Im November vergangenen Jahres hat Hannelore Prochnow ihren Rückzug vom Amt der ehrenamtlichen Behindertenbeauftragten angekündigt, nun wurde sie von der Stadt offiziell verabschiedet. In den vergangenen sechs Jahren ihres Wirkens hat sie einiges für die etwa 2600 behinderten Bürger in Bad Dürrheim erreicht, wie auch Bürgermeister-Stellvertreter Heinrich Glunz in seiner Rede betonte. Ihr „Meisterstück“ sei der barrierefreie Busbahnhof, meinte Glunz. „Es ist der beste Busbahnhof weit und breit“, sagt Prochnow selbst über ihr Wirken. Denn neben den baulichen Elementen und den absenkbaren Niederflurbussen, für die sie sich eingesetzt hat, seien auch behindertengerechte Toiletten eingerichtet worden.

Eine weitere Errungenschaft, die auf die Kappe von Prochnow geht, ist der Gesprächskreis Handicap-Aktiv, zu dem seit 2013 einmal im Monat im Schnitt zwölf bis 15 behinderte und nicht behinderte Bürger zusammenkommen und sich austauschen. Zeitgleich zur Verabschiedung Prochnows, feierte der Gesprächskreis seinen fünften Geburtstag mit einem Sommerfest am Bücherstüble im Kurpark.

Nicht zuletzt durch ihre „Berliner Schnauze“, meinte Glunz, habe sich Prochnow Gehör verschafft und sei Probleme offensiv angegangen. Sie sei eine „vorbildliche Ansprechpartnerin“ gewesen und habe viel Durchsetzungsvermögen bewiesen. Prochnow lebt seit 27 Jahren in der Kurstadt.

Genauso lange ist sie in der Bürgerarbeit aktiv und will es auch weiterhin bleiben. Der Rückzug vom Amt der Behindertenbeauftragten hat persönliche Gründe: In diesem Jahr verlor Prochnow ihren Mann. Doch ihre Nachfolgerin Inge Teichert steht schon in den Startlöchern und will ihre neue Aufgabe ab Mitte August angehen. Am Donnerstagabend wurde sie vom Gemeinderat offiziell in ihr Amt berufen.

Prochnow wird ihr dabei sicher zur Seite stehen. „Ich bin der Meinung, jede Gemeinde braucht einen Behindertenbeauftragten“, sagt Prochnow und pocht auf das Bundesteilhabegesetz, das vorsieht, das niemand wegen einer Behinderung benachteiligt werden dürfe. Das müsse sich bis in die Kommunen widerspiegeln. Doch das umzusetzen, geht nicht alleine.

Prochnow war ein Sprachrohr für die behinderten Bürger und Bindeglied zur Verwaltung, wo sie deren Interessen vertrat. Besondere Unterstützung aus der Verwaltung hat sie von Bürgermeister Walter Klumpp und von Stadträtin Monika Link bekommen. Auch mit anderen Gruppen hat sie kooperiert, beispielsweise mit dem Teilhabekreis der Caritas, der von den Diakonen Adalbert Mayer und Karl-Heinz Groß betreut wird. Zu ihrer Verabschiedung ist auch der Kreis-Behindertenbeauftragte Manfred Kemter gekommen, mit dem sie sich über die Jahre eng ausgetauscht hat. „Sie hat viele Barrieren abgebaut, dafür danke ich ihr“, sagte Kemter.

Dank empfing Hannelore Prochnow außerdem von Klaus Lang, Therapieleiter im Solemar. Lang bedankte sich im Namen der Kur- und Bäder GmbH für die gute Zusammenarbeit.