So geht das, so funktioniert Europa! Während derzeit der europäische Verbund harten Belatsungstests in Folge des Brexits ausgesetzt ist, weltweit Unruhen Anlass zur Sorge geben, zeigen Teenager in Bad Dürrheim, wie der europäische Gedanke an der Basis funktioniert. Seit vier Jahren ist die Realschule am Salinensee Teil des jeweils zwei Jahre dauernden, von der Europäischen Union ins Leben gerufenen Projektes Erasmus Plus, vormals Comenius. Zum zweiten Mal nun wurden in der Realschule am Salinensee 24 Schüler, begleitet von insgesamt sechs Lehrkräften, aus Frankreich, Polen und Litauen zu einer Austauschwoche willkommen geheißen. Treibende Kraft des Projektes zwischen Bad Dürrheim und den anderen Schulen ist die französische Lehrerin Agnès Lachkar-Le Quéré aus Frankreich. Ihr sei es unter anderem zu verdanken, so Verbindungslehrer Eddie Stratz, dass die Bad Dürrheimer Realschule bei ihrer Bewerbung um die Fördermittel so gut abgeschnitten hat.

Am Dienstag kamen die Schüler abends an und sie erlebten Mittwoch gleich einen ersten aufregenden Tag an und in der Realschule, der abends in einer offiziellen Willkommensfeier gipfelte. Alle teilnehmenden Schüler – sowohl die ausländischen als auch die einheimischen – nehmen zusätzliche Arbeit auf sich und investieren viel Zeit für die Teilnahme an diesem Projekt. In speziellen Kursen bereiten sie verschiedene Projekte zur Darstellung der Region – ihrer Heimat – vor. Auf Schüler und Eltern kommen für das Engagement keine zusätzlichen Kosten zu. Die Realschule erhält für ein Austauschprojekt, welches jeweils über zwei Jahre läuft, Fördermittel in Höhe von 22000 Euro.

„Wir kalkulieren einfach so, dass keine Zusatzkosten entstehen“, erklärt Eddie Stratz. Unabhängig davon bringen sich allerdings die Gasteltern persönlich ein. „Alle geben sich total viel Mühe und wir hoffen, dass das die ganze Woche über so bleibt“, freute sich Paola Eggert, die mit Eddie Stratz zusammen für das Projekt an der RSAS zuständig ist.

In den zahlreichen Begrüßungsworten wurde deutlich, dass es der europäische Gedanke, das grenzenlose beziehungsweise grenzüberschreitende „Wir“ ist, was von allen Seiten her, die Basis für dieses Projekt bildet. Für sie sei Europa, also die Europäische Union, seit ihrer eigenen Schulzeit Sinnbild für den Frieden in Europa, sie stehe für Menschenwürde, Gleichheit, Freiheit und Demokratie, erklärte Konrektorin Stephanie Martin. Das könne nicht durch Reden beibehalten werden, sondern nur durch solche Programme gefestigt werden. „Gerade heutzutage, wo es immer wieder in aller Welt Angriffe auf genau diese Werte gibt.“

Die verantwortlichen Lehrkräfte würden ein weit über das normale Maß hinaus gehendes Engagement erbringen und gern würden alle Lehrkräfte an der Schule vor diesem aktuellen Hintergrund das Engagement ihrer beiden Lehrer unterstützen. „Das ist nur möglich als Schule insgesamt, nicht durch einzelne allein.“ Das Programm mache deutlich, was alles in positiver Weise hier vermittelt werde, so Bürgermeister Walter Klumpp, der herzlich zu diesem Erfolg der Schule gratulierte. Europa könne nur gelebt werden, wenn sich die Menschen verstehen und vor allem auch gegenseitig vertrauen. Das Programm sei eine tolle Möglichkeit für junge Menschen, sich kennen zu lernen, zu verstehen und sich auf ein hoffentlich gutes Europa vorzubereiten. „Es ist eine gute Vorbereitung auf die globalisierte Welt, die immer weiter fortschreitet.“

Lehrer Eddie Stratz sieht viele Vorteile. „Die Schüler nehmen unglaublich viele Erfahrungen aus dieser Zeit mit.“ Sie würden kulturelle Unterschiede kennen lernen, ihre sozialen Kompetenzen erweitern, manchmal springe der Funke über und es würden langjährige Freundschaften entstehen.