Nachdem die Firma Constrata, die von der Stadt mit der Planung des Minara-Nachfolgebades beauftragt worden ist, ihre Kostenschätzungen für vier Schwimmbad-Varianten vorgelegt hat, ist klar: Ein Hallen- und Freibad mit Wunschausstattung ist offenbar nicht im Budget von 8,9 Millionen Euro drin. Auf dieses Maximum hat sich der Gemeinderat im vergangenen Jahr geeinigt. Damit scheinen die Diskussionen um ein neues Freizeitbad wieder auf Anfang gestellt zu werden. Denn erneut setzen sich die Räte jetzt mit der Frage auseinander, ob sich die Stadt ein neues Freizeitbad, das wettbewerbsfähige Wellness- und Gesundheitszentrum Solemar und zugleich weitere geplante Großprojekte leisten kann.

„Was uns sehr nachdenklich stimmt, sind die Folgekosten und die Modernisierungsarbeiten am Solemar“, sagt Heinrich Glunz, Fraktionssprecher der CDU. Eine Entscheidung sei in der Fraktion noch nicht getroffen worden. „Wir sind zurückhaltend und differenziert. Gleichzeitig wollen wir verantwortungsvoll umgehen im Hinblick auf die Schulen und Vereine.“ Neben den berechneten Varianten stünden auch weitere Möglichkeiten im Raum, sagt Glunz. Ein Freibad etwa oder ein Bad speziell für die Schulen und Vereine. „Wir werden nun aber die Bürgerinfo abwarten“, so der Fraktionssprecher.

 

Optionen müssen noch einmal auf den Tisch

Auch Günter Tschida, Fraktionssprecher der Freien Wähler, sieht weiteren Gesprächsbedarf. „Die 8,9 Millionen Euro waren für uns die äußerste Grenze“, sagt er. Diese werde schon bei dem günstigsten Bad überschritten. „In dem Kostenrahmen ist ein Nachfolgebad nicht finanzierbar.“ Das Solemar sei das Herzstück des Bad Dürrheimer Tourismus, da könne nicht eingespart werden. „Es ist fast nicht machbar, zwei Bäder zu stemmen“, sagt Tschida. Auch ein Schulhallenbad wäre mit Kosten um sieben Millionen Euro verbunden, überschlägt er. Günstiger sei ein Freibad. Doch all diese Optionen müssen noch einmal auf den Tisch. „Angesichts der neuen Lage muss man sachlich und zielorientiert darüber reden“, mahnt Wolfgang Kaiser, LBU-Fraktionssprecher. Die LBU werde sich zeitnah mit dem Thema auseinandersetzen.

Einer der größten Kritiker eines neuen Freizeitbades ist Günter Tarlatt, der ebenfalls im Baugewerbe tätig ist. Mehrfach hatte er sich an die Stadtverwaltung gewandt, seine Bedenken und Gegenvorschläge geäußert, Alternativen skizziert. „Es wird nun Aufgabe der Gremien sein, eine der vier Varianten auszuwählen oder nach anderen Möglichkeiten zu suchen“, sagt er. „In diesem Zusammenhang wird wohl auch das mehrfach vorgeschlagene interkommunale Nachfolgeprojekt mit anderem Standort innerhalb des Landkreises zur Diskussion gestellt werden müssen“, betont er. Tarlatt hatte mehrmals vorgeschlagen, dass sich die Stadt bei einem Schwimmbad mit anderen Gemeinden zusammentun. Für ihn ist klar: „Das Bad Dürrheimer Flaggschiff Solemar muss auf jeden Fall die Mittel erhalten, um für die nächsten zehn bis 20 Jahre nicht nur Reparaturen durchführen, sondern sich auch innovativ entsprechend der Marktlage weiter entwickeln zu können.“

 

Bürgermeister Klumpp spricht sich für das Solemar aus

Auch Bürgermeister Walter Klumpp betont in der Einladung zum Minara-Bürgerinformationsabend die Wichtigkeit des Wellness- und Gesundheitszentrums: „Das Solemar bildet neben der Fachkompetenz der Kliniken nach wie vor die wichtigste Grundlage für das Tourismus- und Gesundheitswesen der Stadt und ist die Haupteinnahmequelle der Kur- und Bäder GmbH.“ 500 000 Euro bis 700 000 Euro hatten bislang für die jährlichen Sanierungsarbeiten des Solemar ausgereicht. Finanziert wurde dies bisher von der Kur- und Bäder GmbH. In diesem Jahr aber musste bereits eine Million Euro eingeplant werden. Daher wurde der Reparatur- und Sanierungszeitraum auf zehn Jahre verlängert – bis 2027 sei nun mit Sanierungskosten zwischen 1,4 Millionen Euro und 1,6 Millionen Euro zu rechnen.

Attraktivitätssteigerungen, die mittelfristig notwendig seien, um konkurrenzfähig bleiben zu können, sind in diesen Kosten allerdings noch nicht enthalten. „Es zeichnet sich jetzt schon ab, dass diese Größenordnung an jährlichen Unterhaltungsaufwendungen alleine von der Kur- und Bäder GmbH nicht finanziert werden können. Der Gesellschafter, also die Stadt, wird der Kur- und Bäder GmbH dafür zusätzliche Mittel zuleiten müssen.“ Würde die Stadt zudem ein nur einfaches Hallenbad bauen, entstünde für sie ein Mehrbetrag von rund einer bis 1,2 Millionen Euro. Darüber hinaus wüchsen die Kosten etwa für die Kinderbetreuung und die Schulen überdurchschnittlich. So sei mit einer „deutlichen Deckungslücke zu rechnen“, die nur schwer durch Einsparungen ausgeglichen werden könne, so Klumpp.

Und allein der Neubau des Kindergartens in der Kernstadt, die Hallenerweiterung mit Bau einer Mensa in der Ostbaarschule in Oberbaldingen und die Stadtsanierung mit der Neugestaltung der Bahnhofstraße, der Brückensanierung und des anschließenden Bereichs in der Karlstraße seien bei sehr guten Steuereinnahmen derzeit mit einer Kreditaufnahme von rund elf Millionen Euro bis zum Jahr 2020 verbunden.

Bürgerinformation

Wie geht es weiter mit den Plänen um ein Hallen- und Freibad in Bad Dürrheim? Bürgermeister Walter Klumpp lädt die Bürger am Freitag, 13. Oktober, um 19 Uhr, zum Bürgerinformationsabend ins Haus des Bürgers, Salinenstraße 14, in den Siedersaal. Thematisiert werden dabei die Optionen und Kostenschätzungen für ein Schwimmbad in der Stadt.

Was ist Ihre Meinung?

Wie wichtig ist ein Hallen- und Freibad in Bad Dürrheim? Ist es zu jedem Preis notwendig? Reicht auch eine weniger aufwendig ausgestattete Alternative? Oder genügt das Wellness- und Gesundheitszentrum Solemar, sodass ein Schwimmbad gar nicht notwendig ist? Stimmen Sie ab!

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