Im Untergeschoss des Solemars herrscht Hochbetrieb, es ist laut und vor allen Dingen auch extrem warm. Die ganze Therme ist vollständig unterkellert, hier laufen Wasserpumpen und Filter auf Hochtouren. Das Areal ist so groß und verwinkelt, dass man sich ohne Ortskenntnis schier verläuft.

Drei Elektrotechniker, zwei Gas- und Wasserinstallateure und ein Schwimmmeister sind für Wasserqualität und Technik im Solemar und Minara verantwortlich, sie arbeiten im Schichtdienst. Außerdem sind die Männer auch für die anderen Häuser der Kur- und Bäder GmbH zuständig.

20 dieser riesigen Filter sorgen für sauberes Wasser.
20 dieser riesigen Filter sorgen für sauberes Wasser. | Bild: Naiemi, Sabine

Das hoch komplizierte Filter- und Pumpensystem unter der Therme läuft 24 Stunden pro Tag, 364 Tage im Jahr. Es wird tatsächlich nur ein Mal jährlich für eine Nacht unterbrochen, wenn die Grundreinigung der Becken ansteht, aber da wird sowieso das ganze Wasser abgelassen. „Das dauert beim großen Becken rund zwei Stunden“, erklärt Hansjörg Fürst. Das Auffüllen nach der Säuberungsaktion benötige dreieinhalb Stunden Zeit. Beim größten Becken umfasst der Wasserdurchlauf zum Beispiel 1400 Liter pro Stunde, er wird nie unterbrochen. „Sonst stimmt die Chemie nicht mehr“, so der Bereichsleiter weiter. Jedes Becken ist individuell geregelt, alles ist auf die Besucherzahl abgestimmt. Über Fluss-Spindeln sehen die Techniker auf einen Blick, ob alles richtig läuft. Nur das Panoramabecken hat eine separate Anlage. Doch neben Reinigung und Desinfektion muss auch Frischwasser zugeführt werden. Nach DIN 19643 sind 30 Liter pro Badegast gefordert. Fürst: „Wir führen sogar 60 Liter Frischwasser pro Badegast zu.“ Der Gesamtbedarf liege täglich bei 220 Kubikmetern Wasser, 50 Kubikmeter davon sei Duschwasser.

Bereichsleiter Hansjörg Fürst und Kollege Reinhard Freudenreich haben die Technik stets im Blick.
Bereichsleiter Hansjörg Fürst und Kollege Reinhard Freudenreich haben die Technik stets im Blick. | Bild: Naiemi, Sabine

Die Filterung mit Flockungsmitteln entfernt Verschmutzungen aus dem Wasser. Für die Desinfektion gegen Bakterien und Urin wird Chlor eingesetzt. Es sei übrigens nicht richtig, was viele glauben, nämlich dass das Chlor arbeite, wenn man es riecht, merkt Hansjörg Fürst an. Es sei vielmehr ein schlechtes Zeichen – dafür dass die erforderliche Wasserqualität nicht mehr gegeben sei. Bestzustand sei, wenn man das Chlor nicht wahrnehme. Zur Sicherheit wird die Wasserqualität im Solemar und Minara zusätzlich zur technischen Überwachung drei Mal täglich noch händisch durch Entnahme von Wasserproben überwacht. Alles wird genau dokumentiert.

Die Pumpen der Sanitäranlage im Solemar werden von den Technikern selbst gewartet.
Die Pumpen der Sanitäranlage im Solemar werden von den Technikern selbst gewartet. | Bild: Naiemi, Sabine

Die Heizungs- und Sanitärtechniker müssen erfahrene Allrounder sein. Es dauere Jahre, bis man über die Erfahrung verfüge, mit solchen Großanlagen umzugehen. Die Fachmänner warten und reparieren die riesige Anlage mit allem Drum und Dran komplett selbst. „Wenn eine Pumpe defekt oder ein Rohr gebrochen ist, sieht man das gleich“, erzählen Hansjörg Fürst und Kollege Reinhard Freudenreich – ein seit vielen Jahren eingespieltes Team, das sich blind aufeinander verlassen kann. „Berufsehepaar“, sagen sie und lachen. Schwieriger sei es, Fehler in der Elektrik zu finden. Dann ist Suchen angesagt, erschwert durch die extrem schwierige Verständigung. Nicht nur aufgrund der Größe der Anlage und der Lautstärke, sondern auch weil Mobiltelefone da unten nicht funktionieren. Langweilig werde es jedenfalls nie, sagen die zwei. Manchmal können auch Besucher einen Blick in diese Unterwelt tun, wenn das Haus beim Tag der offenen Tür Führungen anbietet.

Die Heiz- und Wassertechnik unter dem Solemar ist riesig. In den Katakomben unterhalb der Wasserbecken kann man sich regelrecht verlaufen. <em>Bilder: Sabine Naiemi</em>
Die Heiz- und Wassertechnik unter dem Solemar ist riesig. In den Katakomben unterhalb der Wasserbecken kann man sich regelrecht verlaufen. Bilder: Sabine Naiemi | Bild: Naiemi, Sabine