Diese will die Fastnacht im Fastnachtsmuseum Narrenschopf in Bad Dürrheim lebendig werden lassen. Bei der Stifterversammlung stellte Stiftungsratsvorsitzender Roland Wehrle den Mitgliedern das Projekt vor.

Demnach soll eine der drei Kuppeln des Narrenschopfs mit einer Rundumbespannung ausgestattet werden, auf der Videos von Umzügen in 360 Grad projiziert werden. So soll sich der Betrachter inmitten des närrischen Treibens wiederfinden. Auch mit virtueller Realität (VR) sollen Besucher die Gelegenheit haben, ganzjährig in die Fastnacht einzutauchen: Sie können VR-Brillen aufsetzen, die ihnen einen lebendigen Eindruck vom närrischen Treiben vermitteln.

In Kuppel 3 des Bad Dürrheimer Narrenschopf, unter der die Mitglieder der Kulturstiftung der schwäbisch-alemannischen Fastnacht sitzen, soll für vom Bund gefördertes Modellprojekt zum "Museum4punkt0" umgestaltet werden und mit 360-Projektionen den Besucher das Erlebnis Fastnacht näher bringen.
In Kuppel 3 des Bad Dürrheimer Narrenschopf, unter der die Mitglieder der Kulturstiftung der schwäbisch-alemannischen Fastnacht sitzen, soll für vom Bund gefördertes Modellprojekt zum "Museum4punkt0" umgestaltet werden und mit 360-Projektionen den Besucher das Erlebnis Fastnacht näher bringen. | Bild: Roland Sprich

Möglich wird das Vorhaben durch eine Förderung des Bundes. Dieser unterstützt in seinem Verbundprojekt „Museum4punkt0“ fünf Museen in Deutschland mit 15 Millionen Euro. Der Narrenschopf Bad Dürrheim reiht sich in den ausgewählten Kreis ein, in den außerdem die Berliner Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, das Deutsche Museum in München oder das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven sowie das Fastnachtsmuseum Schloss Langenstein im Landkreis Konstanz aufgenommen wurden. Dafür erhält der Narrenschopf für die nächsten drei Jahre 900 000 Euro.

Für Roland Wehrle ist die Projektbeteiligung eine große Ehre und Herausforderung zugleich. „Wir wollen beweisen, dass wir das technisch umsetzen und mit großen Projekten gleichziehen können.“ Wolfgang Wurbs vom Stiftungsvorstand: „Digitalisierung ist kein Widerspruch zur Tradition.“ Es sei die Zeit, beides zu verbinden und „die Erlebbarkeit der Fastnacht einzufangen.“

"Es geht nicht darum, den Narrenschopf zu ersetzen, sondern neue Medien ergänzend einzusetzen", machte Profesor Ullrich Dittler von der Hochschule Furtwangen deutlich.
"Es geht nicht darum, den Narrenschopf zu ersetzen, sondern neue Medien ergänzend einzusetzen", machte Profesor Ullrich Dittler von der Hochschule Furtwangen deutlich. | Bild: Roland Sprich

Emotionen zu verbinden, darum geht es auch Professor Ullrich Dittler von der Hochschule Furtwangen. So sei ein weiteres Ziel die digitale Aufarbeitung des Archivs, das im Museumskeller lagert. Besuchern soll ein ganzjähriger Zugang zum Fastnachtsbrauchtum ermöglicht werden. Dieser beschränke sich bislang für jene, die nicht in einem der zahlreichen Fastnachtsvereine engagiert sind, auf die paar Tage zwischen 6. Januar und Aschermittwoch.

 

Eigenbetrieb

Wolfgang Wurbs vom Stiftungsvorstand informierte die Mitglieder darüber, dass der Narrenschopf ab 2018 als Eigenbetrieb der Vereinigung der Schwäbisch-Alemannischen Narrenzünfte geführt werde. Diese hatte bislang nur ein Nießbrauchsrecht für das Museum. Die Kulturstiftung bleibt weiterhin Eigentümerin des Narrenschopfs und der Häser. Die VSAN ist einer der ältesten Fastnachtsverbände, ihr gehören derzeit 68 Mitgliedszünfte an.