Kann ein Schrank Geschichten erzählen? Dieser eine besondere Schrank mit Sicherheit. Er steht im Foyer im Haus des Bürgers. Viele Tausend Menschen sind sicherlich schon an der Vitrine im Foyer im Haus des Bürgers vorbeigegangen, sind stehengeblieben und haben ihren Inhalt studiert. Sie ist voll mit Autogrammkarten unterschiedlichster Künstler und Persönlichkeiten aus Comedy, Musik und Sport. Schätze sind darunter, Namen von Künstlern, die schon lange nicht mehr leben. Der SÜDKURIER ist der Geschichte dieser Vitrine auf den Grund gegangen.

Dabei landet man recht schnell bei Gerd Feiß. Er ist Faktotum und Haustechniker des Haus des Bürgers in einem und damit stets erster Ansprechpartner, wenn Künstler wie Beatrice Egli, Paul Kuhn, Gotthilf Fischer oder Roland Kaiser zu Besuch in Bad Dürrheim sind. "Als Hausmeister und Haustechniker musst du bei den Konzerten und Auftritten stets greifbar sein. Denn fühlen sich die Künstler wohl und aufgehoben, dann spiegelt sich das auch auf der Bühne wieder, auf der sie später stehen", weiß Feiß aus Erfahrung berichten.

Fast drei Jahrzehnte

Seit fast 27 Jahren ist der gebürtige Villinger und gelernte Stahlformenbauer in Bad Dürrheim für das Haus des Bürgers zuständig. Mit 38 Jahren kam er in die Kurstadt und übernahm den Job, der ihn mit den unterschiedlichsten Menschen konfrontierte und immer noch konfrontiert. "Egal, ob du einen berühmten Fußballer, eine bekannte Schlagersängerin oder einen beliebten Kabarettisten vor dir hast: das sind alles Menschen. Und man muss mit den Menschen umgehen können, so wie sie sind", betont Feiß. "Es gibt welche, die laden dich gleich ein, dich zu ihnen zu setzen und was mit ihnen zu essen. Genauso gibt es aber auch welche, die an dir vorbeilaufen, als wärst du Luft."

Von Beginn an hat Gerd Feiß die Autogrammkarten der Künstler gesammelt, die ihm bei seiner Arbeit in Bad Dürrheim begegneten. Darunter finden sich Musikgrößen längst vergangener Tage aber auch aktuelle Größen: Die "Flippers" sind aus den 70er und 80er Jahren bekannt, die "Feldberger" und die "Prinzen" wurden Ende der 80er Jahre gegründet, sind aber bis heute im Musikgeschäft vertreten und Beatrice Egli ist als Schlagerstar aktuell in den Charts weit oben anzufinden.

Mittlerweile haben sich rund 300 Autogrammkarten angesammelt, die er in eben jener Vitrine ausstellt. Und es kommen immer neue dazu. Manche Künstler frage er konkret nach einer gewidmeten Autogrammkarte, andere sehen die Vitrine und würden ungefragt eine ihrer Karten schenken. Es ist schließlich ein Hingucker, bei dem neben den Autogrammkarten auch Bilder von Feiß mit verschiedenen Berühmtheiten zu sehen sind. Beispielsweise mit dem ehemaligen deutschen Fußballprofi Günter Netzer oder Sportreporter Gerhard Delling.

Auf die Frage, welche Gegebenheit ihm mit einem dieser Stars am besten in Erinnerung geblieben ist, muss Gerd Feiß schmunzeln. Ingrid Steeger, in den 70er Jahren eine der beliebtesten deutschen Fernsehstars, war eine der ersten, die Gerd Feiß in Bad Dürrheim erlebte. "In den Pausen, wenn Steeger das Kostüm wechselte, schickte sie die anwesenden Feuerwehrleute raus. Ich durfte dableiben. Und sie hatte wirklich nicht mehr viel an", schwelgt der Haustechniker in Erinnerungen.

Gespannt ist Feiß auf die Künstler, die unter anderem in diesem Jahr bei der Sommersinnfonie zu Gast sein werden. Nico Santos und Jürgen Drews werden seine Sammlung sicherlich erweitern. Und dann dauert es nicht mehr lange, bis er in den Ruhestand gehen wird. "Ende nächsten Jahres habe ich 50 Jahre lang gearbeitet und dann ist es gut." Die Autogrammkarten sind zwar mittlerweile fester Bestandteil des Hauses, aber die eine oder andere wird er vielleicht doch mitnehmen.