Seit 2016 arbeitet der Ortschaftsrat Unterbaldingen daran, für den Ort ein neues Baugebiet für Wohnbebauung auszuweisen. Dieser Wunsch steht auf der Prioritätenliste der Haushaltsmittelanmeldungen an erster Stelle, wurde jedoch 2017 und 2018 zurückgestellt. Nun sah es bei der letzten Ortschaftsratssitzung kurzzeitig sogar so aus, als würde sich dieser Plan ganz zerschlagen.

Die Dringlichkeit, Bauplätze zu schaffen, sieht der Ortschaftsrat deshalb, weil der Gemeinde seit weit über zehn Jahren kein Bauland mehr zur Verfügung steht und sich innerorts aus verschiedenen Gründen keine Möglichkeiten ergeben. Einen Platz mit rund 5000 Quadratmetern Grundfläche, also ausreichend für etwa zehn Bauplätze, würde das Gewann Äußere Bündt bieten. Die Grundstücksverhandlungen sind weitgehend abgeschlossen. Doch der Haken an der Sache ist der Lärmschutz. Äußere Bündt liegt in Nähe der A 81. Ein Baugebiet dort würde erhebliche, kostenintensive Lärmschutzmaßnahmen erfordern.

Aufklärung sollte nun ein Lärmschutzgutachten geben. Doch Stadtbaumeister Holger Kurz erklärte dem Gremium, dass kein Gutachten erstellt wurde. Es sei von vornherein klar geworden , dass sich aufgrund der berechneten Lärmgrenzwerte ein Baugebiet dort nicht verwirklichen lasse. Bei den vorliegenden Ergebnissen würde ein Gutachten keinen Sinn machen. Deswegen habe man die Reißleine gezogen.

Lärm der Autobahn zu hoch

Klaus Meyer vom TÜV Süd erläuterte die Einzelheiten: Das Baugebiet Äußere Bündt liegt 700 Meter hoch, die Autobahn auf 710 Meter. Die Grenzwerte für ein reines Wohngebiet liegen tagsüber bei 55 Dezibel (dB), nachts bei 45 dB. Für ein reines Wohngebiet liegen die Werte jeweils um 5 dB niedriger. Für ein Mischgebiet (Wohnbebauung und Gewerbe) liegen die Grenzwerte um 10 dB höher.

Den Berechnungen zufolge liege die Einwirkung der Autobahn jedoch für alle drei Varianten zu hoch, so der Fachmann. Eine Lärmschutzwand zeige erst Wirkung ab einer Höhe von fünf Metern, und da die Autobahn zehn Meter höher liegt, müsste ein 15 Meter Wall oder eine 15 Meter hohe Mauer gebaut werden.

Im Rahmen der Diskussion wollten die Ortschaftsräte wissen, wie die präsentierten Ergebnisse zustande kommen, ob diese vor Ort gemessen wurden. Die Auskunft lautete, dass es üblich ist, die Werte zu berechnen. Messungen wurden nicht durchgeführt. Diese würden nicht als Grundlage gewertet. Das nahmen die Mitglieder des Gremiums dann doch recht verwundert zur Kenntnis.

Und dann wurde es kurios: Im weiteren Verlauf kam zur Sprache, dass eine Lärmschutzwand auf der Autobahn eigentlich die beste Lösung wäre. Woraufhin die Räte den Fachmann darüber informierten, dass es in diesem Bereich ja eine etwa vier Meter hohe und 700 Meter lange Lärmschutzwand gebe. Auf diese Information hin herrschte bei Klaus Meyer und Stadtbaumeister Kurz erst einmal kurz Stille. Beiden war nichts über die Lärmschutzwand bekannt. Und die Räte konnten es nicht fassen, dass der Sachverständige sich nicht einmal ein Bild vor Ort gemacht hatte.

Da sich nun wieder eine ganz neue Situation ergeben hat, bestand das Gremium darauf, dass ein Lärmschutz-Gutachten erstellt wird, für das vor Ort Messungen durchgeführt werden. Es soll im Herbst vorliegen.