Herr Berggötz, Sie sind 32 Jahre alt und leben aktuell in Rastatt. Warum bewerben Sie sich ausgerechnet in Bad Dürrheim, was bedeutet Ihnen die Stadt?

Bad Dürrheim ist für mich in erster Linie mit wunderbaren Menschen verbunden. Es ist eine tolle Region, eine gute Infrastruktur ist vorhanden. Bedingt durch die guten und intensiven Kontakte aus meiner Kinder- und Jugendzeit, ist Dürrheim für mich immer Heimat geblieben. Auch auf dem Wochenmarkt heute habe ich erlebt, wie viele Leute auf mich zugekommen sind. Und zwar nur positiv. Es war fast schon ein bisschen erschreckend, dass nur positive Reaktionen kamen. Jedenfalls ist für mich die Verantwortung enorm, die Fußstapfen sind extrem groß. Dessen muss man sich bewusst sein und das auch durchhalten.

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Große Punkte bei Bürgermeisterwahl sind Verwaltungs- und Führungserfahrung. Wie beurteilen Sie Ihre Fähigkeiten darin?

Ich denke schon, dass ich durch mein Studium, die Praktika an unterschiedlichen Stellen und die zwei Jahre als Referent für den EU-Abgeordneten Daniel Caspary und weiter meine Tätigkeit in Rastatt über Erfahrung verfüge. Die Zeit in Brüssel war für mich ein toller Einstieg, ich durfte viel lernen. Verwaltungserfahrung habe ich durch fünf Jahre Tätigkeit im Oberbürgermeister-Büro in Rastatt. Und Führungserfahrung? Ja, die habe ich durch meine jetzige Position auf jeden Fall. Ich bin aber eher Teamplayer, jemand der nach vorne geht, der extrem viel arbeitet, motiviert ist, viel erreichen möchte, um Vorbild zu sein. Aber dann lasse ich die Leute auch nachkommen. Der Umgang mit schwierigen Mitarbeitern gehört dazu.

Was ist für Sie Wirtschaftsförderung, speziell auf Bad Dürrheim bezogen? Wie sehen Sie die Entwicklung im Gewerbegebiet, die verstreuten Strukturen drum herum, und wo sehen Sie Wachstumsmöglichkeiten?

Um diese Frage zu beantworten, muss ich erst mal hinhören, wo der Schuh drückt, so wie ich es angefangen habe. Zuhören halte ich wirklich für etwas Entscheidendes. Um mit den Unternehmen ins Gespräch zu kommen, werde ich alle noch anschreiben. Eine ganz wichtige Sache ist, gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Industrie hier hat gute Rahmenbedingungen durch die Infrastruktur, nichtsdestotrotz ist es aktuell schwierig zu sagen, ich mache das oder das. Den Wahlkampf werde ich ganz bewusst führen, aber gewisse Informationen muss ich mir erst reinholen.

Wieso haben Sie eigentlich erst abgesagt, und wie kommt es, dass Sie jetzt doch kandidieren?

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich speziell angefragt wurde, sondern wurde nur immer wieder mal gefragt, ob Bad Dürrheim denn für mich in Frage komme. Hab dann geantwortet: Nein erst mal nicht. Meine Partnerin fing mit der Zeit aber auch an zu überlegen. Sie ist zwar in Rastatt zu Hause, sagte dann aber: Das ist dein Traum, und wenn du das machen willst, dann ziehe ich mit. Später rief noch ein guter Kumpel an, auch Bürgermeister, und fragte, ob ich nicht wolle. Zwischen den Jahren kamen immer mehr Anfragen. Da habe ich gemerkt: Mensch, die Leute trauen mir das zu. Wir sind dann zwei Mal nach Bad Dürrheim gefahren und haben uns alles näher angeschaut.

Und was sagt Ihre Partnerin nun zu Ihrer Kandidatur?

Sie hat ein bisschen die Angst, ob sie tatsächlich hier intensiven Kontakt findet. Sie hat BWL studiert, ist als Controllerin bei einem Automobilzulieferer tätig und 35 Jahre alt. Beim zweiten Mal, als die Gespräche mit Fraktionsvertretern geführt wurden, war sie auch dabei, und da sagte sie dann ja und dann lief auch schon alles auf Hochtouren.

Wer saß bei diesen Gesprächen alles am Tisch?

Die Vertreter waren Andrea Kanold (FDP), Klaus Götz von den Freien Wählern und Wolfgang Kaiser von der LBU. Mit der SPD hatte ich da noch keinen Kontakt, weil ich gehört hatte, dass die selbst aktiv suchen. Mir ist natürlich auch ganz wichtig, mit der SPD in Kontakt zu sein. Für den Einstieg war jedoch für mich wichtig zu wissen, ob Rückendeckung da ist.

Was sagen Sie zum Projekt Irma?

Ich finde es erschreckend, dass einzelne Leute Prozesse schon sehr stark lahmlegen können. Es ist nicht vorteilhaft, wenn Prozesse zu lange dauern. Das ist sicherlich für alle nicht gut. Ich werde alle hören und dann entscheiden. Für Entscheidungen einzustehen, auch wenn man sich ein paar Feinde macht, gehört, glaube ich, zu einem Bürgermeister dazu.

Ihre Meinung zum Thema Minara?

Ich persönlich war ja früher viel im Freibad, deshalb bedauere ich es, dass es wegfällt. Schlussendlich ist es der Beschluss einer demokratischen Mehrheit. Man muss Visionen haben, aber auch die Mehrheiten akzeptieren.

Haus Hohenbaden? Was machen Sie damit?

Investoren suchen, offen auf dem Weg sein, Entscheidung kann man weiterentwickeln oder muss man es irgendwann doch platt machen. Wie gesagt, werde ich mich in den nächsten Wochen in alles „reinfressen“.

Wo sehen Sie die Knackpunkte in Bad Dürrheim?

Ein Thema ist das Ausspielen zwischen Tourismus und den Bürgern. Was mir öfter gesagt wurde, ist, dass die Bürger den Eindruck hatten, dass Tourismus im Vordergrund stand, nicht die Bürger. Dieses Thema will ich klären. An mich herangetragen wurde auch das Thema bezahlbarer Wohnraum. Es ist wichtig, Familien in Bad Dürrheim zu halten, und man kann versuchen, Familien stärker anzuziehen. Es gibt viele ältere Leute, die extrem viel Platz haben, hier könnte man versuchen, eine Fluktuation in Gang zu setzen. Auch dazu werde ich noch etwas zu meinen Vorstellungen liefern.

Wie empfinden Sie die Verkehrssituation in Bad Dürrheim? Fußgängerzone, Friedrichstraße, macht man die Händler tot?

Sie sprechen ein Thema an, das ich schon öfter gehört habe. Ich wurde angesprochen, man bräuchte eine Fußgängerzone oder einen Fahrradweg. Auch hier werde ich mich erst informieren und dann etwas sagen. Das Thema Einzelhandel ist allgemein schwierig. Seitdem ich Wirtschaftsförderer bin, achte ich bewusst stärker darauf, wo ich einkaufe.

Was für eine Vision haben Sie für Bad Dürrheim, wo soll die Stadt nach acht Jahren stehen?

Das Wichtigste ist – wenn ich gewählt werden sollte –, dass die Leute sagen, das waren tolle acht Jahre, dass sich alle wertgeschätzt fühlen, auch in den Vereinen, dass man die Leute ermutigt bekommt, sich einzusetzen. Wichtig ist mir, dass die Bürger am Ende sagen: Sie waren nicht mit allem einverstanden, aber er war immer offen, ehrlich und transparent und hat die Leute versucht mitzunehmen. Jetzt schon klar zu sagen, was nach acht Jahren rauskommen soll, damit tue ich mich momentan aber noch schwer. Klar muss man als Bürgermeister auch visionär vorausschauen. Im Februar sammele ich intensiv die Punkte, im März kann ich klare Antworten geben.

Fragen: Norbert Trippl

... Gründe um in Bad Dürrheim zur Bürgermeister-Wahl zu gehen

  1. Tourismus-Standort:
  2. Gesundheitssektor:
  3. Lebensraum:
  4. Bürgerschaftliches Engagement:
  5. Gewerbeansiedlung: