Schmiereien, demolierte Fensterscheiben, Dreck- und Müllablagerungen – mit solchen Delikten schlagen sich die Geschäftsinhaber in der Luisenpassage schon lange herum. Für Arno Winkler ist das Erscheinungsbild seines Trachten-Geschäftes nach außen hin wichtig. Bei einem Rundgang um sein Geschäft schildert er, dass er Werbeplakate aufgehängt hat, um Schmierereien die im Frühjahr entstanden sind, vorübergehend zu überdecken. Doch bald will er sie überstreichen. Aber nicht nur Graffitis schüren seinen Ärger, im Januar wurde eine Scheibe seines Ladens zerstört und Schmuck erbeutet.

Winkler ist nicht der einzige, den die wiederkehrenden Sachbeschädigungen aufbringen. Erst vor wenigen Wochen haben Unbekannte nach Ladenschluss den hinteren Teil des Cafe Bistro am Rathaus mit Farbe besprüht und ein größeres Loch in eine Fensterscheibe geschlagen. "Wir haben Anzeige gegen Unbekannt erstattet, mehr können wir nicht tun", sagt Monika Andres, die seit 17 Jahren in dem Gastronomiebetrieb arbeitet und ihn heute auch betreibt. Die Scheiben sind doppelverglast, um sie zu durchbrechen, braucht es einige Kraft.

Polizeipräsenz infrage gestellt

"Das Problem ist, dass hier keine Wohnhäuser drumherum sind und es niemand sieht, wenn Straftaten begangen werden", sagt Andres. Die Beamten vom Polizeiposten Bad Dürrheim seien zwar zur Stelle, wenn sie gerufen werden, das betont auch Arno Winkler, aber dennoch fühlen sich die Geschäftsinhaber in der Luisenpassage mit dem Problem alleine gelassen. In den vergangenen Jahren habe sich die Problematik verschärft. Auch Heike Witte, die seit Februar 2017 das Lotto-Geschäft betreibt, hat schon Erfahrungen mit Sachbeschädigungen und Einbruchsversuche miterlebt. Anfang des Jahres haben Unbekannte ein vergittertes Fenster aufgehebelt und die Scheibe eingeschlagen. "Sie werden immer dreister", sagt Witte.

Dass man draußen keine Blumenkübel oder sonstige Werbebanner stehen lassen darf, weil sie sonst geklaut werden, ist auch Heike Groß von Heikes Wollstüble bewusst. Sie hat sich damit arrangiert, findet jedoch, dass die Dienstzeiten der Bad Dürrheimer Polizei, ungünstig sind. Der Polizeiposten ist unter der Woche bis 16 Uhr erreichbar, danach übernehmen Beamte aus Schwenningen. Das wird auch von den anderen Geschäftsinhabern bemängelt. "Bad Dürrheim ist eine Stadt und die Polizei ist nicht wirklich präsent", sagt Groß.

Dem widerspricht Michael Aschenbrenner, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Tuttlingen. "Die Präsenz ist gegeben und sie ist auch nicht schlechter als früher", sagt er. Aschenbrenner kann verstehen, dass die Vorfälle für die ansässigen Geschäftsinhaber ärgerlich sind, auch weil sie immer wieder Reparaturkosten verursachen. Doch die Polizei könne nicht überall sein, die Situation in Bad Dürrheim sei nicht schlechter und nicht besser als in anderen Städten wie Rottweil oder Tuttlingen. Am Abend und in der Nacht wären zwei bis drei Streifenwagen in einem abgesteckten Gebiet unterwegs, sie fahren schwerpunktmäßig auch Orte wie die Luisenpassage an. Die Kritik der Händler weist er zurück. Acht Polizeibeamte arbeiten für den Dürrheimer Polizeiposten, darunter sind einige Teilzeitkräfte.

Seit 2014 sei die Struktur durch die Errichtung eines Führungs- und Lagezentrums, in dem Einsätze für die Landkreise im Bereich des Polizeipräsidiums Tuttlingen koordiniert werden, sogar verbessert worden. Wenn Beamte aus Schwenningen abends und in der Nacht schon an anderen Einsatzorten unterwegs seien, könnten welche aus Villingen oder auch aus Donaueschingen beordert werden. Dass die Polizei zum Mittel der Videoüberwachung greift, sei aus rechtlichen Gründen nicht denkbar. "Einen Kriminalitätsschwerpunkt haben wir hier nicht", sagt Aschenbrenner.

Selbst in der Färberstraße in Villingen gebe es außerhalb der Fastnacht keine Videoüberwachung. Als Kriminalitätsschwerpunkte zählt die Polizei Orte, an denen beispielweise regelmäßig Raubüberfalle oder schwere Körperverletzungen begangen werden. Klare Vorgaben befänden sich im Polizeigesetz darüber zwar nicht, aber das Aufhängen von Kameras müsste juristisch überprüfbar sein.

Ordnungsdienst unterstützt Polizei

Auch Gina Wetzel, die bei der Stadtverwaltung als Sachbearbeiterin den Bereich Sicherheit und Ordnung mitbetreut, weiß um die Problematik in der Luisenpassage. Sie betont, dass die Zusammenarbeit mit der Polizei eng sei und der Gemeindevollzugsdienst zeitweise zur Kontrolle auch Orte wie die Luisenpassage anfahre, um die Polizei zu unterstützen. Im Allgemeinen sei der Dienst aber hauptsächlich für den ruhenden Verkehr verantwortlich.