Als wollte sie ihre Freude zum Ausdruck bringen: Just in dem Augenblick, als Umweltstaatssekretär André Baumann vor einem Kreis von Biologen, Naturschutzfachleuten, Forstmitarbeitern, Politprominenz und ehrenamtlichen Naturkundlern das Wort ergriff, trällerte eine Feldlerche hoch vom blauen Himmel ihr frohes Lied. Sie hatte auch allen Grund dazu, denn die Maßnahmen, die derzeit im Rahmen der Lebensraumaufwertung für Riedvögel und Wiesenbrüter umgesetzt werden, nützen dem Erhalt der Artenvielfalt doch sehr. Das Land Baden-Württemberg hat das Sonderprogramm „Biologische Vielfalt“ auf den Weg gebracht und an unzähligen Stellen arbeiten Naturschutzverbände, Behörden und ehrenamtlich tätige Personen Hand in Hand, um diesem Ansinnen eine breite Grundlage zu bieten.

Umweltstaatssekretär Andre Baumann und Martina Braun wünschen sich, dass in naher Zukunft wieder Kiebitze hier brüten.
Umweltstaatssekretär Andre Baumann und Martina Braun wünschen sich, dass in naher Zukunft wieder Kiebitze hier brüten.

Vor-Ort-Termin in Unterbaldingen

Als konkretes Beispiel für die Umsetzung der Stärkung der biologischen Vielfalt durfte die Projektfläche Drachenbrunnen südwestlich des Bad Dürrheimer Ortsteiles herhalten. Um den Bodenbrütern an dieser Stelle einen geeigneten Lebensraum zu schaffen, hat das Planungsbüro Arcus aus Bräunlingen unter der Regie von Otto Körner Maßnahmen in die Wege geleitet, welche nun zeitnah umgesetzt werden sollen. Zum einen wurden bereits kleine Bambusstäbe als Anflughalter gesetzt, zum anderen soll der Grundwasserstand erhöht werden. Damit bekommen bestimmte Pflanzen wie die Bachkratzdistel oder die Trollblume gute Wuchsbedingungen. Wo derartige Pflanzen wachsen, finden sich dann auch allerlei Insekten ein, die als Nahrung für die Vögel dienen.

Wie ein Uhrwerk

Die Vielfalt von Flora und Fauna funktioniert nur, wenn alle Beteiligten ihren Lebensraum und ihre Lebensbedingungen in wohlgeordneten Systemen vorfinden. Wird einer Lebensform – sei es Pflanze oder Tier – diese Grundlage entzogen, so hat das gewaltige Auswirkungen im Ökosystem. Ähnlich einem gut funktionierenden Uhrwerk, greift ein Rädchen in das andere, um das ökologische Gleichgewicht zu erhalten. Wird auch nur ein Zahn entfernt, hakt das System bis hin zum Stillstand. „Das Artensterben ist wie ein Meteoriteneinschlag in Zeitlupe“, so Staatsekretär Baumann und weiter: „Der Schwund der Artenvielfalt ist dramatisch!“ Dabei sei es ungeheuer wichtig, dass sich das Ökosystem in einem gesunden Gleichgewicht halte. Wenn der Mensch in dieses System eingreife, müsse er für dessen Erhalt Verantwortung übernehmen. Aus Sicht des promovierten Biologen stelle die Baar ein besonderes Drehkreuz biologischer Vielfalt dar. Die Landesregierung unterstütze derartige Projekte mit erheblichen Geldsummen nicht nur kurzfristig, sondern habe besonders die Nachhaltigkeit der Maßnahmen im Blick. Dabei bezog Baumann ausdrücklich auch die ehrenamtlich tätigen Vogelbeobachter ein, die einen unschätzbaren Beitrag zur Erfassung von Brutpaaren leisten.

Brachen sind umstritten

Einig war sich die Besuchergruppe, dass Brachflächen nicht unbedingt eine gute Grundlage für die Artenvielfalt seien. Vielmehr würden die wuchsstärksten Pflanzen sich zu sehr ausbreiten und keinen Platz für notwendige Nischenpflanzen lassen. „Wichtig ist, dass die Bevölkerung versteht, wenn wir Landwirte hier eingreifen und somit unseren Beitrag zur Artenvielfalt beisteuern!“, so die Landtagsabgeordnete Martina Braun (Bündnisgrüne). Regierungsvizepräsident Klemens Ficht ergänzte weiter: „Wichtig ist, dass es Maßnahmen sind, die die Bewirtschaftung der intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen nicht beeinträchtigen. Dafür kommen überwiegend die Restflächen zwischen intensiv genutzten Äckern in Betracht.“ So hätten dereinst auch wieder Kiebitze und andere Bodenbrüter eine Chance, hier heimisch zu werden.

Kooperation notwendig

Die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit aller am Naturschutz Beteiligten stellte auch Friedrich Kretzschmar vom Naturschutzreferat des Regierungspräsidiums Freiburg in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Beim Regierungspräsidium laufen die Fäden der konkreten Maßnahmen zusammen, von hier aus fließt auch das Geld an die ausführenden Stellen.

Die Karpatenbüffel

In Anwesenheit des künftigen Bürgermeisters Jonathan Berggötz durfte die Besuchergruppe – dabei auch der erste Landesbeamte Joachim Gwinner und der Landtagsabgeordnete Karl Rombach (CDU) – von einer kleinen Anhöhe in der Nähe des Bad Dürrheimer Feuerwehrhauses einen Blick auf die Büffelweide neben der Stadtgärtnerei werfen. Auch diese Fläche gehört zum Sonderprogramm „Biologische Vielfalt“. Obwohl die dort weidenden Karpatenbüffel in der Region eher als nicht heimisch angesehen werden müssen, dienen deren Suhl- und Teichflächen doch als biologisch und ökologisch wertvolles Gebiet, welches als möglicher Brutplatz für Kiebitze dienen kann.

Zum Abschluss Büffel

Otto Körner vom Planungsbüro hatte an diesem Nachmittag die Moderation sowie einzelne Fachbeiträge übernommen und ließ es sich nicht nehmen, zusammen mit seiner Frau Hildegard, den haupt- und ehrenamtlichen Beteiligten bei einem zünftigen Büffelbuffet-Vesper für ihr Engagement auf der Baar zu danken.

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