Die Interessengemeinschaft (IG) Pro Bad Dürrheim sieht auch nach dem Entscheid über die Änderung des Irma-Bebauungsplanes zahlreiche Probleme offen. Mit der teilweisen Offenlegung der Stillen Musel zeigen sich die Mitglieder der Initiative nicht zufrieden. Die Sprecherinnen der IG, Annerose Knäpple und Anette Bächler verdeutlichen in einem Schreiben an Bürgermeister Walter Klumpp schon im August, dass sie ihr Ziel, die Stille Musel vollständig zu renaturieren, nicht aus dem Auge verlieren werden und auch das Vorhaben, eine kleinere Bebauung auf dem Areal zu erwirken, "entschieden weiterverfolgen werden, nötigenfalls auch auf dem Rechtsweg".

Die öffentliche Auslegung des Bebauungsplans mache aus Sicht der IG derzeit keinen Sinn und verzögere das Verfahren nur unnötig. Es sei weder geklärt, ob die geplante Nutzung in urbanem Gebiet zu Überschreitungen der Lärmimmissionswerte führen, noch sei die Zahl der erforderlichen Parkplätze. Ein Lärmgutachten ziehe wiederum nach sich, dass der Bebauungsplan ausgelegt werden muss, argumentiert die IG. Die IG fordert gegenüber der Stadt das Areal als Mischgebiet zu betrachten, statt als urbanes. Nach Meinung der Initiative soll statt eines urbanen Gebietes mit einer Grundflächenanzahl (GRZ) von bis zu 1,0 ein Mischgebiet mit einer GRZ einer von 0,6 festgesetzt werden. Damit würde die "nutzlose, ökologisch desaströse Überdeckelung der Stillen Musel entfallen", heißt es in dem Schreiben. Die Grundflächenzahl gibt den Flächenanteil eines Baugrundstücks an, der überbaut werden darf. Wird sie mit 0,1 angegeben, bedeutet dies, dass zehn Prozent der Grundstücksfläche überbaut werden dürfen.

In einer Stellungnahme kommt Rechtsanwalt Hans-Jörg Knäpple, der die IG vertritt zum Ergebnis, dass "die derzeitige Planung einseitig und unvertretbar die Interessen des Investors bevorzugt und diesem Interesse entgegenstehende öffentliche Belange nur zu einem geringen Anteil Berücksichtigung finden". Mit der gesetzlichen Forderung, Gewässer naturnah zu renaturien, argumentiert die IG gegenüber dem Umweltminister Franz Untersteller, an den die IG bereits im August ein Schreiben gerichtet hat. "Die beschlossene Renaturierungsvariante ist deutlich suboptimal oder volkstümlich ausgedrückt: es handelt sich um offensichtlichen Murks", heißt es da.

Die Fördermittel sollten so verwendet werden, dass die Stille Musel erlebbar gemacht werde, das sei durch die Überdeckung an fünf Stellen nicht gegeben. Weil sich die IG mit den baulichen Änderungen nicht zufriedengeben kann, kommt sie am Montag, 10. September, zu ihrer nächsten Unterstützerversammlung zusammen. Zuletzt hatte eine solche Zusammenkunft im November 2017 stattgefunden. Die IG wolle den Zeitraum bis 21. September, so lange sind die Pläne noch öffentlich ausgelegt, nutzen, um über mögliche Einwendungen zu diskutieren.