Peter Buder war noch ein Kind, als sein Vater mit ihm das erste Mal einen Drachen hat steigen lassen. Viele Jahre später, längst zählte er Drachen nicht mehr zu seinen Hobbys, fiel ihm dann ein Buch über das Bauen dieser Flugobjekte in die Hände. "Der Komplizierteste hat mich sofort fasziniert", erinnert sich der Bad Dürrheimer und lacht. Und da war sie dann sofort wieder, die Drachen-Faszination, die er das letzte Mal als Kind empfunden hat. Bis heute hält sie nun an, 25 Jahre nachdem er damals seinen ersten Drachen gebaut hat. Buder ist mittlerweile unter anderem Mitorganisator des Drachenfestes in Renningen-Malmsheim (Landkreis Böblingen) und Teil einer Drachensteigergruppe, die europaweit im Einsatz ist. In diesem Jahr lässt er mit einem kleinen Team nun zum ersten Mal Großdrachen beim Internationalen Ballonfestival in Bad Dürrheim, von Freitag, 1., bis Sonntag, 3. September, steigen.

Etwas bewölkt, stetiger leichter Wind der Stärke zwei oder drei auf der Beaufortskala und Temperaturen um die 23 Grad: Das ist das perfekte Drachenwetter für Peter Buder. "Ist es bewölkt, gibt es etwas mehr Wind, als bei blauem Himmel", sagt er. Die Drachen können so leichter aufsteigen. "Und 20 bis 23 Grad wäre einfach eine Temperatur, bei der ich mich wohlfühlen würde", er lacht. Anders als bei Heißluftballons, ist für Drachen nämlich nicht die Temperatur entscheidend für deren Aufstieg, sondern der Wind. Und dieser darf auch eine Stärke von sechs oder sieben, damit eine Geschwindigkeit von bis zu 60 Stundenkilometer haben. Selbst bei leichtem Regen kann daher gestartet werden.

"Regen und Nässe scheuen wir nicht – wenn wir wissen, dass am nächsten Tag das Wetter wieder besser ist und die Drachen trockengeflogen werden können", fügt Buder hinzu. Bis zu 60 Meter lang ist der größte Drachen – eine Krake. Die Oashi-Kette, aneinandergereihte kleine Drachen, ist 333 Meter lang. Einen Platz zu finden, auf dem diese zum Trocknen ausgelegt werden können, sei nahezu unmöglich.

60 Meter lang ist die Krake und gehört zu Buders größten Drachen.
60 Meter lang ist die Krake und gehört zu Buders größten Drachen.

Und wenn der Wind fehlt? "Dann lassen wir eben Null-Wind-Drachen steigen", sagt Buder. Diese sind sehr leicht und steigen durch die Eigenbewegung des Piloten in die Luft. Dann werden sie durch Zupfen und gleiten lassen in der Luft gehalten. Gut hundert unterschiedliche Drachen hat die Gruppe. Alle, von handtellergroß bis zu 60 Meter lang, bringt Buder auf das Ballonfestival mit. "Mein Lieblingsdrachen ist aber bis heute der grüne Gecko", sagt er. Das war auch der erste Großdrachen, den er sich gekauft hat, damals, als ihn das Drachensteiger-Fieber erwischt hat. Stablos sind Großdrachen üblicherweise, blasen sich nur durch den Wind auf und werden durch bis zu 50 Schnüre bewegt, die zu einer Schnur in der Hand des Drachenpiloten zusammengeführt werden. "Da gehört viel Erfahrung dazu", räumt Buder ein.

Auf bis zu 16 Festivals und Festen lässt Peter Buder seine Drachen steigen. Mindestens drei Personen sind notwendig, um einen Großdrachen in die Luft zu bringen. "Die müssen dann aber auch genau wissen, was zu tun ist", sagt er. Saison ist im Frühling und Herbst. Im Sommer ist es meist zu windstill und zu warm. Im Winter wird an den Drachen gefeilt, neue gebaut.

Peter Buder mit einem Centipede-Drachen. "Bis die Drachen in der Luft sind, brauchen wir etwas Platz", sagt er. Doch sind sie aufgestiegen, können Besucher des Ballonfestivals auch gerne selbst einmal einen der Großdrachen unter Anleitung lenken. Bilder: Peter Buder
Peter Buder mit einem Centipede-Drachen. "Bis die Drachen in der Luft sind, brauchen wir etwas Platz", sagt er. Doch sind sie aufgestiegen, können Besucher des Ballonfestivals auch gerne selbst einmal einen der Großdrachen unter Anleitung lenken. Bilder: Peter Buder

Wird das auf Dauer nicht anstrengend? "Ich fahre immer grinsend auf die Feste und ebenso grinsend wieder von ihnen zurück", sagt Buder. Längst habe er Freunde und Bekannte unter den anderen Drachenpiloten gefunden, freut sich, sie immer wieder zu sehen. "Es macht jedes Mal aufs Neue Spaß – sonst würde ich es nicht mehr machen", sagt er. Oft seien es kleine Momente, die ihn motivierten. "Es ist schön zu sehen, dass die Drachen den Leuten ein Lächeln ins Gesicht zaubern." Oder er kleinen Drachenpiloten aushelfen kann, etwa wenn ein Stab ihrer Flugobjekte gebrochen ist. "Dann gebe ich ihnen einfach einen von mir", sagt er.

So fliegen Drachen, so fahren Ballons

Ein Heißluftballon umfasst heiße Luft in seiner Hülle. Diese hat, im Gegensatz zur kalten Luft, eine geringere Dichte und steigt daher auf. Ist der Auftrieb der heißen Luft größer als das Gewicht des Ballons, steigt der Ballon hoch. Drachen hingegen benötigen üblicherweise etwas Wind, gegen den sie sich in einem bestimmten Winkel richten. Mit der Leine erzeugt der Drachenpilot dann einen Gegendruck. Dadurch steigt der Drachen nach oben. Die ideale Windstärke dafür hängt von dem Material des Drachens ab: Nullwind-Drachen sind sehr leicht und benötigen, wie der Name schon erahnen lässt, knapp eine halbe Windstärke, um in die Luft zu steigen. Drachen aus Baumwolle etwa sind schwerer und benötigen Wind der Stärke fünf oder sechs, um zu fliegen.