Nachdem Sunthausen und Biesingen schon im vergangenen Jahr ans schnelle Glasfasernetz angeschlossen worden sind, soll der Breitbandausbau auch in der Kernstadt und den Teilorten Ober- und Unterbaldingen mit großen Schritten vorangehen. Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, den Bauabschnitt um Bahnhofstraße und Luisenstraße in der Kernstadt vorzuziehen. Da der Backbone, der Verbindungsstrang zwischen den einzelnen Gemeinden im Landkreis, von Bad Dürrheim bis Hochemmigen gebaut wird, sollen auch Straßenzüge in Hochemmingen angeschlossen werden. Endet der Anschluss auf dem Grundstück, soll also der Haushalt noch nicht ans Breitband angeschlossen werden, kostete dies Hausbesitzer bisher 119 Euro, der Gemeinderat hob die Summe auf 357 Euro an.

  • Kernstadt: Noch in diesem Jahr soll mit dem Ausbau begonnen werden. Das zuständige Ingenieurbüro hat sich dafür ausgesprochen, den Breitbandausbau mit drei Technik-Knotenpunkten auszustatten. Bisher war nur ein zentraler Standort, der in der Fachsprache „Point of Presence“ genannt wird, geplant gewesen. Der Technikstandort am Kindergarten bleibt erhalten. Der Süden und der Norden sollen eigene Knotenpunkte bekommen. Da sich die Faserlängen reduzieren, können die Kosten der zusätzlichen zwei Standorte kompensiert werden. Zwölf Glasfasern laufen in jedes Haus oder jede Wohnung, wie der Geschäftsführer des Zweckverbandes Breitbandversorgung Schwarzwald-Baar, Jochen Cabanis, erklärt. An den Technikstandorten laufen die Leitungen der Häuser zusammen, von dort aus wird der Datenverkehr der Endnutzer in das Backbone-Netzwerk eingespeist.
    In der Kernstadt wird der Breitbandausbau in zwei Bauabschnitte aufgeteilt. Für den ersten Bauabschnitt, der die Karl- und Schulstraße sowie die Riedstraße, Ludwigstraße und Salinenstraße betrifft, liegen mittlerweile einige Rückmeldungen von Bürgern vor, die Interesse bekundet haben. Die Verwaltung teilt mit, dass es für diesen Bauabschnitt schwierig sei, eine Förderung zu erhalten, da die Gebiete teilweise durch Unitymedia und Telekom grundversorgt seien. Der Bereich des Backbones zur Schule und zu den beiden Aussiedlerhöfen auf Aasener Gemarkung plus des neuen Kindergartens und der Feuerwehr könnte schnell erschlossen werden.
    Rund eine Million Euro kostet der erste Bauabschnitt, Fördermittel in Höhe von rund 84 000 Euro stünden in Aussicht. Der zweite Bauabschnitt, der die Bahnhofstraße und einen lange Strecke der Luisenstraße betrifft, soll zeitlich vorgezogen werden, das entschied der Gemeinderat. Maßgeblicher Grund dafür sei, dass im Bereich „Sonnenbühl“ die Möglichkeit bestehe, drei neue Wohnanlagen mit insgesamt 50 Wohneinheiten ans Netz anzuschließen. Das soll noch passieren, bevor der Neubau steht. Cabanis rechnet mit der Fertigstellung bis zum Sommer 2019. Auch die Vitalkliniken könnten angeschlossen werden, genauso wie der Narrenschopf. Diese Anschlüsse seien förderfähig. Für den zweiten Bauschnitt sind derzeit 400 000 Euro an Kosten einkalkuliert. Bis Ende 2019 soll der Ausbau in der Kernstadt komplett beendet sein.
  • Ober- und Unterbaldingen: Unterbaldingen wird mit Förderung ausgebaut, weil die Unterversorgung bewiesen ist. Der Förderantrag, Oberbaldingen betreffend, wurde Anfang Mai an das Innenministerium nach Stuttgart geschickt. Der Zweckverband hat nun auch eine Antwort des Ministeriums bekommen, in der es sich auf den Breitbandatlas des Bundes beruft. Demnach seien der Bereich der Hauptstraße in Oberbaldingen und das Gewerbegebiet Bahn mit 30 Mbit und damit gut versorgt. Für gutversorgte Gebiete gibt es allerdings keine Förderung. Das will der Zweckverband nicht hinnehmen. „Das können wir uns ohne Förderung nicht leisten“, sagt Jochen Cabanis. Der Zweckverband will deswegen selbst eine Messung durchführen. Dadurch verzögert sich der Ausbau, der eigentlich zeitnah beginnen sollte, um vier bis fünf Monate. Der Zweckverband nutzt ein spezielles Messverfahren, das zusammen mit der Hochschule in Furtwangen entwickelt wurde. „Ein kleines Roboter-Kästchen misst jede Stunde die Verfügbarkeit, und das sieben Tage lang“, erklärt Cabanis. Dadurch könne verlässlich ermittelt werden, dass die Versorgung nicht gut sei. Pro hundert Meter könnten 10 000 Euro Förderung gerechnet werden. „Wir würden also mindestens 30 000 bis 40 000 Euro an Fördergeldern nicht haben“, erklärt Cabanis die Dimension, die durch die weite Entfernung der Adresse Bahn zur Hauptrasse entsteht. Auf einen Förderantrag im Bereich der Hauptstraße in Oberbaldingen verzichtet der Rat, der Zweckverband hält diesen für nicht aussichtsreich. Das bedeutet, dass dort noch in diesem Jahr mit dem Ausbau begonnen werden kann.
  • Hochemmingen: Im kommenden Jahr soll der Backbone laut Zweckverband von Bad Dürrheim über Hochemmingen weitergeführt werden. Im Zuge dessen befürwortet der Gemeinderat einen Ausbau des Ortsnetzes entlang der Backbone-Strecke. Da Hochemmingen nahezu flächendeckend durch Unitymedia versorgt werde, sind ausschließlich Anschlüsse entlang der Trasse vorgesehen. Ausnahme ist die Schweizerstraße, die trotzdem mitangeschlossen werden soll, weil hier keine gute Versorgung durch Unitymedia gegeben sei. Die Kosten für den Ausbau in Hochemmingen belaufen sich auf rund 290 000 Euro.

Einzigartiges Projekt: So funktioniert der Glasfaser-Ausbau im Schwarzwald-Baar-Kreis