Die Büffelweide im Feuchtgebiet neben der Kurgärtnerei ist mittlerweile das zweitgrößte Kiebitzvorkommen auf der Baar. Noch um die Dekadenwende war der Bodenbrüter mit seinem schrillen Kopfschmuck durch Brutpaarverluste von bis zu 90 Prozent ein äußerst seltener Gast in der Region. Zu verdanken sind die jüngsten Bruterfolge dem Einsatz von karpatischen Wasserbüffeln auf dem ehemals mit einer Schilfmonokultur überzogenen Areal, welche durch die Büffel verwertet und in Lebensraum für Vögel umgewandelt wurde. Bundesweit sind derlei bewirtschaftete Biotope nunmehr in der Eifel oder bei Frankfurt am Main vorzufinden. „Hier in Baden-Württemberg war es meines Wissens nach das Bad Dürrheimer Projekt eines der ersten, in Ravensburg lief noch eines parallel. Die Freiburger waren auch schon da und haben sich die Erfolge vorführen lassen. Man kann sagen, das Projekt hat Kinder bekommen“, sagt Otto Körner, Ingenieur für Raum- und Umweltplanung vom Planungsbüro Arcus, das im Auftrag des Regierungspräsidiums Freiburg das Projekt vor Ort betreut. Maßnahmen zur Erweiterung des Projekts sind angesetzt, Raupe und Bagger sind auf dem Gelände bereits vorgefahren.

Die Erbaumaßnahmen sollen Lagune und Flachwasserzone um das dreifache erhöhen. Optimalere Bedingungen für die Brut des Kiebitz. <em>Bild: Otto Körner</em>
Die Erbaumaßnahmen sollen Lagune und Flachwasserzone um das dreifache erhöhen. Optimalere Bedingungen für die Brut des Kiebitz. Bild: Otto Körner

Brutpaare versechsfacht

Die Erfolgsgeschichte in Zahlen ausgedrückt ist einhellig. 2015 existierte ein Brutpaar neben dem verwucherten Schilfbewuchs, durch den Einsatz der Tiere waren es 2016 drei Brutpaare und 2018 sind es bereits sechs. „Darüber hinaus liegt die Fortpflanzung alljährlich über der Zahl an Jungkiebitzen, die zur Bestandserhaltung notwendig wären“, freut sich Körner.

Seit dem Frühjahr 2016 werden etwa ein Dutzend Büffel des Marbacher Landwirts Werner Kornhaas saisonal, jeweils von Mai bis Oktober, in dem Biotop eingesetzt. Im Gegensatz zu heimischen Arten macht der Verdauungstrakt der karpatischen Büffels das biologische Verwerten von Schilf, hier innerhalb eines sieben Hektar großen und umzäunten Bereichs, möglich. Lediglich der Altschilfbestand außerhalb des umzäunten Bereichs am Waldrand steht noch in seiner ursprünglichen Dichte, im Innenbereich sind die Büffel mit dem Abweiden des durch die unberührte Wurzel permanent nachwachsenden Schilfs beschäftigt. Zur Brutzeit der Kiebitze von April bis Mitte Juni umzäunt innerhalb des Biotops ein zusätzlicher Schafzaun ein zwei Hektar großes Areal, der durch sein feinmaschiges Netz einerseits Füchse, aber auch den Büffel vom bodenbrütenden Kiebitz fernhält. „Wir wollen nächstes Jahr ein gewagtes Experiment eingehen und eben diesen Schafzaun weglassen. Der Kiebitz hat mit seinen Lauten und Verhalten durchaus Verteidigungsmechanismen“, sagt Körner. Durch den neu geschaffenen Lebensraum stelle der Kiebitz eine „Schirmart“ für einen Tross weiterer, gefährdeter Vogelarten wie Bekassine, Rotschenkel oder den Zwergtaucher dar, die allesamt in den vergangenen Jahren in der Nähe der Büffelweide und des an sie grenzenden Krickentenweihers dokumentiert wurden.

Aktuelle Arbeiten sehen auch das Abtragen von Schilf beim Krickentenweiher vor. Auf der entstehenden Streuwiese sollen hochgradig vom Aussterben betroffene Pflanzen wie Sibirische Schwertlilie und Mehlprimel ihre Wurzeln schlagen. <em>Bild: Otto Körner</em>
Aktuelle Arbeiten sehen auch das Abtragen von Schilf beim Krickentenweiher vor. Auf der entstehenden Streuwiese sollen hochgradig vom Aussterben betroffene Pflanzen wie Sibirische Schwertlilie und Mehlprimel ihre Wurzeln schlagen. Bild: Otto Körner

Die erfolgreiche Naturschutzmaßnahme ist auch für Landwirt Kornhaas eine gedeihliche Zusammenarbeit. Jährlich zieren neue Kälbchen die Herde auf der Weide. Die durch den Schilf gut gemästeten Tiere finden zur Zucht und Schlachtung guten Absatz. Auch die anfallende Biomasse zur Humusbildung für seine 50 Hektar große Weide und 50 Hektar großeAckerfläche, wo er diverse Getreidearten anbaut, ist willkommen.

In Abstimmung mit der Unteren Natuschutzbehörde und den Eigentümern führen die Erkenntnisse aus dem Projekt zu bereits angelaufenen Erdbaumaßnahmen, die den Kiebitzbestand weiter erhöhen sollen. Zusätzliche, flache Mulden werden mit der Planierraupe hergestellt, die wassergefüllt die Voraussetzung zur Kiebitzbrut sind. Weitere Brutinseln zum Schutz gegen Bodenfeinde werden angelegt, die Ufer an mehreren Teichen abgeflacht und Gräben mit Drainagewirkung verschlossen. Die erhöhte Bodenfeuchte soll die Lagune und Flachwasserzone um das Dreifache erhöhen. Am Krickentenweiher wird eine 0,5 Hektar große Schilffläche zur Entwicklung einer Streuwiese für seltene Pflanzen gemäht. „Für mich ein großes Anliegen. Hochgradig vom Aussterben bedrohte Pflanzen wie die Sibirischer Schwertlilie und Mehlprimel sollen hier wachsen.“