Das weiße Gold, wie Salz auch genannt wird, hat die Stadt Bad Dürrheim zu dem gemacht hat, was sie heute ist. Die Zeiten der Soleförderung und Salzgewinnung sind beendet, doch noch heute weisen historische Gebäude in der Stadt auf die Ortsgeschichte hin. Was niemand vermutet – unter dem Haus des Bürgers, der Siedepfanne, befinden sich immer noch die unterirdischen Gänge, von denen aus früher geheizt wurde und die Sole in die Siedepfannen geleitet wurde. Der SÜDKURIER hat die Türen dieser Unterwelt geöffnet.

Die Leser, die an der Führung teilgenommen haben, waren begeistert. Rudi Kolsdorf, der letzte noch lebende Sieder, führte durch das unterirdische Labyrinth, das jetzt als Lager und für die Heizungstechnik verwendet wird.

Gespannt wartet die Gruppe darauf, was es bei der Besichtigung der alten Gänge unter dem Haus des Bürgers alles zu sehen geben wird. Bilder: Sabine Naiemi
Gespannt wartet die Gruppe darauf, was es bei der Besichtigung der alten Gänge unter dem Haus des Bürgers alles zu sehen geben wird. | Bild: Naiemi, Sabine

Schon vor Beginn erzählte er, welche Gebäude seinerzeit noch da standen. So wusste er zu berichten, dass in der Siedepfanne früher Wohnräume für die italienischen Gastarbeiter untergebracht waren – ein Zimmer, vier Betten, eine Schreinerei war darin untergebracht, die Elektrozentrale, hinter der Siedepfanne waren Betriebswohnungen angesiedelt, auf dem Großraumparkplatz stand damals ein Turm und wo jetzt das Café Röder ist, stand früher auch ein Siedehaus.

Mit dem absenkbaren Bühnenboden, aus dem dann ein Orchestergraben werden kann, oder wenn er angehoben wird, eine Bühnenvergrößerung fährt Haustechniker Andreas Aldinger die Gruppe 3,60 Meter in die Tiefe.

Staunend besah sich die Gruppe die Gänge. Einzig Karolin Brockhaus aus Bad Dürrheim wäre schon einmal da unten gewesen, wie die 65-Jährige erklärt. Als 14-jährige Schülerin sei ihre Klasse mal durch das Gewölbe geführt worden.

Rudi Kolsdorf (links) erzählt aus der Zeit, als in den Gängen unter der Siedepfanne die Salzgewinnung erfolgte.
Rudi Kolsdorf (links) erzählt aus der Zeit, als in den Gängen unter der Siedepfanne die Salzgewinnung erfolgte. | Bild: Naiemi, Sabine

Rudi Kolsdorf hatte viel zu erzählen. „Ich war Mädchen für alles“, sagt er und zählt auf: Sieder, Trockentürmler, Absacker und Heizer. Der 84-Jährige erinnert sich noch ganz genau. Bei Metallstreben in der Mauer unter einem Fenster, erklärt er, dass die Gänge während des Krieges als Schutzbunker genutzt wurden. Teilweise schauen noch ausgehöhlte Baumstämme, die als Leitungen benutzt wurden, aus der Wand. Gußeiserne Rohre seien nach einem halben Jahr vom Salz zerfressen gewesen. Nur das Holz hielt das Salzwasser aus, wurde dadurch sogar regelrecht konserviert. Wie man später festgestellt habe, so Kolsdorf, konnte dieses Holz auch nicht mehr als Brennmaterial verwendet werden. Es habe sich schlichtweg nicht entzünden lassen.

Durchweg 40 Grad heiß war es in den Gängen. Tag und Nacht wurde in der Saline geschuftet, anfangs für 57 Pfennige Stundenlohn. Aber die Arbeiter ließen es sich auch gut gehen. Gern wurden Fleisch oder Speck für das Vesper in dem Salzwasser gekocht, erzählt er aus seinem Schatz an Anekdoten.

Auch alte Kunstschätze finden sich in den unterirdischen Gängen.
Auch alte Kunstschätze finden sich in den unterirdischen Gängen. | Bild: Naiemi, Sabine

Ein viel bestaunter Fund zum Schluss der Führung waren dann noch vergessene Kunstgegenstände aus dem früheren Kiehn-Museum. Auch dient das Kellergewölbe als Stuhl- und Tischlager. 450 Stühle, 200 Tische und diverse Podeste sind dort unten untergebracht.