Die Grund- und Werkrealschule in Bad Dürrheim kann auf eine äußerst beständige Schulleitung bauen. Heinz Kriebel ist seit 29 Jahren Leiter der Schule und wird noch zwei bis drei Jahre im Amt bleiben, bevor er pensioniert wird. Der SÜDKURIER wirft mit Rektor Kriebel einen Blick auf die letzten drei Jahrzehnte und die Unterschiede zur früheren Schulzeit:

Wenn Heinz Kriebel auf diese lange Zeit zurückblickt, hätte er sich ein bisschen mehr Beständigkeit in der Bildungspolitik gewünscht. „Mit jeder neuen Regierung gab es andere Weichenstellungen, was es für uns als Pädagogen nicht leichter machte.“ Rechtschreibreformen – aktuell liegt die nächste auf dem Tisch der GWRS – waren stete Begleiter, Diskussionen über Gesamtschulen, die Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung und noch vieles mehr, ließen die Arbeit der Lehrer sicherlich nicht einfacher werden.

Dabei haben die Lehrer gerade in den letzten Jahren mit einem Phänomen zu kämpfen, das ihre ganze Aufmerksamkeit verlangt: „Wir beobachten eine massive Beeinflussung der Kinder durch die sozialen Medien. Cybermobbing gab es früher einfach nicht, wird mittlerweile aber zu einem ernstzunehmenden Problem, das in die Schule hineinragt“, führt Kriebel aus. Ein neuer Aufbaukurs IT in Klasse sieben soll dieses Thema im kommenden Schuljahr aufgreifen und die Schüler sensibilisieren, welche Auswirkung Cybermobbing auf jeden einzelnen wie auch auf den Klassenverbund haben kann.

Und noch ein Thema beobachtet der Schulleiter mit Sorge: Die mangelnde Beständigkeit gesellschaftlicher Werte. „Christliche Werte spielen immer weniger eine Rolle in der heutigen Erziehung und Gesellschaft. Das liegt sicherlich mit daran, dass immer mehr Menschen aus der Kirche austreten, was natürlich ihr gutes Recht ist. Aber das Problem ist, dass diese christlichen Werte nicht durch andere Werte ersetzt werden“, so Kriebel. „Früher wurde Kindern beigebracht, dass man bestimmte Dinge einfach nicht macht.

Heute machen viele einfach das, wozu sie Lust haben, spucken auf den Boden oder ignorieren Autoritäten. Diese Entwicklung sehe ich als schwierig an.“ Eine Reaktion des Kultusministeriums darauf ist auch die Einführung des Ethik-Unterrichts schon in der siebten Klasse. Früher gab es den erst ab der Achten. „Das wird jedoch das Problem in der gesellschaftlichen Werteentwicklung sicherlich nicht auffangen können“, ist sich Heinz Kriebel sicher.