Mit Spannung erwarteten die Bürger der Gesamtstadt die offizielle Vorstellungsrunde der Bürgermeister-Kandidaten durch die Stadt am vergangenen Donnerstag.

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Kandidatenabgang

Zunächst war für jedem der Kandidaten in der Reihenfolge des Bewerbungseingangs eine 15-minütige Redezeit zugestanden, um sich vorzustellen. Bis der jetzt ehemalige Bürgermeister-Kandidat Joachim Lange – als zweiter Redner – ans Rednerpult trat, verlief der Abend auch sehr vielversprechend. Doch dann erklärte dieser brüsk, er ziehe seine Kandidatur zurück. Die Begründung: Er habe vorgehabt, Bad Dürrheim in eine gute Zukunft zu führen, doch nachdem er Zeit hatte sich ein Bild zu machen und Mimik und Gestik des Publikums gesehen habe, halte er dies nicht mehr für möglich. Zitat: "Mit ihnen zu schaffen, würde jede Idee im Keim ersticken!" Das Publikum seinerseits quittierte diesen brüsken Abgang mit lauten Pfiffen.

Die Vorstellungsrunde

Rhetorisch routiniert und strukturiert war Jonathan Berggötz der erste am Rednerpult. Der 32-Jährige legte ein klares Konzept und ging auf fünf Punkte ein: Eine Koordinationsstelle, die Vereine von Verwaltungsarbeit entlasten soll. Bezüglich Minara könne nach dem Sammeln von Erfahrungen mit dem neuen Bad der Bedarf für ergänzendes Freibad und Finanzierungsmöglichkeiten geklärt werden; ein "Gesundheitsdialog" mit Experten aus Gesundheitsberufen soll dem Ärztemangel entgegenwirken, die Gewinnung von Investoren und Stärkung vorhandener Angebote das touristische Angebot verstärken.

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Bezahlbarer Wohnraum kann gelingen durch aktiveres Flächenmanagement, Ausweisung von Wohnbaugebieten und das Schließen von Baulücken. Mittelfristig schwebe ihm ein Bildungszentrum vor, für die Bürger zur besseren Vernetzung ein Bürgerverein und denkbar wäre eine Schülerfirma, die Angebote für Ältere organisiert. Gemeinsame Feste und spezielle Busangebote sollen die Ortsteile stärker anbinden, ein Neubürger-Empfang Vereine und Stadt präsentieren.

Die Stadt brauche aus seiner Sicht ein zukunftsfähiges, ganzheitliches Konzept, machte Jens Wehner energisch klar und sprach vom Umgang auf Augenhöhe. "Viele Zahnräder greifen hier ineinander." Er wolle sich der Weiterentwicklung von Gewerbe, Wirtschaft und Tourismus als Kernkompetenzen widmen, so der Bundeswehroffizier wieder energisch. Dieses beinhalte natürlich auch die Weiterentwicklung als Wohn- und Bildungsstandort sowie Gewerbestandort. Auch thematisierte er wieder mittel- bis langfristige Steuersenkungen. Als Schwäche sehe er die fehlende Verbindung von Solemar über Innenstadt bis zum Gewerbegebiet. Das Flächenmanagement müsse überarbeitet werden. Großes Potenzial hätten die Ortsteile, die es gilt, enger mit der Kernstadt zu vernetzen. "Da müssen wir ran", erklärte Wehner in Bezug auf die Entlastung der Vereine durch die Verwaltung. Angesichts von 70 Millionen Euro in der Pipeline für künftige Investitionen müsse alles Zukunftskonzept zügig auf den Weg gebracht werden.

Bürgernah, sympathisch und bodenständig gibt sich der Schwabe Wolfgang Rahm. Er wolle endlich mal "zufriedene Kunden" haben begründet er seine Kandidatur. Er sei beeindruckt vom bürgerschaftlichen Engagement, das er unbedingt mit einer entsprechenden Stelle bei der Verwaltung stützen wolle. Ein städtebauliches Konzept müsse her, in dessen Entwicklung er die bereits vor Ort vorhandenen Experten einbinden wolle. Diesen Masterplan sei Chefsache, doch in die Tiefe gehen könne er erst, wenn er sich ausreichend informiert habe. Als Schwabe wolle er die Finanzen ordentlich im Blick haben. "Bei allem steht aber der Mensch im Vordergrund, wichtig ist ein Umgang auf Augenhöhe", betonte er im Hinblick auf den Umgang mit Bürgern und Mitarbeitern.

Fragerunde

Jeweils drei Fragen konnten an die Kandidaten gerichtet werden, danach wurden drei Fragen gezogen, die alle Kandidaten beantworten mussten. Auf die Frage, wie er künftig mit den Verlusten des Kurhauses umgehen wolle, antwortete Jens Wehner, dass man über die Erhöhung der Umsatzvolumina und Verbesserung der Zielstrukturen der Kur- und Bäder GmbH durch harte Arbeit versuchen könnte, künftig ein Minus zu verhindern. Was den Ärztemangel angeht, wollen sowohl Berggötz als auch Wehner mit verschiedenen attraktiven Angeboten Mediziner anlocken. Das Angebot von Stipendien könnte eine Lösung sein. Wolfgang Rahm brachte günstige Mietpreise ins Spiel und Dienstwagen für Ärzte. Wehner sieht Bad Dürrheim als Heimat und die Zukunft für Ärzte eher in Ärztehäusern und Gemeinschaftspraxen. Möglichkeiten der Innenstadtentwickung sehe er wie gesagt in dem von ihm beabsichtigten Masterplan, so Wolfgang Rahm. Jonathan Berggötz gelobte lachend, als Bürgermeister nie bei der katholischen Frauenfasnet zu fehlen und erklärte auf eine andere Frage, dass er sich definitiv für das Amt des Bürgermeisters gewappnet sehe. Es komme auf den Menschen an, nicht auf das Alter.

SÜDKURIER Podiumsdiskussion

Am Dienstag, 26. März, lädt der SÜDKURIER zur großen Podiumsdiskussion mit den Bürgermeister-Kandidaten ein.

Wie stehen die Bewerber ums Amt zu den wichtigen Themen in der Kurstadt? Wie möchten die Kandidaten diese Themen lösen, und welche neuen Ideen bringen sie auf den Tisch?

Diese und andere Fragen stehen auf dem Programm dieser Abendveranstaltung, die von der SÜDKURIER-Redaktion Villingen-Schwenningen moderiert wird.

Da alle Kandidaten vom Gemeindewahlausschuss zugelassen wurden und die Stimmzettel bereits verschickt sind, stehen trotz des Rücktritts von Joachim Lange weiter vier Bewerber zum Wahlsonntag auf dem Stimmzettel. Neue Stimmzettel werden nicht gedruckt, da zwei verschiedene Stimmzettel gesetzlich nicht erlaubt sind.

Beworben haben sich Jonathan Berggötz, Jens Wehner und Wolfgang Rahm. Joachim Lange kann nicht mehr gewählt werden, da er seine Kandidatur zurückgezogen hat. Jeder Wahlberechtigte hat eine Stimme. Erreicht keiner der Kandidaten am 31. März den für einen Wahlsieg erforderlichen Stimmenanteil von mindestens 50 Prozent, so kommt es 14 Tage später, am Sonntag, 14. April, zur Stichwahl. Für eine Entscheidung genügt in diesem Fall die einfache Mehrheit. Gewonnen hat der Bewerber mit den meisten Stimmen.

Die Podiumsdiskussion findet im Haus des Bürgers statt. Beginn ist um 19 Uhr, Saalöffnung um 18 Uhr. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist frei.