Kinder sollen "Nein" sagen dürfen, lernen sich zu wehren, um sich vor sexueller Gewalt schützen zu können. Deshalb bietet die Grund- und Werkrealschule mit dem Projekt "Kinder stark machen" in Zusammenarbeit mit dem Verein Grauzone aus Donaueschingen bereits seit fünf Jahren Gewaltprävention für Dritt- und Viertklässler an.

Bei einem Elterninformationsabend in der Grund- und Werkrealschule zeigte Lea König vom Verein Grauzone erschreckende Zahlen. Von den 13 Millionen minderjährigen in Deutschland lebenden Kindern erleben eine Million Kinder sexuelle Gewalt oder Missbrauch, im Laufe seines Lebens ist jedes dritte bis vierte Mädchen und jeder vierte Junge betroffen. Rechnerisch sind das ein bis zwei Kinder pro Schulklasse.

Für den Verein Grauzone arbeiten speziell geschulte Fachkräfte. "Wir sind dankbar, so einen professionellen Partner zu haben", erklärt Schulsozialarbeiterin Astrid Gauggel. Konrektorin Stephanie Schweizer ergänzt: "Lehrkräfte könnten diesen Kurs personell – sie sind darin nicht geschult – und zeitmäßig gar nicht leisten."

In dem Kurs lernen die Kinder den Unterschied zwischen guten und schlechten Gefühlen, guten und schlechten Geheimnissen, lernen die Gefühle zu identifizieren und zu benennen. Sie lernen, sich Hilfe zu holen, und dass es in Ordnung ist, sich jemandem anzuvertrauen. "Es könnte sein, dass der Kurs Nebenwirkungen hat", erklärt Astrid Gauggel schmunzelnd. Es habe sich herausgestellt, dass die Kids nach dem Kurs dazu neigen, zu Hause Grenzen beim "Nein-Sagen" zu testen. Darauf würden die Eltern aber auch vorbereitet.

Ein Kurs kostet 620 Euro, pro Jahr werden an der Grund- und Werkrealschule bis zu drei Kurse angeboten. Die Kurse finanzieren sich aus Spenden, somit ist die Teinahme für jedes Kind kostenfrei. Noch bis Montag haben Eltern die Gelegenheit, ihre Kinder verbindlich anzumelden. Ein Kurs mit jeweils 15 Kindern dauert eineinhalb Stunden.