Es ist ein offenes Geheimnis unter Eltern, Lehrenden und Bildungspolitikern: Über den schulischen Erfolg eines Kindes entscheidet in einem hohen Maße sein sozialer Status, sagt Wolfgang Götz, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Generationentreffs Lebenswert. Denn: Nicht alle Eltern können sich Nachhilfestunden für ihr Kind leisten. Vor knapp fünf Jahren hat der Generationentreff daher das Projekt Lernlotsen ins Leben gerufen. So sollen Kinder und Jugendliche sozial schwacher Familien schulisch von Ehrenamtlichen unterstützt werden. Doch: Der Verein kann lange nicht jedes bedürftige Kind unterstützen – und ist daher auf der Suche nach weiteren Lernlotsen.

An die ersten Stunden mit ihrem Schüler kann sich Lernlotsin Anna-Maria Schopp sehr gut erinnern. Vor ihr saß ein kleiner, schüchterner Junge, der sich gerne ablenken ließ, wenn es um Schulaufgaben ging. Seit einem Jahr betreut Schopp ihn nun und sieht enorme Veränderungen: „Er hat ein anderes Verständnis für seine Aufgaben bekommen“, sagt sie. Hinzu kam schulischer Erfolg. Undenkbar ohne die Hilfe der Lernlotsin.

„Junge Leute brauchen auch Ansprechpartner außerhalb der Schule und des Elternhauses“, sagt Schopp. Denn genau darum gehe es: Da zu sein, wenn es in einem Fach klemmt, aber auch weiterzuhelfen, wenn es um menschliche und organisatorische Themen in der Schule geht. Das bedeutet in manchen Fällen dann auch, zu den Elternabenden der Kinder zu gehen, wenn es notwendig ist. „Wir sind immer im Gespräch mit den Eltern“, sagt Schopp. Wie stark diese bei der schulischen Förderung ihrer Kinder auf Unterstützung durch die Lernlotsen angewiesen sind, sei immer eine individuelle Sache.

„Wir wollen soziale Gerechtigkeit schaffen“, sagt Wolfgang Götz, Vorstandsmitglied des Generationentreffs Lebenswert. Infrage für das Projekt kommen Schülerinnen und Schüler jeder Schulform und jeden Alters, die zwar aus finanziell schwachen Familien kommen, aber keinen Anspruch auf Lernförderung aus dem Bildungspaket des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales haben. „Sie fallen also durch das Raster“, sagt Götz. Denn ihre Eltern verdienen nicht so wenig, dass sie den durch das Bildungspaket zugesicherten Rechtsanspruch auf Bildungs- und Teilhabeleistungen haben. Sie verdienen aber auch nicht so viel, dass sie ihren Kindern regelmäßige schulische Unterstützung finanzieren könnten.

Einmal die Woche treffen sich die Lernlotsen im Generationentreff Lebenswert zur Nachilfe. Sechs Lernlotsen begleiten derzeit acht Schülerinnen und Schüler. Förderbedürftig wären aber weit mehr Kinder, sagt Vorstandsmitglied Angelika Strittmatter. Arbeitsplätze, ein Whiteboard, entsprechenden Raum für das Angebot: das alles stellt der Generationentreff den Schülerinnen und Schülern gratis zur Verfügung. „Ehrenamt ist aber nun einmal kein Selbstläufer“, sagt Strittmatter. Ohne bürgerschaftliches Engagement, ohne Freiwillige, die bereit sind, Zeit mit Kindern und Jugendlichen zu verbringen, könne das Projekt nicht bestehen.

Ein Problem, das sämtliche Projekte des Vereins betrifft. „Menschen, die sich in jeglicher Form beteiligen wollen, sollen sich melden“, sagt Götz daher. „Es geht uns darum, die Interessen der Bürger aufzugreifen und in eine kommunale Diskussion einzubringen.“

Lernlotsen

  • Bürger, die sich als Lernlotsen einbringen möchten, sollten Zeit, Geduld und Verständnis für Probleme von Kindern und Jugendlichen haben.
  • Erforderlich ist zudem eine gute Allgemeinbildung, mindestens ein mittlerer Bildungsabschluss sowie eine kommunikative und lösungsorientierte Arbeitsweise.
  • Informationen unter Tel. 07726 / 389 03 37