freiwilligen Rückkehr. Diesbezüglich bestehe eine enge Kooperation mit dem LRA und dem IOM (Internationale Organisation für Migration).
  • Ehrenamt: Nach wie vor stelle das Ehrenamt eine sinnvolle Ergänzung dar, doch Vorschriften, Gesetze und Verfahren erfordern regelmäßig den Einsatz professionell kompetenter Unterstützer. Grundsätzlich fokussieren sich inzwischen ehrenamtliche Tätigkeiten auf Alltagsbegleitung, Zeitvertreib und gemeinsame Freizeitaktivitäten und Sprachtrainings im Alltag, was stets eine notwendige und sinnvolle Unterstützung darstellt.