Am Freitag ist es so weit: Traditionell beginnt am Tag der Heiligen Drei Könige die schwäbisch-allemanische Fasnacht. „Zuvor wird das Häs nicht angezogen“, betont Daniela Schwarz, Schriftführerin der Urviecher. Ansonsten blicken die Zunftmitglieder ganz entspannt auf die närrische Zeit – trotz einer Vielzahl an Terminen und Festen.

„Die Vorbereitung auf die Fasnet ist gar nicht so wild“, sagt Matthias Nann, Vorsitzender der Urviecher. „Das hat viel mit Routine zu tun.“ Doch damit vom Dreikönigstag bis Aschermittwoch alles glatt läuft, ist eine monatelange Vorbereitung notwendig.

„Die Gruppen machen sich natürlich im Vorfeld ihre Gedanken“, sagt Schwarz. Bereits im Sommer beginnen die Guggen-Musiker mit ihren Proben. Im Herbst starten dann die Tanzgruppen. Sieben davon sind Teil der Urviecher. Drei Kinder- und zwei Jugendtanzgruppen, hinzu kommen die Ur-Sisters – die Tanzgruppe der weiblichen Viecher – und, nicht zu vergessen, das Männerballett. „Trotzdem ist die Urviecherzunft aber keine Tanzgruppe“, stellt Nann klar. „Ihre Auftritte beinhalten auch Sprachbeiträge.“ Und auch diese werden auf lange Sicht geplant.

„Schon ein paar Wochen im Vorraus geht man in sich“, sagt der Vorsitzende. Was waren große Momente für die Zunft? welche Ereignisse waren einschneidend in der Kurstadt? Überlegungen wie diese geben Nann Impulse für seine Reden, etwa für morgen, beim Häsabstauben, oder für den Urviecherball am 11. Februar.

Am Dreikönigstag muss jedes Häs ihren prüfenden Augen standhalten: Urviecher-Vorsitzender Matthias Nann und Schriftführerin Daniela Schwarz.
Am Dreikönigstag muss jedes Häs ihren prüfenden Augen standhalten: Urviecher-Vorsitzender Matthias Nann und Schriftführerin Daniela Schwarz. | Bild: Birgit Müller

Doch auch all jene Urviecher, die weder eine Rede noch ein Programm zum Besten geben, kommen schon Wochen vor der Fasnet in Stimmung. „Es macht Sinn, sich nicht erst zwei Tage vor dem Abstauben das Häs anzusehen“, sagt Matthias Nann. Traditionell ist jeder Narr selbst für sein Häs verantwortlich. Bei den Urviechern geht die Liebe dazu sogar so weit, dass auch Nähkurse angeboten werden, in denen Expertinnen Schritt für Schritt zeigen, wie das Häs selbst hergestellt werden kann. Darüber hinaus stellt die Zunft ihren Mitgliedern eine Nähanleitung auf der Internetseite zur Verfügung. Keine Frage also: Häs ist Handwerk und etwas sehr persönliches. „Dann schätzt man es vielleicht auch ein bisschen mehr“, sagt Nann und lacht. „Man kann es sich aber auch schneidern lassen“, wirft Schwarz ein. Ist das Häs beschädigt oder verunreinigt, sollte es bis zum Dreikönigstag wieder in Form sein. Denn dann muss es den strengen Augen des Vorstands standhalten. Ist ein Häs beim Abstauben nicht in Ordnung, droht dem Narr der Ausschluss von Veranstaltungen. „Aber das kommt eher selten vor“, sagt Nann. „Jeder achtet da schon auf sein Häs.“

Morgen wird schließlich auch die Veranstaltungsplanung der Zunft abgeschlossen: Fünf eigene Feste haben die Urviecher auf dem Programm. Hinzu kommen acht auswärtige Termine.

Häs verwalten, Feste organisieren und feiern, Termine planen: Spätestens in der Weihnachtszeit sind alle im Fasnetsfieber. „Das ist ein bisschen ein Widerspruch“, sagt Nann. Besinnlichkeit treffe auf Närrisches. „Wenn man aber mit der Fasnet aufwächst, fällt einem der Übergang nicht schwer“, sagt Schwarz. So steht dem Erwecken des Urviechs nun nichts mehr im Wege.
 

Urviecher

  • Das Urviech wurde 1972 durch Narrenvater Klaus Mäder geboren.
  • Gemeinsam mit gut einem Dutzend junger Leute beteiligte er sich damals an der Bad Dürrheimer Straßenfasnet, ohne zunächst an eine Vereinsgründung zu denken.
  • Sechs Jahre später wurde der Verein der Urviecher schließlich doch gegründet – dann schon mit 37 Mitgliedern.
  • Heute gibt es gut 500 Urviecher in der Zunft, gut die Hälfte von ihnen ist aktiv.

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