Kurt Schick feiert heute seinen 90. Geburtstag. Der Jubilar ist ein Mann, über den schon vieles berichtet wurde. Trotz seines hohen Alters engagiert er sich immer noch aktiv als Kulturlotse und für die Geschicke der Stadt.

Was also sagt man über solch einen Mann? Man könnte die Kriegsjahre erwähnen, die er miterleben musste, oder seine fast 40 Jahre andauernde Arbeit als Klinikarzt und Internist in Schwenningen. Man könnte auf die Familie blicken, den sechsten Enkel erwähnen, der gerade unterwegs ist oder den schweren Schicksalsschlag, den die Familie ereilte, als die jüngste Tochter mit 16 Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam – alles prägende Erlebnisse, die sein 90-jähriges Leben ausmachen.

Man kann aber auch noch tiefer schauen. Kurt Schick ist das, was man einen Kosmopoliten nennt. Er ist zwar niemand, der die Welt bereist hat, denn „wir haben es hier bei uns zuhause so schön, da brauche ich nicht in die Welt hinaus reisen“. Doch seine Ansichten und Interessen sind weltoffener und weltpolitischer Natur. „Ich bin innerlich zu breit gestreut, als dass ich nur einen Höhepunkt in meinem bisherigen Leben benennen könnte“, so der 90-Jährige über sich selbst. Im Gespräch mit ihm wird schnell deutlich, was er meint, wenn er das sagt.

Immer schon war an Politik interessiert, weshalb er vor Ort in verschiedenen Gremien aktiv war. Sein Blick geht aber weit über die Landesgrenzen hinaus. Dass Äthiopiens Premier Abiy Ahmed den Friedensnobelpreis verliehen wurde, ist für ihn ein wunderbares Zeichen. Die Friday-for-Future-Bewegung sehe er mit großer Freude und was Greta Thunberg angestoßen hat, finde er großartig. Zumal er 1983 selbst bei der 108 Kilometer langen Menschenkette dabei war, die gegen die Stationierung neuer atomarer Mittelstreckenraketen demonstrierte. Schade sei jedoch, dass die Jugend vorgeschickt werden müsse, um diese einmalige Welt zu retten, welche er mit Ehefrau Renate unheimlich gern erwandert. Und einen Traum hat sich der Jubilar dieses Jahr noch erfüllt. Er lief als 89-jähriger beim Schwenninger Stadtlauf „Neckarman“ die 2,5-Kilometer-Strecke mit. „Das wollte ich unbedingt nochmal machen. Schließlich war ich in all den Jahren nur zwei Mal nicht dabei.“