Ein Team ist mehr als die Summe seiner Mitglieder. Der Satz, der klingt wie aus dem Mund eines Business-Coach, er zieht sich durch das Stück „Don Quijote und Sancho Panza“, das am Wochenende beim Sommertheater am Salinensee gleich zwei Mal gespielt wurde. Das klassische Werk nach Miguel de Cervantes hat Regisseur Andreas Jendrosch vom Regionentheater aus dem schwarzen Wald in die Gegenwart geholt. Darin schickt der Konzernchef Herr Mayer seine egoistischen Mitarbeiter zu einem Seminar, um die Zusammenarbeit zu verbessern. Die Seminarleiterin Petra Bär greift dafür auf das Theaterspiel zurück. Don Quijote und Sancho Panza steht auf dem Programm. Das Stück fragt am Beispiel des verarmten Junkers, der als fahrender Ritter umherzieht, um Ruhm zu erlangen, was Rittergeschichten von damals mit dem Heute zu tun haben.

Don Quijote (Anke Stocker) verfällt durch das Lesen von Rittergeschichten in einen Wahn, in den sie bald auch die anderen, die noch in ihren Bürooutfits stecken, mitzieht.<em>Bilder: <br />Anna-Lena Stauder</em>
Don Quijote (Anke Stocker) verfällt durch das Lesen von Rittergeschichten in einen Wahn, in den sie bald auch die anderen, die noch in ihren Bürooutfits stecken, mitzieht.Bilder:
Anna-Lena Stauder
| Bild: Stauder, Anna-Lena

Jeder ist seines Glückes Schmied

Liebe, Freiheit, Freundschaft, Ruhm und Ehre, all das hat das Stück zu bieten. Hinter dem humorigen Spiel, das entsteht und in das sich die vier Angestellten immer weiter hineinfinden, entsteht eine Tiefsinnigkeit, die sich spätestens am Ende des Stücks vollends zeigt. Es ist eine Ode an die Freiheit, die dem Zuschauer mit auf den Weg gegeben wird: Don Quijote und Sancho Panza stehen dafür, etwas zu beginnen und auch Risiken einzugehen, um im Leben glücklich zu werden. Sie stehen aber auch für Team-Building und gegen Egoismus, der in der modernen Welt immer vordergründiger zu werden scheint. Schon zu Beginn des Stücks sind es die Liedzeilen des österreichischen Künstlers Falco „Die ganze Welt dreht sich um mich. Denn ich bin nur ein Egoist. Der Mensch, der mir am nächsten ist, bin ich, ich bin ein Egoist“, die das vorherrschende Thema andeuten.

Das Bühnenbild ist, wie in den Jahren zuvor, recht flexibel gehalten. Einzig auf einer kleinen Holzbühne wird das Ankämpfen des Don Quijote gegen Windmühlen und sein fortschreitender Wahnsinn gezeigt. Die Kulisse ist durch verschiedene Stoffbehänge und Holzrahmen austauschbar. Rosinante, das Pferd von Don Quijote, kommt aus Stahl daher. Verantwortlich dafür ist der Künstler Lothar Hudy, auch Sanchos Esel fertigte er an.

Die Nichte Don Quijotes, Antonia Quijana (Enrico Ledzinski), und Baccalaureus Simson Carrasco (Martin Sommerlatte) sorgen beim Versuch, sich zu küssen, für Lacher im Publikum.
Die Nichte Don Quijotes, Antonia Quijana (Enrico Ledzinski), und Baccalaureus Simson Carrasco (Martin Sommerlatte) sorgen beim Versuch, sich zu küssen, für Lacher im Publikum. | Bild: Stauder, Anna-Lena

Einziger Wermutstropfen: das Wetter. Am Freitagabend trotzten rund hundert Zuschauer in Jacken und Decken gewickelt den niedrigen Temperaturen. Am Samstag nahmen deutlich weniger, zwischen 30 und 40 Platz auf der Tribüne am Salinensee. Für 150 Zuschauer ist der Platz ausgerichtet. „Sommertheater bei 30 Grad kann jeder, aber bei zehn nicht. Ich verleih jedem, der gekommen ist, einen imaginären Orden“, sagte Regisseur Andreas Jendrusch am Samstag. Ein Jahr Vorbereitung steckt für den studierten Theatermann in dem Stück und so nimmt er die Wetterlage gelassen hin und erfreut sich dick eingepackt am Spiel seines Ensembles. Das Stück feierte erst vor wenigen Wochen in Bad Teinach-Zavelstein im Nordschwarzwald Premiere.