Bad Dürrheim – Im Vereinslokal der Urviecherzunft ist Kilbig-Zeit und die Besucher kommen in großer Anzahl. Vorsitzender Matthias Nann und seine Crew luden zum sechsten Mal zu dem Fest ein, das seit der Eröffnung des in mehreren Tausend ehrenamtlichen Stunden umgebauten Vereinsheims zelebriert wird.

Im Obergeschoss des alten Rathauses bietet sich dort nicht nur die Möglichkeit, ungestört auf die Fastnacht hin zu proben, sondern auch die Chance, die Gäste kulinarisch zu verwöhnen. Dank der Spende eines Landwirtes eröffnete die Kilbig mit einem Programm für Kinder, die 50 Rübengeister schnitzten. "Die Kilbig wird von Jahr zu Jahr besser angenommen", freute sich Nann. Darüber hinaus findet für die Öffentlichkeit nur noch der Kappenabend im Vereinslokal statt. "Für den Rest vom Jahr gehört das Vereinslokal den Urviechern", lacht Nann.

Unweigerlich geht es nach der Kilbig wieder degege, freut er sich schon heute, zur Hauptversammlung am 12. November wieder ein volles Haus zu bekommen. Etwa 100 der insgesamt 500 Mitglieder sind in der Regel präsent. In diesem Jahr wählen die Urviecher einen neuen Schriftführer.

Eine produktive Diskussion erhofft sich Nann von der Absicht, der Schwarzwälder Narrenvereinigung beizutreten. Vorgespräche über grundsätzliche Bedingungen für eine Aufnahme liefen bereits, lässt das Ober-Urviech verlauten. Die Eckbühlplätz aus Hochemmingen stehen als Patenzunft bereits in den Startlöchern. "Wenn alles gut läuft, sind wir rasch Anwärter, dann Gastzunft und schließlich Vollmitglied", erklärt er das Prozedere. Nann sieht für die Urviecher viele Vorteile, die dem Dürrheimer Verein im Wust der zunehmenden Bürokratie und Gesetzesvorschriften Entlastung bringen könnten.

Die Urviecher sind ein betont markiger Fastnachtsverein der Kurstadt. 1972 wurden die ersten Häser des damals neuen Vereins entwickelt. Die Vereins-Historie beginnt in der Urviecher-Welt aber viel früher. Das erste Urviech, so heißt es in der Vereinschronik sehr närrisch, habe die Baar schon am 14. Januar 5427 vor Christus betreten. Nur eine lang anhaltende Kälteperiode habe damals die Ausbreitung der Gattung gestoppt. Diese vorübergehende Stagnation ist längst in ein stetiges Wachstum umgeschwenkt. Klaus Mäder entwarf die ersten Schemen, die für den jeweiligen Träger in sorgfältiger Handarbeit angepasst wurden. Am 21. September 1979 wurde die Urviecherzunft Bad Dürrheim als eingetragener Verein gegründet. Vorsitzender der ersten Stunde war Klaus Nenning, sein Stellvertreter Volker Nobs. 1980 wurde Volker Nobs zum Ober-Urviech gewählt. Peter Fischerkeller wurde Kassierer und stabilisierte den Verein 20 Jahre lang von dieser Position aus.

Die Urviecher gelten – vereinshistorisch bedingt – als einer der wildesten Fastnachtsvereine der Region. Sie wurden anfänglich auch argwöhnisch beäugt, nicht nur in der ruhigen Kur- und Bäderstadt. Ihr Renommee ist auf die ersten Urviecher-Bälle in der alten Siedepfanne zurückzuführen. Legendäre Nächte fanden hier statt. Die Urviecher sind heute fester Bestandteil der etablierten Bad Dürrheimer Fastnacht. 1990 verfestigte das dreitägige Guggenmusiktreffen am Bohrturm den Ruf der Urviecher, standfest feiern zu können. 1999 übernahm der Kriminalkommissar Matthias Nann die Vereinsspitze. Michael Gäng wurde Stellvertreter. Die Ziele der Urviecherzunft, wir zitieren: "Möge die Wildheit, der Ideenreichtum, die Schaffenskraft und die Lust an unserer Diiremer Fasnet die nächsten 7000 Jahre anhalten und uns noch so manche unvergessliche Stunde bescheren."

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