Neun Einwendungen beim LandratsamtZahlreiche Anwohner äußern sich besorgtWaldeck-Chef äußert sich knapp und literarisch.

Der Widerstand gegen die Erweiterungspläne des Waldeck SPA Kur- & Wellness Resort ebbt nicht ab: "Eine Vielzahl von Anwohnern haben ihre Besorgnis über das Geplante bei der Stadtverwaltung Bad Dürrheim oder bei anderen Ämtern unseres Hauses geäußert“, sagt Heike Frank, Sprecherin vom Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis. Neun Einwendungen sind dort mittlerweile gegen die Pläne von Geschäftsführer Rüdiger Schrenk eingegangen. Darunter auch jene von Rechtsanwalt und Angrenzer Hans-Jörg Knäpple und seiner Ehefrau Annerose, Gründungsmitglied der Interessengemeinschaft Pro Bad Dürrheim. Die Gruppe macht gegen die Pläne für den Irma-Nachfolgebau mobil.

Für Hans-Jörg Knäpple ist die Sache eindeutig: Der Bauantrag von Waldeck-Geschäftsführer Rüdiger Schrenk im Ahornweg 6 ist abzulehnen, ausgenommen ist die Umnutzung des Wohnhauses für neun Gästezimmer. Dort sollen auch ein Tagungs- und ein Seminarraum angemietet werden können. Geplant ist auf dem Areal zudem ein „Waldeck-Event-Garten“ mit Café und Gin-Bar. Die dafür beantragte Terrassennutzung haben die Räte des Technischen Ausschusses in ihrer Sitzung im Februar abgelehnt, der Umnutzung des ehemaligen Wohnhauses auf dem Areal in das Gästehaus mit Tagungsräumen zugestimmt. Doch für Knäpple ist dies nicht genug.

Ihm zufolge müsse die Nutzung des Gebäudes getrennt voneinander betrachtet werden: Denn zwar sei es planungsrechtlich allgemein zulässig, Gästezimmer in dem Areal zu vermieten. Nachdem die Tagungs- und Seminarräume jedoch offenbar nicht im Zusammenhang mit dem Hotel- und Kurbetrieb des Resorts angeboten werden, handle es sich um einen Gewerbebetrieb – und eben dies sei auf dem Areal, das auf dem Bebauungsplan als allgemeines Wohngebiet ausgewiesen ist, unzulässig.

„Der allgemeine Stein des Anstoßes ist aber die Terrasse“, sagt der Anwalt. 120 Quadratmeter groß soll sie werden, als „eigenständige, vom Hotel unabhängige Anlage“, wie es in Knäpples Einwendung heißt. Denn dem Juristen nach sei es nicht eindeutig, ob die Terrasse lediglich von Waldeck-Gästen genutzt werden dürfe, oder auch externen Besuchern offen stünde.

Dann handle es sich um einen – nach dem Bebauungsplan unzulässigen – Gewerbebetrieb. Und auch wenn die Terrasse als „Erweiterungsbetrieb der bestehenden Schank- und Speisewirtschaft des Parkhotels“ ausgelegt werde, wie es Geschäftsführer Rüdiger Schrenk in einer Klarstellung vergangene Woche formulierte, sei dies nicht zulässig. Denn lediglich Schank- und Speisewirtschaften, die der Versorgung des Gebiets dienten, seien in dem Areal rechtens, so Knäpple.

Unabhängig davon werden im Bauantrag zu wenige Stellplätze aufgeführt, führt der Jurist weiter an: 13 seien vermerkt. Nachdem aber bis zu 36 Personen allein in den Tagungsraum und maximal 24 in den Seminarraum Platz finden, müsste ein Stellplatzschlüssel von einem Platz pro zwei Personen zugrunde gelegt werden – vergleichbar mit jenem einer Hochschule. Damit seien 30 zusätzliche Stellplätze erforderlich, zusammen mit jenen für das Gästehaus seien also 35 Stellplätze von Nöten.

Für Knäpple, der mit seiner Einwendung einen Teil der Bedenken der Angrenzer bündelt, kommen durch die Erweiterungspläne eine Reihe an Probleme zusammen: „Einmal ist es das latente Lärmproblem“, sagt er. Doch auch die Parkplatzsituation würde sich massiv verschärfen. Um sich die Gebühren für einen Stellplatz auf dem Waldeck-Areal zu sparen, stellen laut Knäpple viele Resort-Gäste und Mitarbeiter ihre Pkw im Wohngebiet in der Waldstraße sowie in der Grünallee ab – was dazu führe, dass die Angrenzer selbst schon heute lange einen Stellplatz suchen müssten.

Die Reaktion von Waldeck-Chef Rüdiger Schrenk auf die erneuten Attacken gegen sein Projekt fällt knapp aus: "Besonders beachtenswert sind die Aktionen von Herrn und Frau Knäpple, die zur Verzögerung des Irma-Abrisses führten. Wenn ich es richtig verstehe, unterstellt er der Behörde Unkenntnis. Seine Ausführung richtet sich gegen die verantwortliche Verwaltung und nicht primär gegen uns", sagt er. Nur eine Geschichte könne daher die Situation treffend kommentieren: Während ein Schäfer seine Tiere hütet, taucht ein Mann auf. Dieser fragt, ob er eines der Schafe haben könne, wenn er die Größe der Herde errät. Der Schäfer willigt ein, mit technischen Kniffen kommt der Mann auf die richtige Zahl, darf sich ein Schaf aussuchen. Doch der Schäfer legt nach: Er möchte sein Tier zurück, wenn er den Beruf des Mannes errät. Auch dieser willigt ein. Der Schäfer errät den Beruf – Unternehmensberater – und erklärt: "Erst kommen Sie hierher, obwohl Sie niemand gerufen hat. Zweitens wollen Sie ein Schaf als Bezahlung haben dafür, dass Sie mir etwas sagen, was ich ohnehin schon weiß, und drittens haben Sie keine Ahnung von dem, was ich mache, denn Sie haben sich meinen Hund ausgesucht."

Die Lage

Die geplante Waldeck-Erweiterung befindet sich auf einem Areal, das im Bebauungsplan als allgemeines Wohngebiet aufgeführt ist. Ausnahme: Das Waldeck selbst ist planungsrechtlich als Sondergebiet ausgewiesen.