"Bad Dürrheim blüht auf", so nennt sich die Aktion eines Arbeitskreises, der sich 2018 zum Ziel gesetzt hat, die Kurstadt bunter zu machen, Lebensraum für Insekten zu schaffen sowie die Böden und das Wasser zu schützen. Es wurden bereits Hecken gepflanzt und ein Fotowettbwerb soll Bürger animieren sich zu beteiligen.

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Der Gemeinderat hat 3000 Euro Fördermittel für Bürgeraktionen im Rahmen des Projektes zur Verfügung gestellt (wir berichteten).

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Jetzt wird's richtig bunt

Markus Hirt vom Birkenhof ist zwar nicht offizieller Projektpartner der Aktion "Bad Dürrheim blüht auf", doch auch er möchte einen Beitrag zum Wohle der Natur und für eine schönes Stadtbild leisten. Der Landwirt plant, 40.000 Quadratmeter Ackerfläche – das sind vier Hektar, oder 200 mal 200 Meter Fläche – mit einer einjährigen Blumenmischung zu bepflanzen, was wohl eine Rekordfläche in der Region darstellen dürfte.

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Video: Fröhlich, Jens

Hirt möchte mit seinem Engagement zeigen, dass bei der konventionellen Landwirtschaft nicht alles schlecht ist und auch nachhaltig betrieben werden kann. "Man muss einen Mittelweg finden", sagt er. So lässt er zum Beispiel das Stroh nach der Ernte auf seinen Feldern, arbeitet es in die Böden ein, um natürlichen Humus zu bilden. Das macht er, obwohl er für das Stroh gute Preise erzielen könnte. "Der Boden ist unser Kapital, den muss man schützen", erklärt der 46-Jährige.

Landwirt Markus Hirt hat noch einen kleinen Rest Saatgut vom letzten Jahr übrig. Seine Blühwiese könnte im Mai auf der Fläche hinten rechts entstehen, direkt neben der Bundesstraße.
Landwirt Markus Hirt hat noch einen kleinen Rest Saatgut vom letzten Jahr übrig. Seine Blühwiese könnte im Mai auf der Fläche hinten rechts entstehen, direkt neben der Bundesstraße. | Bild: Fröhlich, Jens

Die Idee

2018 wagte er einen weiteren Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. "Ich habe mich damals über einen kritischen Medienbericht zur konventionellen Landwirtschaft geärgert", erinnert er sich. Kurzerhand verbannte er den Raps von seinem Feld und pflanzte 36.000 Qaudratmeter Blühwiese an. "Da war die Hölle los", freut er sich. Mit so vielen Bienen, Schmetterlingen und anderen Insekten hätte er gar nicht gerechnet. Von Ende Mai bis September gab es dort ein wahres Brummkonzert.

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Für den Unternehmer ist der Wechsel in der Fruchtfolge aber nicht nur schön anzuschauen, er registriert auch andere positive Effekte. "Der im Oktober ausgebrachte Winterweizen gedeiht dort sehr gut. Der Boden wurde gut durchwurzelt und durch das Mulchen konnte er mit Biomasse angereichert werden." Angesichts dessen schmerzt der Verzicht auf Erträge aus dem Rapsverkauf zur Ölproduktion schon weniger. "Raps eignet als Hauptfrucht ebenfalls sehr gut", ist sich Hirt sicher. Es seien jedoch Pflanzenschutzmittel notwendig, nennt er sein Bedenken. Eine andere Alternative sind Kleegrasmischungen.

Die neue Blühwiese

Den Erfolg aus dem letzten Jahr will Hirt daher wiederholen, dieses Mal auf 40.000 Quadratmeter Fläche. Das gab es in dieser Größe in der Region vermutlich noch nicht.

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Zwei Felder stehen in der engeren Auswahl. Je nach Wetterlage muss sich Hirt spontan entscheiden, wo ein Blumen- und eine Getreidefeld entstehen werden. Für die Bad Dürrheimer Bürger wäre sicher das Feld direkt neben der Bundesstraße attraktiver, welches nach der Brücke beim Friedhof stadtauswärts linker Hand zu finden ist. Fläche Nummer zwei liegt weiter hinten in den Feldern, nahe eines kleinen Wäldchens.

Blühpaten gesucht

80 Kilogramm Saatgut benötigt Hirt für die Rekord-Blumenwiese, was rund 600 Euro kostet. Nicht gerade günstig, Arbeitszeit, Maschinen und Treibstoff nicht mit eingerechnet. Arbeit fällt zum Beispiel beim Aussäen, oder beim Mulchen an. Fast einen Tag dauert Letzteres, wenn der Boden nicht ganz trocken ist.

Video: Fröhlich, Jens

Daher hofft Hirt, dass sich viele Unterstützer finden, die eine Blühpatenschaft übernehmen, um die Kosten für den Landwirt im Rahmen zu halten. Hirt kann sich vorstellen 100-Quadratmeter große Stücke zu vergeben, oder auch kleine Parzellen für 25 Euro. Die Paten sollen eine gedruckte Karte bekommen, die ihre Patenschaft dokumentiert, oder sie finden auf Schildern direkt am Feld Erwähnung. Den Fußweg zum Feld wir er auf jeden Fall ausschildern, damit Fußgänger einfach zur Blumenwiese finden.

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Mitmachen kann jeder, von der Privatperson bis zum Unternehmen. Menschen, die keinen eigenen Garten haben, könne sich so ein Stück Blumenwiese sichern. "Oder als Geschenk für einen lieben Menschen", so Hirt. Wer mithelfen möchte, dass es auch in den kommenden Jahren eine XXL-Blumenwiese geben wird, der kann sich telefonisch an Markus Hirt wenden: 07726/8311.

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Zur Person

Markus Hirt ist 46-Jahre alt. Vor 14 Jahren hat er den Birkenhof, der rund einen Kilometer neben der Bundesstraße liegt, von seinen Eltern übernommen. Er betreibt konventionelle Landwirtschaft und baut vornehmlich Getreide an, und versucht, den Maisanbau auf ein Minimum zu reduzieren. Seine Schweinezucht hat er vor einigen Jahren aufgegeben. Sein Vater hilft noch im Betrieb mit. 1962 wurde der Bauernhof, den damals der Großvater bewirtschaftete, aus der Bad Dürrheimer Innenstadt auf die Felder in Richtung Marbach und Kirchdorf umgesiedelt.

Am Birkenhof erzählt diese Tafel am Hauseingang von dessen Geschichte. 1962 wurde der Bauernhof, den damals der Großvater von Markus Hirt bewirtschaftete, aus der Bad Dürrheimer Innenstadt auf die Felder in Richtung Marbach und Kirchdorf umgesiedelt.
Am Birkenhof erzählt diese Tafel am Hauseingang von dessen Geschichte. 1962 wurde der Bauernhof, den damals der Großvater von Markus Hirt bewirtschaftete, aus der Bad Dürrheimer Innenstadt auf die Felder in Richtung Marbach und Kirchdorf umgesiedelt. | Bild: Fröhlich, Jens

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