Bad Dürrheim – Minus sieben Grad zeigt das Thermometer, einzelne Schneeflocken rieseln vom Himmel, lassen die Luft flimmern. Während die Meisten es sich bei diesem Wetter in ihren vier Wänden gemütlich machen, zieht es Winter-Camper auf Reisen. Gut 20 Campingbusse und Wohnwagen stehen derzeit auf dem Reisemobilhafen in Bad Dürrheim.

Einer von ihnen gehört Josef – unter Campern genügt der Vorname. "Im warmen Wohnzimmer kann man doch immer sitzen", sagt der 66-Jährige. "Außerdem ist mein Sprinter isoliert und mit einem guten Kaffee wird mir nicht kalt." Jeden Winter geht er drei Mal für jeweils zehn Tage auf Reisen. "Warum soll man das auch nicht machen?" fragt er. "Die gute Luft, der Schnee, die Natur – das gefällt mir. Ganz einfach."

Seit Montag ist der Saarländer in Bad Dürrheim. "Davor war ich in Schonach und in Schönwald." Am Sonntag geht es wieder zurück nach Merzig. "Das hab ich meiner Frau versprochen." Einen Wermutstropfen haben Josefs Ausflüge im Winter nämlich: "Ihr ist es jetzt zu kalt zum Campen", sagt er. Außerdem sei sie noch nicht in Rente wie er. "Wir telefonieren aber jeden Tag, während ich weg bin." Und bei den Touren im Sommer sei sie dann auch wieder dabei. "Dann geht es aber eher in den Süden, nach Italien zum Beispiel", sagt Josef. Die Hauptsache ist aber, dass er draußen sein kann. "Ich bin ein Naturmensch." Das Campen gehöre fest zu ihm. "1980 habe ich mein erstes Wohnmobil gekauft", erinnert er sich und nimmt einen Schluck aus seiner Kaffeetasse.

Neben ihm stehen Herbert und Gertrud. Wieso sie ausgerechnet im Winter Campen gehen? "Weil es schön ist", sagt Herbert trocken. Dann lacht er. Die Kürnacher (Bayern) sind gerade erst angekommen. Drei Tage möchten sie bleiben, dann geht es weiter nach Bad Säckingen. "Wir gehen ins Solemar, zum Wandern. Das Gleiche, was wir auch im Sommer machen würden", sagt der 63-Jährige. Seit er 15 Jahre alt ist, campt er. "Damals allerdings noch mit Fahrrad und Zelt." Seit er mit Gertrud verheiratet ist, haben sie einen Wohnwagen. "Das war praktisch mit den Kindern." Als die beiden Töchter aus dem Haus waren, stieg das Ehepaar auf ihr Wohnmobil um. "Eine Zeit lang waren wir auch immer an Weihnachten unterwegs", sagt Herbert. Aber seit er Opa ist, möchte er auf Heilig Abend mit seinen beiden Enkeln nicht mehr verzichten. "Deswegen fahren wir jetzt einfach später los."

Camping bei Schnee und Eis? Für Josef aus Merzig kein Widerspruch. Jeden Winter gehe er drei Mal jeweils zehn Tage lang mit seinem Sprinter auf Reisen. Bilder: Birgit Müller
Camping bei Schnee und Eis? Für Josef aus Merzig kein Widerspruch. Jeden Winter gehe er drei Mal jeweils zehn Tage lang mit seinem Sprinter auf Reisen. Bilder: Birgit Müller

Im Winter herrsche zwischen Weihnachten und Heilige Drei Könige Hochbetrieb auf dem Reisemobilhafen und das unabhängig vom Wetter, sagt Platzbetreiber Martin Bertsch. "Die meisten Camper sind von Kindesbeinen an mit ihren Eltern im Zelt unterwegs gewesen." Dass sie auch im Winter auf ihr Hobby nicht verzichten möchten, wundert ihn nicht. "Die, die das erste Mal im Winter campen, vergessen aber manchmal Winterdiesel zu tanken", sagt er. Dann gebe er eben Starthilfe.

Stellplätze

Der Reisemobilhafen in Bad Dürrheim und der Natur Camping-Platz in Sunthausen haben das ganze Jahr über geöffnet. Im Winter ist insbesondere von Weihnachten bis Heilige Drei Könige, aber auch während der Fasnet Hochbetrieb. Allein auf dem Reisemobilhafen ist dann gut die  Hälfte der mehr als 400 Plätze besetzt, sagt Platzbetreiber Martin Bertsch.