„Fast so wie die Jungfrau zum Kinde“, wird Manfred Bartler aus Hochemmingen antworten, wenn er gefragt wird, wie es kommt, dass er der neue ehrenamtliche Storchenbeauftragte des Landkreises und somit Nachfolger von Friedrich Widmann aus Neudingen ist. Dieser reichte, froh über seinen Nachfolger, im Alter von 84 Jahren nach rund 25-jähriger ehrenamtlicher Tätigkeit seinen Abschied ein.

„Es war mal das Gespräch unter den Feuerwehrleuten, ob man nicht im Ort ein Storchennest anlegen wolle“, erklärt Manfred Bartler. Die Idee fand allgemein Anklang. Also hätten Erich Münk und er sich an die Arbeit gemacht. Das erste Nest wurde nicht angenommen, weil die Rundumsicht fehlte. Im August 2017 wurde es auf das Rathausdach umgesetzt. Dass mit dem Nestbau auch alles so wird, wie es die Tiere brauchen, habe er sich mit Friedrich Widmann in Verbindung gesetzt, um sich zu informieren, so Bartler weiter. Dabei habe er seine Neugier und den Spaß an diesem Metier entdeckt. Widmann seinerseits nutzte die Chance. Nachdem der Hochemminger einen Lehrgang absolviert hatte, konnte er 2018 dieses Amt offiziell übernehmen.

Der 61-jährige Storchenbeauftragte betreut Nester in Bad Dürrheim und Umgebung, in Aulfingen, Geisingen, Aldingen, Spaichingen, Geisingen und Mühlheim am Bach/Kreis Freudenstadt. Bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit kommt er ganz schön rum. 48 Storchennester befinden sich in seiner Obhut. Da herrscht im Frühjahr Hochbetrieb. „Es macht Spaß, ist aber auch unheimlich zeitintensiv“, sagt er. Besonders wolle er hervorheben, wie sehr Ehefrau Andrea ihn bei seiner Arbeit unterstützt.

Die Population der Störche in der Region habe sich erholt, weiß Bartler zu berichten. Angefangen habe man mit drei Nestern auf der Baar. Die Tiere würden sich gern in der Nähe von Feuchtgebieten niederlassen, wo ein gutes Futterangebot besteht. Revierneidisch seien sie dabei nicht.

Die männlichen Tiere seien nest- und damit ortstreu, erklärt der Hochemminger, aber sie sind nicht frauentreu. Es könne zwar sein, dass ein Storchenpaar immer wieder zusammenkommt, das sei aber nicht zwingend. Die Männchen kämen zuerst aus der Überwinterung zurück und zwar schon Ende Januar/Anfang Februar. Zwei bis drei Wochen später treffen die Weibchen ein. Nach rund 30 Tagen Brutzeit schlüpfen die Jungen.

Und dann muss Manfred Bartler sich sputen. Die Jungen müssen nämlich im Alter von fünf bis sechs Wochen beringt werden. Seien sie erstmal flügge, komme man nicht mehr an sie heran. Viele Jungvögel könnten gar nicht beringt werden, etwa wenn sich das Nest auf einem Strommasten befindet.

Wo die Tiere überall zu finden sind, wird anhand der Ringe festgestellt. Manfred Bartler ist mit einem speziellen Fernrohr ausgerüstet, andere Vogelbeobachter auch. Storch Louis aus Neudingen trägt einen Sender auf dem Rücken. Pius aus Bad Buchau ist ein weiterer Storch mit Sender. Alle Informationen werden der Vogelwarte in Radolfzell übermittelt.

 

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €