Maximal 600 Badegäste zur gleichen Zeit in der Therme, dann wird im Solemar Eintrittsstopp verhängt, bis wieder Platz ist. Die Besucherzahlen steigen, allein in der Therme sind es mehr als 1000 Besucher täglich, die Sauna nicht inbegriffen. Spricht man über die Therme, wird diese gern als "Flaggschiff" der Stadt bezeichnet. Ständig wird das Solemar erweitert und renoviert. Angesichts solcher Zahlen fragt man sich als Außenstehender natürlich auch, was hinter den Kulissen dieser Maschinerie passiert, damit der Gast unbeschwert die versprochenen schönen Stunden der Entspannung genießen kann. Heute stellt der SÜDKURIER im Fall des Solemar die Frage: Wer schrubbt das Deck des Flaggschiffs, damit es jeden Tag wie aus dem Ei gepellt blitzt? Die Antwort: Ein rund 40-köpfiges Team, die Hauswirtschaftsabteilung, angesiedelt im Untergeschoss des Solemars. "Die Hauswirtschaftsabteilung ist nicht nur für die Sauberkeit im Solemar zuständig", erklärt Bereichsleiterin Sigrid Stockburger. Sie und ihre Stellvertreterin Brigitte Wolbert sind staatlich anerkannte hauswirtschaftliche Betriebsleiterinnen. Die Abteilung wuppt ein riesiges Pensum an Aufgaben. Im Klartext: Solemar, Minara, Sauna, Kurmittelhaus (Physio und MTT), Kurhaus, Haus des Gastes, alles was mit der KuBä-Hygiene zusammenhängt, die Dienstkleidung aller KuBä-Mitarbeiter, Wäsche und noch Verschiedenes mehr.

Allein die Bäder werden täglich blitzblank geschrubbt. Dabei sind hohe, gesetzlich genauestens festgelegte Hygiene-Standards und Richtlinien zu beachten. Das beinhaltet auch den Umgang mit verschiedenen Reinigungs- und Desinfektionsmitteln, die als Gefahrenstoffe gelten. "Was unsere Mitarbeiter machen, ist Facharbeit", hebt Sigrid Stockburger hervor. "Einfach mal schnell durchwischen und gut, geht nicht!" Entsprechender Wert werde auf die fachliche Einarbeitung gelegt.

In der Bäderlandschaft arbeitet sich zum Beispiel ein 15-köpfiges Team durch das Haus. Der Tagesablauf beginnt morgens um 5 Uhr. Da schlafen andere noch tief und fest in ihren Betten. "Wir müssen uns ranhalten, die Bäderlandschaft öffnet morgens um 9 Uhr", sagt die Abteilungsleiterin. Da müsse die Reinigungsarbeit erledigt sein. Die Gäste wollen nicht von Reinigungskräften "gestört" werden. Es ist ein Knochenjob, den die Mitarbeiter gerade im Solemar erledigen. Die hohe Luftfeuchtigkeit, die Wärme und der Salzgehalt in der Luft strapazieren den Körper. So sind es hauptsächlich Männer, welche die Duschen und Dampfgrotten schrubben und ausspritzen. Täglich sind alle Glasflächen und -wände zu reinigen, ebenso alle Metalloberflächen – das Salz setzt sich ab. Täglich werden allein 80 Toiletten und 60 bis 80 Duschen gereinigt, 1000 Umkleideschränke ausgewischt. Und hiermit ist nur ein geringer Teil der Aufgaben aufgezählt.

Putzen bis 23 Uhr

"Solemar, Minara und Kurhaus entsorgen 57 Tonnen – also 57000 Kilogramm – Müll jährlich", wartet Sigrid Stockburger weiter mit beeindruckenden Zahlen auf. Haare seien ein ganz großes Problem, bergeweise würden diese zusammenkommen. Ist die tägliche Grundreinigung in der Therme erledigt, ist eine Mitarbeiterin der Hauswirtschaftsabteilung den ganzen Tag mit Kontrollgängen im ganzen Haus beschäftigt. Verschmutzungen würden schnellstmöglich beseitigt.

Da die Kraft aber nicht überall gleichzeitig sein kann und man auch andere Aufgaben wahrnimmt und das bei diesem Durchlauf, könne es schon mal vorkommen sein, dass man etwas nicht gleich bemerke. "Es kann gut sein, dass der oder die Mitarbeiterin gerade durchgegangen sind und etwas wird direkt danach verschmutzt", sagt Sigrid Stockburger. Das stelle ein großes Problem dar. "Gerade in den Sanitärräumen sieht man Dinge, die man lieber nicht beschreibt." Und wolle man dann sauber machen, würden die Gäste sich teilweise sogar noch beschweren, dass sie gestört werden oder kurze Wartezeiten in Kauf nehmen müssen, bis eine Dusche wieder benutzt werden kann. Stockburger: "Es ist immer eine Gratwanderung."

Abends um 23 Uhr etwa geht der letzte Mitarbeiter nach Hause, bevor am nächsten Morgen um 5 Uhr der Tagesablauf wieder beginnt. Im Solemar an 364 Tagen im Jahr. Die Arbeit in der Hauswirtschaft eigne sich hervorragend für Teilzeitkräfte, sagt Sigrid Stockburger. Im Team arbeiten 17 Männer. Der jüngste ist der Student Niklas Staiger mit 19 Jahren, der älteste ist der 70-jährige Johann Divo.