Bad Dürrheim – Jetzt wird es interessant. Am gestrigen Montag hat vormittags ein dritter Kandidat seine Bewerbung in den Briefkasten des Rathauses eingeworfen: Jens Wehner. Er ist in Bad Dürrheim aufgewachsen, hat 30 Jahre hier gelebt und ist immer noch eng vernetzt. "Es war für mich immer klar, dass ich irgendwann wieder in die Heimat zurückkomme", sagt Wehner. Im Gespräch mit dem SÜDKURIER erklärt der Berufsoffizier, was im wichtig ist.

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Auf eine Kandidatur sei er angesprochen worden, als er zum Begräbnis seines früheren Schwimmtrainers Heinrich Ammann in Bad Dürrheim weilte, erzählt Wehner. Immer wieder sei dies bei verschiedenen Gelegenheit passiert. Er habe sich das schon vorstellen können, doch zuerst hätte die Familie zustimmen müssen. "Die Familie ist das Wichtigste", so der 51-Jährige. "Hätten die gesagt: "Vater, du spinnst", hätte ich es gelassen, aber sie haben einen grünen Haken dran gemacht!"

Erste Kontakte

Der Offizier verschwendete keine Zeit. Schon nachdem die Bewerbung im Kasten war, machte er eine Runde bei Einzelhändlern und Gastronomen, sprach mit städtischen Mitarbeitern und besuchte den Polizeiposten. Seine Devise: "Es gilt zuzuhören." Und er hat eine klare Vorstellung von seinem Wahlprogramm in der Tasche: Sinnvolle Entwicklung der Wirtschaft, sinnvolle Entwicklung als Kurstadt/Wohnstandort und Bildung, nennt er drei Kernsäulen.

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Zukunftsfähige Stadt

Bad Dürrheim steht gut da, findet Wehner. "Die Frage ist, wie die Stadt zukunftsfähig gemacht werden kann." Er denke da nicht an acht Jahre später, sondern 20 bis 25 Jahre voraus, habe schon eine grobe Vision. Aber: "Mit viel Zuhören und Abgleichen, was an Input von den Leuten kommt, von den Wählern und vom Gemeinderat." Und: mit Maß und Ziel. Nachhaltig müsse es sein, denn alles solle auch in eventuell später schwierigen Zeiten Bestand haben.

Die angesprochene Themenliste ist lang: Senkung des Gewerbesteuer- und Grundsteuer-Hebesatzes als Anreiz für Investoren und Familien, Ansiedlung von innovativem und produzierendem Gewerbe, Anbindung von Gewerbesteuerzahlenden an den Ort, die weitere Entwicklung als Bildungsstandort, die Weiterentwicklung des Gewerbegebietes in Hochemmingen, das Camping am See weiter stärken, ein ordentliches ÖPNV-Angebot für die Ortsteile, Sicherung der Grundversorgung auf den Ortsteilen. Auf der wirtschaftlichen Entwicklung mit Blick auf Innenstadt und Gewerbegebiet liege ein weiterer, besonderer Fokus. "Wie kann man dem Konsumverhalten der Menschen entgegentreten, damit die Innenstadt nicht ausstirbt?", sei die Frage. Die sechs Ortsteile müsse man ganz eng an die Stadt anbinden. "Das sehe ich aus der Perspektive des Ortsteilbürgermeisters – hier Ortsvorsteher genannt -, der ich seit fünf Jahren in der Gemeinde Boilstädt bin."

Minara und Irma

Ein sehr emotionsbehaftetes Thema, auch für ihn. Klar sei die Technik schlecht, optisch stehe das Minara aber immer noch super da. Während seiner aktiven Schwimmzeit von 1975 bis 1988 habe er bestimmt eine fünfstellige Kilometermarke erschwommen. Die Grünanlage sei nach wie vor ein tolles Gelände. Gut sei, dass das Hallenbad erhalten bleibe. Man könnte eventuell darüber nachdenken, ein Naturschwimmbad wie in Trossingen zu machen – unter der Voraussetzung der Finanzierbarkeit. Man könne lange sagen, dass man etwas behalten will, aber es müsse bezahlbar sein.

Auch die Irma sei ein schwieriges Thema. Vielleicht wäre eine frühzeitige Bürgerbeteiligung sinnvoll gewesen, die im Vorfeld wahrscheinlich einiges ausgeräumt hätte, was jetzt hochkocht. Bei solch einem Projekt würde er stark auf Transparenz setzen wollen. Um differenzierter antworten zu können, müsste er sich jedoch erst tiefer in die Thematik einarbeiten.

Erfahrung

Verwaltungs- und Führungserfahrung habe er auf jeden Fall, verdeutlicht Wehner. Er verfüge durch seinen Beruf über 31 Jahre Führungserfahrung und der Verwaltungsapparat einer Kommune unterscheide sich nicht großartig von den Verwaltungsstrukturen der Bundeswehr. Davon abgesehen habe die Stadt genug Verwaltungsleute. Er wolle einer sein, der die Gestaltung in den Fokus nimmt.

Nach militärischem Drill gefragt, muss Wehner schmunzeln. "Ich hatte immer schon einen kooperativen Führungsstil, Teamgeist steht für mich ganz oben." Er sei Teamplayer, die Leute sollen von der Sinnhaftigkeit dessen was sie tun, überzeugt sein. Es werde definitiv keine militärisch geführte Stadtverwaltung geben. "Ein Bürgermeister ist kein Autokrat, sondern der erste Diener seiner Stadt!"

Am heutigen Dienstag stellt sich Jens Wehner bei den Freien Wählern und der LBU vor. Am Mittwoch ist ein Treffen mit der SPD geplant, das Treffen mit der FDP folgt später. Auch er trete als unabhängiger Kandidat an, teilt Wehner im Hinblick auf seine Parteizugehörigkeit mit und betont ausdrücklich, dass er dem Mitbewerber Jonathan Berggötz bei der CDU auf keinen Fall Konkurrenz machen werde. "Ich werde keine Grabenkämpfe aufmachen. Was ich mache, mache ich für Dürrheim, nicht fürs Parteibuch." Beruflich bedingt wird er erst ab 7. März dauerhaft zum Wahlkampf in Bad Dürrheim sein.