Bad Dürrheim – Ein neues Freizeitbad, das auf das marode Minara folgen soll, bringt die Stadt wohl in finanzielle Schwierigkeiten – zumindest, wenn es den ursprünglichen Plänen entspricht. Das hat Bürgermeister Walter Klumpp in einem Schreiben an die Bad Dürrheimer bekannt gegeben. Was das nun für die Pläne für ein Minara-Nachfolgebad bedeuet, soll beim Bürgerinformationsabend am Freitag, 13. Oktober, geklärt werden. Ob ein neues Freizeitbad damit gar nicht mehr zur Debatte steht oder die Pläne für ein neues Minara lediglich weiterentwickelt werden, ist derzeit ungewiss.

Instandhaltung des Solemar und neues Freizeitbad: Kann sich die Stadt gleich beide Mammutprojekte leisten? Klumpp rechnet vor: "Würde die Stadt ein einfaches Hallenbad bauen und, was unabdingbar notwendig ist, das Solemar für die Zukunft weiter fit machen, hätte dies finanziell zur Konsequenz, dass sie jährlich einen Mehrbetrag von rund einer bis 1,2 Millionen Euro für diese beiden Einrichtungen benötigt." Zudem wüchsen die Kosten etwa für die Kinderbetreuung und die Schulen wegen dem weiteren Ausbau verlängerter Betreuungsangebote überdurchschnittlich. Aus den in diesem und im vergangenen Jahr beschlossenen Erhöhungen der Grund- und Gewerbesteuerhebesätze stehen etwa 567 000 Euro zur Verfügung. Bei einer möglichen Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen Lage und einem damit verbundenen Rückgang der allgemeinen Steuereinnahmen sei mit einer "deutlichen Deckungslücke zu rechnen", so Klumpp. "Diese könnte nur schwerlich durch Einsparungen in anderen Leistungsbereichen gedeckt werden."

Denn: Schon beim Bau eines "reduzierten Hallenbades", das lediglich ein 25 Meter langes Becken, einen 30 Quadratmeter großen Kinderbereich und die sanierte Außenrutsche beinhalten würde, müsste mindestens mit Kosten von rund 9,03 Millionen Euro gerechnet werden. Die jährlichen Folgekosten würden 643 000 Euro betragen. "Die vom Gemeinderat beschlossenen Maximalkosten können auf jeden Fall nicht eingehalten werden, zumal davon auszugehen ist, dass Kostensteigerungen in Höhe von 20 Prozent durchaus realistisch sein dürften", so Klumpp. Als Maximum sind im Haushalt 2017 und in der mittelfristigen Finanzplanung Kosten von 8,9 Millionen Euro und Folgekosten von 590 000 Euro vorgesehen.

Hinzu kommt, dass das Minara – und auch die Instandhaltung des Solemar – nicht die einzigen Großprojekte der Stadt sind. Im Haushalt zudem eingeplant sind der Neubau des Kindergartens in der Kernstadt, die Hallenerweiterung mit Bau einer Mensa in der Ostbaarschule in Oberbaldingen und Teilmaßnahmen aus der geplanten Stadtsanierung mit der Neugestaltung der Bahnhofstraße, der Brückensanierung und des anschließenden Bereichs in der Karlstraße. "Diese Investitionen führen bei sehr guten Steuereinnahmen nach derzeitiger Planung zu einer Kreditaufnahme von rund elf Millionen Euro bis zum Jahr 2020.

Der Finanzspielraum für danach anstehende weitere Investitionen – wie die Sanierung der Huber- und Luisenstraße, des Haus des Gastes, des Rathausanbaus, der Feldwege, des Ausbaus der Glasfasererschließung und andere – reduziert sich dadurch erheblich, wenngleich das gute Jahresergebnis 2016 und die positive Entwicklung der Steuereinnahmen 2017 eine Verbesserung von gut drei Millionen Euro ergaben", fasst Klumpp zusammen.

Und Einsparungen beim 30 Jahre alten Solemar zugunsten eines neuen Freizeitbades? Ausgeschlossen, denn die Kur- und Bäder GmbH muss nun von der Stadt im Unterhalt des Solemar unterstützt werden: "Das Solemar bildet neben der Fachkompetenz der Kliniken nach wie vor die wichtigste Grundlage für das Tourismus- und Gesundheitswesen der Stadt und ist die Haupteinnahmequelle der Kur- und Bäder GmbH", so Klumpp. Bislang reichten 500 000 Euro bis 700 000 Euro für die jährlichen Sanierungsarbeiten des Wellness- und Gesundheitszentrums aus. Finanziert wurde dies von der Kur- und Bäder GmbH. In diesem Jahr aber musste bereits eine Million Euro eingeplant werden. "Diese Tatsache hat uns veranlasst, die Planung für den Reparatur- und Sanierungszeitraum auf zehn Jahre zu verlängern und zu aktualisieren. Dabei hat sich herausgestellt, dass bis 2027 jährlich durchschnittlich mit 1,4 Millionen Euro bis 1,6 Millionen Euro an Sanierungskosten zu rechnen ist, wenn die technisch erreichbare maximale Nutzungszeit nicht wesentlich überschritten werden soll.

" Aber: Attraktivitätssteigerungen, die mittelfristig notwendig seien, um konkurrenzfähig bleiben zu können, sind in diesen Kosten noch nicht enthalten. "Es zeichnet sich jetzt schon ab, dass diese Größenordnung an jährlichen Unterhaltungsaufwendungen alleine von der Kur- und Bäder GmbH nicht finanziert werden können. Der Gesellschafter, also die Stadt, wird der Kur- und Bäder GmbH dafür zusätzliche Mittel zuleiten müssen."

Bürgerinformationsabend, Freitag, 13. Oktober, 19 Uhr, Haus des Bürgers, Salinenstraße 14, Siedersaal

Ein Freizeitbad – vier Varianten

Vertreter der Stadt, der Vereine und Schulen haben sich nach der Bädertour im Januar auf ein Bad mit folgender Ausstattung geeinigt: Fünf Bahnen (25 Meter), einem Kursbecken mit verstellbarem Boden und einem Kinderbereich. Das Projektentwicklerbüro Constrata wurde beauftragt verschiedene Varianten zu berechnen.

  • Variante 1. Fünf Bahnen (25 Meter), 120 Quadratmeter großes Variobecken (Kursbecken) mit Hubboden, 30 Quadratmeter großer Kleinkinderbereich, Sanierung der Rutsche, Cabrio-Dach, zu öffnende Fassade. Baukosten: 12,4 Millionen Euro, jährlich ungedeckter Aufwand: 970 219 Euro. Die Bedürfnisse der Schulen, Vereine und der Wunsch nach zusätzlichen Öffnungszeiten für die Bevölkerung werden umgesetzt. Durch das zusätzliche Kursbecken, kann die steigende Nachfrage nach Schwimm-und Bewegungskursen optimal erfüllt werden.
  • Variante 2. Fünf Bahnen (25 Meter), 30 Quadratmeter großer Kleinkinderbereich, Sanierung der Rutsche, Cabrio-Dach, zu öffnende Fassade zum Freibereich, kein Kursbecken. Baukosten: 10,64 Millionen Euro, Aufwand: 769 868 Euro. Kein separates Kursbecken. Kurse können nur im Sportbecken durchgeführt werden. Die Öffnungszeiten werden sich nicht verbessern. Durch das Cabrio-Dach und die zu öffnende Fassade ist das Hallenbad sehr attraktiv.
  • Variante 3. Vier Bahnen (25 Meter), Kursbecken (100 Quadratmeter) mit Hubboden, Kleinkinderbereich, Sanierung der Rutsche. Baukosten: 9,9 Millionen Euro, Aufwand: 799 232 Euro. Nur vier Bahnen stehen im Sportbecken zur Verfügung, dafür könnten im Kursbecken Schwimm-und Bewegungskurse angeboten werden. Eine Grundversorgung für Schulen und Vereine ist gegeben, durch das zusätzliche Kursbecken könnten erweiterte Öffnungszeiten angeboten werden.
  • Variante 4. Neues Hallenbad mit fünf Bahnen (25 Meter) Kleinkinderbereich, Sanierung der Rutsche. Kein Kursbecken. Baukosten: 9,03 Millionen Euro, Aufwand: 643 000 Euro. Kurse werden nur im Sportbecken angeboten. Keine erweiterten Öffnungszeiten und keine zusätzlichen Kurse.

Die Kosten können um bis zu 20 Prozent höher ausfallen. Zu den jährlich aus der Investition zu finanzierenden Folgekosten ist der Abriss des vorhandenen Bades mit 700 000 Euro einmaligem Aufwand hinzuzurechnen.

 

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