Herr Spille, die Vorstellung, dass sich der Partner demenziell verändert, macht vielen Angst. Ihr Stück „Dementieren zwecklos“ nähert sich diesem Thema aber mit viel Leichtigkeit. Wie geht das?

Das ganze Thema ist schwierig, es ist ein schwieriges Stück. Da muss man es nicht doppelt schwierig machen, indem man noch schwer darüber berichtet. Das Ganze ist eine Utopie und uns ist vollkommen klar, dass es nicht lustig ist und auch nicht schön, wenn ein Angehöriger dement wird. Aber vielleicht kann man den Blick auf Demenz auch etwas ändern. Oder darüber nachdenken, wie sich die Umstände ändern lassen könnten, damit vieles ein bisschen einfacher wird, als man es sich macht.

Was müsste sich denn ändern?

Es gibt Kulturen, die gehen davon aus, dass ein Mensch, der im Alter seinen Verstand verliert, dement wird, den Verstand eigentlich an die Kinder weitergibt. Dafür verehrt man diesen Menschen. Das ist eine andere Sichtweise, als immer nur die Krankheit zu betrachten. Auch, dass immer nur Einzelne sich um Demente kümmern müssen – meistens sind es ja die angehörigen Frauen – statt, dass sich eine ganze Gesellschaft kümmert.

Die Utopie zeigt also eine alternative Sichtweise auf Demenz auf.

Es ist so: Wir sind auf dem Trip uns immer selbst zu optimieren, immer gesund zu sein. Und alles, was medizinisch machbar ist, wird gemacht. Dass das der richtige Weg ist, das bezweifle ich. Ich denke, wir haben in eine Büchse der Pandora gegriffen: Menschen werden immer älter. Alles wird getan, um am Leben zu bleiben. Der Zug ist abgefahren, da ein Umdenken herbeizuführen. Aber vielleicht wird man doch bereit, mehr generationenübergreifende Wohnprojekte zu starten. Das Stück ist auch nicht nur eine Utopie. Es beruht auf der Geschichte eines Freundes von mir, der das mit seiner Frau auch so durchgezogen hat. Das ist also möglich, aber nicht leicht. Wer nicht bereit ist, sich mit den drei Problemen des Lebens auszeinanderzusetzen – und das sind Alter, Krankheit und Tod – der wird über kurz oder lang ein Problem bekommen. Und wenn man sich damit beschäftigt, muss man das nicht immer auf die schwere Schulter nehmen. Es gibt auch Momente des Lachens, der Entspannung. Auch wenn sie nur kurz sind.

Zehn Monate haben Sie für das Stück recherchiert. Welche Frage haben Sie sich bis heute im Zusammenhang mit Demenz nicht beantworten können?

Wie werde ich selbst mit der Situation umgehen? Ich weiß es nicht. Ich hab eine Patientenverfügung und ein Testament machen lassen. Patientenverfügungen finde ich auch für junge Leute wichtig. Das nicht machen zu lassen, ist fahrlässig den Angehörigen gegenüber.

Seit gut drei Jahren zeigen Sie das Stück. Lacht Ihr Publikum immer mit?

Es sitzen immer auch Leute im Publikum, die lachen. Das ist aber kein Schenkelklopfer-Lachen wie bei der Comedy. Darum geht es uns nicht. Es gibt Situationen, in denen gelacht wird. Lachen dient der Entspannung. Es gibt aber auch genau so viele Situationen, in denen einem zum Weinen ist. So einfach machen wir es dem Publikum nicht.

Der Umgang mit einer Krankheit ist aber auch immer etwas persönliches. Kam nach einer Aufführung noch nie ein Zuschauer zu Ihnen und kritisierte Ihre Sichtweise auf Demenz?

Wir zwingen niemanden, sich das Stück anzusehen. Und es gab schon mal Leute, die kamen und sagten, dass es solche alternativen Wohnformen gar nicht gebe, dass das Stück also zu utopisch sei. Die gibt es aber eben schon, sie sind nur noch nicht so häufig. Und darum geht es ja. Wir haben auch Rückmeldungen von pflegenden Angehörigen bekommen, die sagten, dass ihre Befürchtungen über das Stück gar nicht eingetreten seien, sondern es schön war. Es kam aber bisher noch niemand auf uns zu, der sich attackiert gefühlt hat.

Haben sich die Rollen des Protagonistenpaars Heinz und Irene im Laufe der Jahre verändert?

Die entwickeln sich fortlaufend. Die Struktur ist noch wie vor drei Jahren, aber wir passen alles an aktuelle Entwicklungen an. Das Stück ist mittlerweile mehr in Fleisch und Blut übergegangen. Wir sind Heinz und Irene, mittlerweile.

Fragen: Birgit Müller

„Dementieren zwecklos“

Die Geschichte von Heinz (Uwe Spille) und Irene (Britta Martin) – und deren Auseinandersetzung mit Irenes einsetzender Demenz: Morgen, Mittwoch, 14. März, im Haus des Gastes, Luisenstraße 7. Beginn: 19 Uhr. Eintritt: frei (In Kooperation mit und finanziell unterstützt durch das Landratsamt Schwarzwald-Baar). Informationen im Internet: www.dementieren-zwecklos.de