Igel sind putzige, gern gesehene Gäste in heimischen Gärten. Leider reicht oft das Nahrungsangebot für eine Überwinterung der Tiere nicht aus, oder sie erleiden Verletzungen durch Rasenmäher und brauchen dann Hilfe. Die Igelspezialistin Karin, die in Hochemmingen eine Auffangstation für kranke, verwaiste oder verletzte Igel betreibt, gibt Tipps, worauf es ankommt, wenn man solche kleinen Zeitgenossen in einer vermeintlich hilflosen Situation findet. Ihren vollen Namen will Karin nicht öffentlich nennen, da erfahrungsgemäß die Gefahr bestehe, dass ihr Tiere „einfach ungefragt über den Zaun geschmissen werden“, wie sie sagt.

Auf dem Gelände eines Tierfreundes in Hochemmingen steht der Bauwagen von Karin, in dem sie die hilfsbedürftigen Tiere versorgt. Bilder: Wolf-Wilhelm Adam
Auf dem Gelände eines Tierfreundes in Hochemmingen steht der Bauwagen von Karin, in dem sie die hilfsbedürftigen Tiere versorgt. | Bild: Wolf-Wilhelm Adam

Igel, die am Straßenrand liegen, offensichtlich verletzt sind oder merkwürdige Geräusche von sich geben, bräuchten in der Regel immer Hilfe, so die Expertin. Erster Ansprechpartner für solche Funde sei der Tierschutzverein oder eben eine Igelauffangstation wie das Igelherz in Hochemmingen. Aktuell seien bei ihr vier erwachsene Igel in Pflege, erklärt Karin, die mit akuter Lungenentzündung, offenen Wunden, Parasitenbefall oder ähnlichem eingeliefert wurden. „Gerade zu dieser Jahreszeit, wo Igelbabys noch relativ jung sind, sollte man beim Fund eines erwachsenen Igels unbedingt die nähere Umgebung absuchen, denn es komme oft vor, dass die Mütter angefahren werden und die Babys dann zu früh auf sich alleine gestellt sind“, weiß die Igelexpertin.

Findet man einen kleinen Igel, gilt es, erst einmal zu beobachten, denn die Kleinen begeben sich Ende September gern auf eigenständige kleinere Ausflüge und das schon auch mal tagsüber. Sieht man also noch mehr Igelbabys und taucht auch noch die Mutter auf, dann ist alles in Ordnung und man muss nicht einschreiten. Ist die Mutter aber weit und breit nicht zu finden, sollte man zunächst das Nest suchen. Dies kann sich unter Hecken, Paletten, im Gebüsch oder unter einer Ansammlung von Blättern befinden.

Der Kleine muss noch ein paar Tage in Quarantäne bleiben, da er mit einer Lungenentzündung über Lungenwürmer für die anderen Tiere ansteckend wäre. Bild: Wolf-Wilhelm Adam
Der Kleine muss noch ein paar Tage in Quarantäne bleiben, da er mit einer Lungenentzündung über Lungenwürmer für die anderen Tiere ansteckend wäre. | Bild: Wolf-Wilhelm Adam

Wichtig ist: Igelbabys dürfen nicht mit bloßen Händen angefasst werden, da der Geruch von Menschen an ihnen haften bleibt und die Mutter sie eventuell verstoßen könnte. Also erst einmal die Gartenhandschuhe anziehen und eines der Babys wiegen. Grob gilt: Ende September sollte ein Igelbaby 300 Gramm schwer sein, Mitte Oktober 400 Gramm und Ende Oktober rund 500 Gramm. Im November sollte die Waage dann 600 Gramm anzeigen, damit das Igelbaby den Winterschlaf überleben kann. Anhand dieser groben Richtwerte könne man gut erkennen, ob es dem Tier gut geht. Bei starken Gewichtsabweichungen ist Hilfe angesagt.

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Erste Hilfsmaßnahmen

Im Bereich unter 200 Gramm braucht ein Igelbaby in erster Linie Wärme. Man sollte es also reinholen und auf eine handwarme Wärmflasche setzen. Wichtig ist, den kleinen Vierbeiner nach Fliegeneiern abzusuchen. Diese sehen aus wie Reiskörner und müssen möglichst sofort entfernt werden. „Fliegenmaden schlüpfen innerhalb weniger Stunden, krabbeln in jede Körperöffnung und fressen es von innen auf“, betont die Igelexpertin.

Auch ganz wichtig: Igel sind hochgradig lactoseintolerant und vertragen keine Milch! Am besten reicht man Wasser oder Fencheltee. Katzennassfutter, Rührei und ungewürztes und gedämpftes Rinderhackfleisch sind bevorzugte Leibspeisen des kleinen Wildtieres. Ist man sich unsicher, ist es besser, sofort die Igelstation anrufen. Tierheime sind übrigens nicht die richtigen Ansprechpartner, da sie für Haustiere ausgelegt sind und verweisen deshalb auch direkt an die Igelstation.

„Wir helfen natürlich gerne und jederzeit weiter“, betont Karin von der Igelstation, „doch jeder, der so ein Igelchen selbst aufpäppelt, ist herzlich willkommen.“ Ganz kleine Igel etwa müssen alle zwei Stunden mit spezieller Aufzuchtmilch gefüttert werden. Wobei die Zeit, in der solch kleine Igel gefunden werden könnten, eigentlich schon vorbei sei.

Enormer Pflegeaufwand

Und hier zeigt sich auch schon der Aufwand sehen, der hinter solch einer Igelstation steckt. Karin ist aktuell allein auf weiter Flur. Dreizehn Igelbabys brauchen gerade annähernd rund um die Uhr ihre Betreuung und sie macht das alles ehrenamtlich. „Ich bin auf Spenden und die Unterstützung vieler angewiesen“, erzählte sie unserer Zeitung. Sie betreibt eine Facebookseite, auf der sie postet, was sie benötigt und sie könne sich wirklich über eine große Hilfsbereitschaft freuen. „Es ist toll, eine solche Unterstützung hinter sich zu wissen.“ Was ihr besonders helfen würde, wären aktive Helfer, das beispielsweise das Füttern der Tiere übernehmen würden, damit sie sich um die medizinischen Notfälle kümmern kann.

Dieser rund dreijährige Igel war von Parasiten befallen und steht nach erfolgreicher Behandlung schon wieder kurz vor seiner Auswilderung.
Dieser rund dreijährige Igel war von Parasiten befallen und steht nach erfolgreicher Behandlung schon wieder kurz vor seiner Auswilderung. | Bild: Wolf-Wilhelm Adam

Die Igel werden übrigens so bald als möglich wieder ausgewildert. Auch dafür werden immer wieder Leute gesucht, die bereit sind die Igel innerhalb von zwei Wochen bei sich auf dem Grundstück auszuwildern. Und eines liegt ihr besonders am Herzen: Die Leute sollen bei der Gartenarbeit aufpassen, damit die stacheligen Vierbeiner nicht durch Fadentrimmer, Motorsensen oder Mähroboter verletzt werden.

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