Die Stadt braucht eine eigene Stadtbuslinie, wenn sie die allseits geltend gemachten Ansprüche erfüllen will. Das trat kürzlich bei einem Vortragsabend des CDU-Stadtverbandes Bad Dürrheim mit dem Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Schwarzwald-Baar (VSB), Mickaél Pandion zutage.

Der Experte sprach sich für einen autonom gelenkten Stadtbus oder einen Bus mit Wasserstoffantrieb aus. Die Stadt könne Anträge auf Fördermittel stellen und wäre als „Modellgemeinde„ wieder einmal Vorreiter. Nichtsdestotrotz stehen – egal für welche Lösung sich Stadt und Gemeinderat später vielleicht entscheiden werden – hohe Investitions- und Personalkosten an.

  • Die Ausgangslage: Bad Dürrheim ist über die bereits bestehenden Buslinien mit den Nachbarorten verbunden, jedoch werden große Gebiete der Stadt innerörtlich nicht angefahren. Dazu gehört das Kurgebiet mit den Kliniken. Alle Buslinien enden am Busbahnhof. Wer beispielsweise als Arbeitnehmer zur Luisenklinik will, muss ein Taxi nehmen oder hat einen rund 20-minütigen Fußmarsch vor sich. Das gleiche gilt umgekehrt, für Patienten und Anwohner des Kurgebietes, die in die Stadt oder ins Gewerbegebiet wollen. Wie Luisenklinik-Geschäftsführer Sven Wahl bei früherer Gelegenheit berichtete, erschwere diese Situation maßgeblich die Suche nach Personal, weil für dieses die fehlende Verkehrsverbindung ein großes Ausschlusskriterium sei.
  • Schwierigkeiten und Zwickmühle: Die bestehenden Buslinien innerörtlich umzuleiten würde einen zu großen Zeitverlust für Fahrgäste von außerhalb bedeuten, die wiederum Anschlussbusse erreichen müssten, so der VSB-Geschäftsführer. Ergänzend fügte Pandion hinzu, dass ein zwölf Meter langer Bus, wie er normalerweise eingesetzt wird, außerdem keine Wendemöglichkeit im Kurgebiet habe. Klar ist auch, dass für eine Stadtbuslinie wie sie benötigt wird, die Stadt erhebliche finanzielle Mittel in die Hand nehmen muss. So kostet ein Bus von vornherein in der Anschaffung zwischen 200 000 und 275 000 Euro, hinzu kommen Betriebs-, Unterhaltungs- und Personalkosten. Der Anschaffungspreis für einen wasserstoffbetriebenen Bus liegen etwa doppelt so hoch. Bei einem vollständig autonom fahrenden Bus gebe es noch viele offene Fragen, so der Verkehrsexperte weiter. Zum Beispiel, wie dieser in unvorhergesehenen Situationen angehalten werden könne.
  • Lösungen: Bei der Anschaffung könne man natürlich überlegen, ob ein Fahrzeug mit Dieselmotor, Elektromotor, oder Wasserstoffantrieb, führte der Experte aus. Mickaél Pandion verfügt übrigens über Erfahrungen bei Bussen mit Elektro- und Wasserstoffantrieb, die er eingangs darstellte. Er empfahl gar ein für hiesige Verhältnisse revolutionäres Vorgehen und favorisierte neben der Möglichkeit eines autonom fahrenden, kleinen Elektrobusses die Anschaffung eines Modellbusses mit Wasserstoffantrieb. Er erläuterte zuvor, dass 60 bis 70 Wasserstoffbusse in Deutschland im Testbetrieb eingesetzt werden. Das erfordere jedoch ein „Top-Engagement“. Allerdings würden dafür würden auch höhere Fördergelder winken, als bei einem Bus mit Elektromotor. Die Stadt könne sich als Modellgemeinde bewerben, spann Pandion den Faden weiter. Die Finanzierung sehe er als nicht so schwierig an, denn an solch einem Projekt wären alle interessiert. Er verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass zum Beispiel die Firma Continental in Villingen sich bereits mit autonom fahrenden Lastwagen beschäftige.

Nach diesen interessanten Ausführungen bleibt es nun spannend, wie es mit diesem Thema im Rahmen der Stadtentwicklung weitergehen wird.