Der Kindergarten Stadtkäfer in Bad Dürrheim wird als Neubau höchsten Standards gerecht. Das konnten besonders diejenigen, die bei der Eröffnung im April einen Blick hinter die Kulissen warfen, direkt sehen. Nun ist der Kindergarten zwar noch kein ganzes Jahr in Betrieb, doch starke Kälte im Winter und unheimliche Hitze im Sommer liegen bereits hinter der Einrichtung, was den SÜDKURIER dazu veranlasste nachzufragen, ob sich die neue Technik bewährt hat, da dieses System bisher einmalig ist.

Melanie Grimm, Leiterin des Kindergartens, zieht ein sehr positives erstes Resümee: „Die Technik läuft vom ersten Tag an sehr gut und wir sind total begeistert von dem angenehmen Raumklima, das sowohl bei kalten wie auch heißen Temperaturen vorherrscht.“

Melanie Grimm vor dem Eisspeicher im Technikraum. Diesen betritt sie in der Regel nur dann, wenn sie einmal im Monat die Zählerstände abliest.
Melanie Grimm vor dem Eisspeicher im Technikraum. Diesen betritt sie in der Regel nur dann, wenn sie einmal im Monat die Zählerstände abliest.

Ausgeklügelte Technik

Diese Heiz-Technik ist in einer Kombination mit Solaranlagen auf dem Dach, Eisspeicher im Heizungskeller und vielen kleinen Details mehr, bislang einmalig verbaut. Verantwortlich hierfür ist Stefan Jakobs vom Institut für Sozial- und Umweltforschung, der im Rahmen der Führungen bei der Eröffnung des Kindergartens von der Einmaligkeit der Heizzentrale schwärmte. „So eine Technik gibt es bisher kein zweites Mal. Die Strahlungswärme, die von den Decken ausgeht, ermöglicht einen sehr angenehmen und energiesparenden Einsatz der Ressourcen, die hauptsächlich über die Solaranlage auf dem Dach, Wärmerückgewinnung und Speicherung bereitgestellt wird.“

Ein Ansatz, der sich bislang tatsächlich bestätigt. Eltern, die bei der Bruthitze im Juli ihre Kinder aus der Einrichtung abholten, seien von den angenehmen Temperaturen in den Räumlichkeiten begeistert gewesen. „Manche scherzten, sie würden nur zu gerne ihr Büro in unsere Räumlichkeiten verlegen“, erzählt Melanie Grimm. Und die Erzieherinnen, die vor Ort tagtäglich das Lüftungssystem erleben, sind ebenfalls begeistert. „Man merkt keinen Luftzug und doch sind die Temperaturen sehr erträglich“, weiß Erzieherin Lena Fischer, die früh morgens mit den Kindern nach draußen in den neuen Spielbereich geht und sich dann gerne zur Mittagszeit in die angenehme Wärme der Gruppenräume zurückzieht.

Die Kinder fühlen sich auch bei heißen Außentemperaturen im Haus pudelwohl. Die Lüftungstechnik steckt in der Decke und trotzdem ist keinerlei Zuggefühl spürbar.
Die Kinder fühlen sich auch bei heißen Außentemperaturen im Haus pudelwohl. Die Lüftungstechnik steckt in der Decke und trotzdem ist keinerlei Zuggefühl spürbar.

Die Technik im Hintergrund ist so ausgefeilt, dass nicht nur verschiedene Heiz- oder Kühlprozesse für die unterschiedlichen Räume vorprogrammiert wurden, sie passen sich auch an die Anzahl an Kinder oder die jeweiligen Aktivitäten an. „Als wir zu Weihnachten Plätzchen gebacken haben, war es schon erstaunlich, wie schnell der Plätzchenduft aus den Räumlichkeiten wieder weg war“, berichtet Melanie Grimm. „Es geht unheimlich schnell, dass Gerüche – positive wie negative – durch die Lüftungsanlage ausgetauscht werden.“

Einen kleinen Ausfall von zwei Tagen gab es tatsächlich auch schon einmal. Doch durch die gute Isolation des Gebäudes habe man das auch erst recht spät gemerkt. Und die Fernwartung durch das Institut für Sozial- und Umweltforschung kam direkt zur Behebung des Problems, ohne dass vor Ort ein Techniker benötigt wurde.

Auch die Raumaufteilung des Neubaus hat sich als gut und richtig bestätigt. „Wir können gerade im Kleinkindbereich gruppenübergreifend arbeiten und sind durch die Schlafräume sehr eng miteinander verbunden“, erklärt Melanie Grimm. Außerdem könne so auch Personalengpässen kurzfristig und ohne zusätzlichen, großen organisatorischen Aufwand begegnet werden. Auch die Sitznischen im Obergeschoss, die das Gebäude von außen so markant erscheinen lassen, kämen bestens an. „Dieses Raumgefühl, das hierdurch entsteht, ist schon etwas Tolles“, schwärmt die Kindergartenleiterin.

Alles in allem ist nicht nur Melanie Grimm total glücklich mit ihrer Einrichtung. Toll findet sie auch, dass das einzige, das von außen bezogen wird, das Wasser ist. „Alles andere erzeugt das Gebäude selbst. Das ist in Zeiten der Friday-for-Future-Bewegung und des Klimanotstandes, in dem wir uns befinden, ein gutes Gefühl.“

Die Solaranlage auf dem Dach der Kindertagesstätte hat schon viel Strom erzeugt. Bilder: Wolf-Wilhelm Adam
Die Solaranlage auf dem Dach der Kindertagesstätte hat schon viel Strom erzeugt. Bilder: Wolf-Wilhelm Adam