Das Kinderheim der Off-Road-Kids-Stiftung, es hat sich etabliert in der Kur- und Bäderstadt. Und das so gut, dass die Verantwortlichen für die kommenden Jahre große Pläne gemacht haben. Das Areal im Schabelweg soll in Richtung Salinenstraße deutlich erweitert werden, um künftig bis zu 30 Kinder und Jugendliche zu betreuen. Und das nicht etwa aus Platzmangel, sondern zu Forschungszwecken, wie der Vorstandssprecher der Off-Road-Kids-Stiftung, Markus Seidel, dem SÜDKURIER erklärt. Das Bildungsmodell soll auf andere Kinderheime übertragbar werden.

Bildungsstandard erhalten

Derzeit sind alle zwölf Plätze mit Jugendlichen zwischen elf und 21 Jahren belegt. Die kleine Betreuungsgröße macht es möglich, dass Kinder zu mittleren oder hohen Bildungsabschlüssen geleitet werden. Laut Seidel ist ein Realschulabschluss im Heim zum Standard geworden, die Hälfte der Jugendlichen erreiche das Abitur. Und das gehe nur mit qualifizierten Betreuern, die selbst einen hohen Bildungsabschluss haben, sprich studierten Sozialarbeitern oder Sozialpädagogen.

In Bad Dürrheim hat die Off-Road-Kids-Stiftung zwei Dependancen, das Stammhaus im Schabelweg und ein weiteres Gebäude in der Eisenbahnstraße. Elf Mitarbeiter arbeiten für die Stiftung in der Kurstadt, darunter ist nur einer gelernter Erzieher. Ein höherer Bildungsstandard bei den Betreuern führe gleichzeitig zu einem Bildungssprung bei den Jugendlichen, ist er überzeugt.

Um das "Bad Dürrheimer Modell", wie es Seidel nennt, auch für andere Kinderheime übertragbar zu machen, soll in Bad Dürrheim erprobt werden, ob man den hohen Bildungsstandard und Wirtschaftlichkeit unter einen Hut bringen kann. Denn viele andere Kinderheime in Deutschland finanzieren sich rein über Pflegesätze der Jugendämter und können nicht wie das hiesige auf Stiftungsgelder zurückgreifen. Monatlich liegt der Betreuungssatz für ein Kind im Heim im Schnitt bei 3500 bis 4000 Euro, sagt Seidel. Derzeit nimmt Seidel eine Größe zwischen 20 und 30 Kindern und Jugendlichen an, ab der sich das Modell für andere Kinderheime in Deutschland über Pflegesätze wirtschaftlich trägt. In dem Neubau soll die Zahl der betreuten Jugendlichen Schritt für Schritt erhöht werden, um genau ermitteln zu können, ab wann das Modell finanzierbar ist. Dieser Prozess soll laut Seidel fünf bis zehn Jahre dauern.

Kosten soll das Vorhaben rund 7,5 Millionen Euro, man sei schon in Gesprächen mit Sponsoren. Mehr verraten will Seidel nicht. Auch mit dem Stadtbauamt haben schon Gespräche stattgefunden. Der Gemeinderat könnte im Herbst mit der Sache betraut werden. Alleine für den Neubau plant die Stiftung derzeit mit vier Millionen Euro. Die Architektenpläne sind bereits erstellt worden. Nahezu die komplette Fläche von etwa 2000 Quadratmetern hinter der Dependance im Schabelweg gehört bereits der Stiftung.

Innenhof vorgesehen

Der Neubau soll rund eineinhalb mal so groß werden wie das schon bestehende Gebäude mit rund 1600 Quadratmetern. Dazwischen ist ein Innenhof vorgesehen. "Wir wissen um die prominente Stelle in der Stadt, wollen den Bau aber diskret halten", sagt Seidel. Das Gelände soll von der Salinenstraße aus gesehen nicht größer ins Auge fallen als jetzt. Bäume schirmen das Areal vom Parkplatz an der Salinensporthalle schon jetzt ab.

Im Neubau soll auch die Systemische Therapiepraxis, für die die Kinderheim-Leiterin Simone Neiniger verantwortlich ist, ihren Platz finden. In der Region steige der Bedarf an Beratungs- und Therapieangeboten für Eltern.