"Das Umsetzungspotenzial auf Bad Dürrheimer Gemarkung ist sehr, sehr gut." Diese Nachricht überbrachte Markus Röhl von der Fachhochschule Nürtingen den Mitgliedern des Gemeinderats, der Stadtverwaltung und Ortschaftsrats bei einer Waldbegehung nahe der Blatthaldenhütte. Das überspannende Thema des Nachmittags lautete Naturschutzgroßprojekt Baar.

Das Naturschutzgroßprojekt Baar wurde ins Leben gerufen, um in erster Linie den Biotopverbund zu stärken und somit die Lebensräume der Tiere zu verbessern. Das Naturschutzprojekt ist das sechste seiner Art in Baden-Württemberg, aber das einzige, das sich derzeit in Förderung befindet.

Es umfasst im Schwarzwald-Baar-Kreis und Kreis Tuttlingen 18 Gebiete auf insgesamt 5000 Hektar, zehn Kommunen beteiligen sich daran. Projektleiter Thomas Kring verdeutlichte, warum die Projektkulisse unter anderem auch das Bad Dürrheimer Gebiet betrifft und somit gefördert wird: "Weil die Baar von nationaler Bedeutung und somit ein besonderes, herausragendes Gebiet ist."

Hierzu äußerte Stadtrat Jürgen Schwarz sein Bedauern, dass durch solch einen Bereich Autobahnen, Bundesstraßen und Hochspannungstrassen gebaut wurden. "Schön, dass die Baar so wertvoll ist, aber schade, dass diese Erkenntnis Jahrzehnte zu spät kommt." Markus Röhl stimmte ihm zu, konnte die Sorge jedoch lindern: "Die Situation ist schlechter als vor dem Autobahnbau, aber deutlich besser als anderswo." Monika Link (CDU) zeigte sich beeindruckt ob der Pläne.

Naturschutzgroßprojekte gibt es in Deutschland seit 1979. Sie werden vom Bund bis zu 75 Prozent gefördert, zu 15 Prozent vom Land und 10 Prozent vom Träger, also dem Landkreis. Im Gegensatz zu einem rechtlich bindenden Flora-Fauna-Habitat (FFH-Gebiet), beruht das Naturschutzgroßprojekt Baar auf Freiwilligkeit. Markus Röhl betonte diesbezüglich: "In Bad Dürrheim wäre es möglich, die Maßnahmen nur auf den kommunalen Flächen umzusetzen. Es ginge notfalls auch ohne die Flächen der privaten Eigentümer." Die Natur-Experten haben übrigens nicht alle Flächen überplant, sondern nur welche, in denen sie die Umsetzung der Förderziele gegeben sehen.

Die erste Projektphase ist fast vorüber, bald geht es an die zweite. Bislang hat die Fachhochschule Nürtingen einen Pflege- und Entwicklungsplan erstellt. Thomas Kring erklärte: "Dazu gehört eine Bestandsaufnahme und die Ziele wurden definiert." Demnächst steht der erste Schritt vor dem Abschluss. In der zweiten Phase werden Gespräche mit Grundeigentümern geführt und die Umsetzung der Maßnahmen steht an. Zehn Jahre sind dafür Zeit.

Der Gemeinderat wird in der Sitzung am 23. Juni einen Kenntnisgabebeschluss sowie das weitere Vorgehen beschließen. Daher, so erläuterte Bürgermeister Walter Klumpp, wurde der Vor-Ort-Termin anberaumt: "Damit die Mitglieder des Ortschaftsrats und Gemeinderats einen Überblick bekommen, was wo vorgesehen ist."

Auf Bad Dürrheimer Gemarkung werden vier Gebiete in die Projekt-Kulisse einbezogen, unter anderem ein kleiner Teil des Schwenninger Mooses. Aber der Schwerpunkt liegt auf dem Gebiet bei Unterbaldingen – auf Birken-Mittelmess, dem Unterhölzer Wald und der Baaralb.

Eine Maßnahme wird sich der Waldrandgestaltung widmen. Markus Röhl erläuterte: "Dort, wo wir können, möchten wir den Waldrand auflockern, von niedrig zu hoch staffeln." Dies sei wichtig für wandernde Tiere. Manch eine Aufforstung früherer Jahre soll weichen. Weitere Waldrefugien, also Gebiete, in denen Waldflächen sich überlassen werden, schlagen die Naturschützer vor, entsprechende finanzielle Ausgleiche werden bezahlt. Des Weiteren soll in manchen Gebieten die Waldgestaltung verändert werden. Heißt: Anstatt der empfindlichen Fichten soll der Wald durch Kiefern und Lärchen zukunftsfähig gemacht werden. "Die zehn Jahre werden nicht reichen, aber wir können anfangen", so Röhl.

Wald-Innensäume könnten des Weiteren durch Ziegen oder Schafe beweidet und somit auch gelockert werden. Im Unterhölzer Wald stehen Verjüngungsmaßnahmen und Auflockerungen des Baumbestands an.