Seit Längerem ist klar: Das Wasserwerk Schabelwiesen, von wo aus die Stadt mit Wasser versorgt wird, muss saniert werden. Bis es so weit ist, wird noch einige Zeit ins Land gehen. "Wir stehen noch ganz am Anfang", sagte Stadtkämmerer Jörg Dieterle, der vonseiten der Verwaltung auch für das Wasserwerk zuständig ist. Doch schon jetzt ist klar: Das Wasser wird erheblich teurer, der Preis steigt um 1,05 bis 1,10 Eurp pro Kubikmeter, das sind zwischen 75 und 79 Prozent.

Bisher kostete Wasser pro Kubikmeter 1,40 Euro, was im Vergleich mit anderen Städten und Gemeinden im Landkreis recht günstig ist. Alleine durch die neue Wasseraufbereitungsanlage verteuert sich der Preis um etwa 70 Cent pro Kubikmeter. Durch eine Enthärtungsanlage, die das Wasser vor allem in der Kernstadt und Hochemmingen weicher machen soll, könnte der Preis um weitere etwa 35 bis 40 Cent nach oben getrieben werden.

Mit 2,50 Euro pro Kubikmeter Wasser läge der Preis dann über dem in Villingen mit 2,47 Euro, Donaueschingen mit 1,98 Euro, Brigachtal mit 2,09 Euro, Tuningen mit 1,96 Euro, und Königsfeld mit 2,27 Euro pro Kubikmeter. In etwa gleichauf ist der Preis in Hüfingen mit 2,51 Euro, Spitzenreiter in Sachen Wasserpreis ist St.Georgen mit 3,10 Euro pro Kubikmeter.

Für eine vierköpfige Familie bedeutet der Anstieg Mehrkosten von zehn bis zwölf Euro pro Monat. Dieterle betont allerdings, dass Verbraucher auch Einsparpotenziale nutzen könnten, beispielsweise durch weniger Verbrauch von Wasch- und Reinigungsmitteln sowie einen geringeren Energiebedarf bei der Warmwasseraufbereitung.

Die Stadt gibt dafür etwa fünf Euro an Einsparungen an. Bürger, die bereits eine private Enthärtungsanlage eingebaut haben, könnten außerdem Betriebskosten sparen. Wer wie viel Geld spart, hängt vom Nutzer selbst ab. Die Zahlen seien nur Durchschnittswerte betont Dieterle, die Einsparungen könnten auch höher oder geringer ausfallen.

Zusammenarbeit mit Brigachtal

Im kommenden Jahr könnte nach jetzigen Planungen mit den Arbeiten begonnen werden, 2020 sollen sie abgeschlossen sein. Um ein Stimmungsbild von der Bevölkerung einzuholen, hatte die Stadt in der vorletzten Woche zu einer Bürgerinformationsveranstaltung geladen.

Momentan warte man auf ein Signal aus Brigachtal, denn die Verwaltung hat eine gemeinsame Wasseraufbereitung mit der Nachbargemeinde im Sinn, wie Jörg Dieterle erklärt. Damit könnte Sicherheit für beide geschaffen werden, wenn das Wasser einmal knapp werde. Bis Ende des Jahres sei eine Entscheidung über die Maßnahmen im Gemeinderat angepeilt.

Nach jetzigen Schätzungen kostet das neue Wasserwerk rund 6,2 Millionen Euro, fünf Millionen Euro fallen auf die Wasseraufbereitungsanlage, und circa eine Million Euro auf die Enthärtungsanlage. Zukünftig soll das Wasser statt durch Ozon durch Ultrafiltration gereinigt werden.

Dem Rohwasser werden dafür Schwebstoffe, Bakterien und Viren entnommen. Um auch den Nitratgehalt zu verringern und das Wasser weicher zu machen, bevorzugt die Verwaltung das sogenannte Carix-Verfahren. Dabei wird das Wasser durch einen Ionenaustausch ohne Einsatz von Chemikalien enthärtet.

Damit könne der Wert von 24 Grad deutscher Härte (°dH), was als hart gilt, in der Kernstadt und Hochemmingen auf 8,2 Grad deutscher Härte (weich) reduziert werden. Nicht so stark profitieren würden die Teilorte, weil sie durch eigene Quellen versorgt werden und nur nach Bedarf Wasser vom Entenfangbrunnen aus der Kernstadt empfangen. Aber auch für die Teilorte sucht die Stadt nach Lösungen zur Enthärtung (siehe Infokasten).

Ungerecht findet Jörg Dieterle es dennoch nicht, dass alle Bad Dürrheim den erhöhten Preis künftig zahlen müssen. "Wir sind eine Stadt und haben einen Wasserpreis für alle", betont er. Im Übrigen tue die Stadt auch etwas für die Teilorte, in Öfingen sei für rund 800 000 Euro ider Bau eines Hochbehälters geplant, erklärt der Stadtkämmerer. "Die Tendenz ist eindeutig", sagt Dieterle.

Sowohl in der Bürgerschaft, das habe die Informationsveranstaltung gezeigt, als auch im Verwaltungsausschuss, wo das Projekt vorberaten wurde, zeichnete sich das ab. Deshalb ist Dieterle auch optimistisch, dass der Gemeinderat diese Meinung teilt, auch wenn der Preis stark ansteigt. Der günstige Preis konnte nur so lange gehalten werden, weil das Wasserwerk abbezahlt war.

Wie sinnvoll ist Wassersparen?

Für die meisten Menschen ist Wassersparen eine Selbstverständlichkeit. Die technischen Einsparpotenziale sind in modernen Häusern jedoch weitestgehend ausgeschöpft. Tipps gibt das Umweltbundesamt. So verbraucht Duschen nur ein Drittel des Wassers im Vergleich zu einem Vollbad. Auch beim Zähneputzen und Händewaschen kann man den Hahn zudrehen. Waschmaschine und Geschirrspüler sollten nur vollbeladen in Gang gesetzt werden.

Bei der Toilettenspülung reicht es in der Regel, die Start-Stop-Taste oder die kleine Taste zu nutzen. Wer noch einen alten Spülkasten hat, kann diesen nachrüsten. Die notwendige Vorrichtung gibt es in jedem Baumarkt. Auch im Garten lohnen sich ein paar kinderleichte Regeln. Der Rasen braucht in der Regel überhaupt keine Bewässerung und wer nach Sonnenuntergang mit Regenwasser gießt, vermeidet Verdunstung.

Doch ist das Wassersparen wirklich sinnvoll? Durch den sinkenden Verbrauch und den demografischen Wandel fließt vor allem auf dem Land immer weniger Wasser durch die Leitungen. Das Rohrnetz ist für einen viel größeren Durchfluss konzipiert worden. Dadurch kann der Durchfluss in den Wasserrohren stagnieren, was die Bildung von Keimen fördert und die Qualität beeinträchtigen kann.

Daneben können in den Abwasserrohren übel riechende Faulgase entstehen, weil das Abwasser nicht schnell genug abfließt. Die absurde Folge ist, dass einige Kommunen ihre Leitungen mit Frischwasser durchspülen, um die Funktionsfähigkeit zu gewährleisten.

Diese Kosten können sich bis zum Verbraucherpreis durchschlagen und den gesparten Geldbetrag wieder zunichtemachen. Denn auch die Wasserversorger stehen vor einem Problem. Die Gesamtkosten der Wasserversorgung sind kaum beeinflussbar. Gleichzeitig sinkt der Verbrauch seit Jahrzehnten kontinuierlich. Erhöhen die Versorger die Preise, werden die Bürger nochmals zum Sparen animiert. (kbr)