Einen Brief der Deutschen Umwelthilfe (DUH) mit der Bitte um finanzielle Unterstützung für den „Mehrwegschutz“ und dem Hinweis auf die Kampagne der DUH gegen Plastik-Einweg nahm die Bad Dürrheimer Mineralbrunnen GmbH zum Anlass, einen offenen Brief an die DUH zu verfassen, in welchem eindringlich um einen Dialog gebeten wird.

„Angegangen“ worden sei der Dürrheimer Getränkehersteller nicht von der DUH, so Geschäftsführer Ulrich Lössl auf Nachfrage des SÜDKURIER zum Grund des offenen Briefes. Im Gegenteil: Der Mineralbrunnen sei ja sogar vor ein paar Jahren von der DUH mit einem Preis ausgezeichnet worden. Lössl stellt klar: „Wir suchen auch nicht die Konfrontation, sondern wollen den Dialog.“

Der Verbraucher wird nicht richtig informiert

Eine Kampagne „Mehrwegschutz ist Klimaschutz“ führe in die Irre, heißt es in dem Brief des Mineralbrunnens. Es werde „Schwarz-Weiß-Malerei“ betrieben. „Der Verbraucher sieht nur dieses Bild von den im Meer treibenden Plastikflaschen und denkt sich „um Gottes Willen“, ist dabei aber überhaupt nicht richtig über Klimaverträglichkeiten und Ökobilanzen informiert“, schiebt Lössl nach. Mehrweg sei nicht per se besser. Renommierte Wissenschaftsinstitute hätten inzwischen nachgewiesen, dass die Ökobilanz von Glasflaschen nicht so gut ist, wie immer behauptet werde. Der Mineralbrunnen könne das uhig thematisieren, da das Unternehmen beide Flaschenarten im Sortiment habe.

Und der Dürrheimer Mineralbrunnen habe als erster Getränkehersteller Deutschlands Anfang des Jahres das Ziel des 100-prozentigen Petcyclings erreicht. Damit folge man zwei von der DUH ausgegebenen Forderungen für eine deutsche Plastik-Strategie. Einwegverpackungen (laut Definition der DUH auch die 100 Prozent-Rezyklat-PET-Flasche) unisono und damit undifferenziert als unökologisch zu bezeichnen und der Verpackungswirtschaft Trickserei zu unterstellen, basiere nicht auf dem aktuellen Wissensstand.

Leitungswasser-Kampagnen können in die Irre führen

„Auch die Leitungswasser-Kampagne der Deutschen Umwelthilfe erscheint uns als undifferenziert“, schreibt der Mineralbrunnen weiter. Hierüber müsse man ebenfalls sprechen. Selbstverständlich gebe es Gelegenheiten und Orte, an denen ein gutes Glas Leitungswasser den Durst löscht. Wer jedoch sichergehen wolle, dass er ein wirklich natürliches und absolut reines Wasser trinkt, der habe heute keine andere Wahl als Mineralwasser. Fakt sei: Die Qualität von Leitungswasser könne im Hinblick auf die Verunreinigung des Grundwassers durch industrielle Landwirtschaft und die Probleme der Wasserwerke, alle Unreinheiten herauszufiltern, sowie die Problematik alter Leitungen in Gebäuden weder vereinheitlicht, noch als Wasserhahn-übergreifend qualitativ hochwertig ausgelobt werden.

„Wir fordern eine offene, sachliche Diskussion“, so die Forderung Richtung DUH. Der Satz „Die Einwegindustrie ist jetzt dabei, mit in Auftrag gegebenen neuen Ökobilanzen das Mehrwegsystem anzugreifen.“ säe allerdings leichte Zweifel an einer Offenheit. Ziel müsse sein, der Öffentlichkeit ein differenziertes und auf Tatsachen basierendes Bild zu zeichnen und Handlungsempfehlungen auszuarbeiten, die der Komplexität der Sachlage gerecht würden. Gespendet werde gerne, heißt es abschließend – allerdings derzeit nicht in monetärer Form für eine Kampagne „Mehrwegschutz“, sondern Zeit für einen offenen, sachlichen Dialog mit der DUH, mit Getränkefachhändlern, Politikern und Verbrauchern. „Zeit für die gemeinsame Entwicklung und Verfolgung differenzierter pragmatischer Wege, die dann auch wirklich Klima- und Umweltschutz fördern.“