Bürgermeisterkandidat Jonathan Berggötz besucht im Wahlkampf um das Rathaus gerade die Teilorte Bad Dürrheims und fragt bei Bürgergesprächen, „wo denn der Schuh drückt“. Beim Oberbaldinger Ortsvorsteher Karlheinz Ullrich und seinem Stellvertreter Hans Lohrer stieß er auf offene Ohren. Die Oberbaldinger hatten einen umfangreichen Katalog vorbereitet.

  • Wohnen: Im Grunde genommen geht ein wesentliches Problem Oberbaldingens mit den Ergebnissen der jüngsten Ortsentwicklungsstudie in den Teilorten von Villingen-Schwenningen einher: Oberbaldingen ist nicht in der Lage, jungen Bauherren mit Familienwunsch Innenentwicklungspotenzial für eine Niederlassung anzubieten. „Wir haben jährlich sechs bis sieben Anfragen in Sachen Wohnbau und ich muss immer antworten, wir haben nichts“, macht Ortsvorsteher Ullrich sichtlich betroffen deutlich. „Wir haben bei den Entwicklungsprojekten Melap und Melap Plus umgesetzt, was umzusetzen war. Nun ist der Markt innerörtlich abgegrast“, ergänzt Lohrer. Zwar gebe es in Oberbaldingen zwei potentielle Verkäufer von innerörtlicher Fläche, deren Vorhaben stünden jedoch in Konflikt mit der Erhaltungssatzung.
  • Gewerbe: Analog dessen verhalte es sich mit Bauvorhaben im gewerblichen Metier. Erneut gebe es eine Anfrage über 1200 Quadratmeter für ein Bürogebäude im Gewerbegebiet Bahn, eine feste Zusage könne man jedoch nicht geben. „Wir alle kennen die Diskussionen um eine mittelfristige Erweiterung des Gewerbegebiets und eine Änderung des Flächennutzungsplans. Es muss sich jetzt in den nächsten zwei Jahren in puncto Gewerbegebiet was tun“, so Ullrich. Man befürchte sonst ein Ausweichen der Unternehmen in das Unterbaldinger Gewerbegebiet Im Hochen, dessen Vermarktung gut laufe. „Es muss eine Erschließung her. Unternehmer wollen nach Anfragen zeitnah bauen“, wirft Lohrer ein. Jahrelanges Lavieren sei keine Option mehr. Darüber hinaus schränke die Einbeziehungssatzung, die vor einigen Jahren „eng gezogen“ wurde, Wohnbebauung und Gewerbegebiet in seiner Entwicklung ein.
  • Feldwege: Auch müsse das Thema Feldwege im Gemeinderat höhere Bedeutung finden. „30 bis 40 Jahre haben wir nichts an den Feldwegen gemacht. Was wir machen, sind Flickarbeiten über zehn Meter, ohne eine Grundsanierung ins Auge zu fassen“, ist Ullrichs Appell an Berggötz. 40-Tonner würden heutzutage die Feldwege einer größeren Belastung zuführen, abbrechender Belag an den Straßenseiten sei allen Verkehrsteilnehmern ein Begriff. Es gelte, den Mitteln der Landwirtschaft im Rahmen der Flurbereinigung zur Finanzierung des Ausbaus der Feldwege mehr Beachtung zu schenken, auch Zuschüsse des Landes seien möglich. „Das Thema wird im Gemeinderat hin- und hergeschoben“, sagt Ullrich.
  • Vereinslandschaft: Vereine wie Musik- oder Gesangsverein seien auf dem Land noch gut bestückt, jedoch zeichne sich durch Mangel an Nachwuchs mittelfristig deutlich eine Stagnation ab. „Über die Vereinslage können wir nicht klagen. Viele Vereine müssen keine Miete für ihre Räume zahlen und werden von der Stadt bezuschusst“, sagt Ullrich. Der Nachbarschaftshilfeverein „Hilfe mit Herz und Hand“ muss in Sunthausen Miete zahlen. „Da sollte man was machen“, fordert der Ortsvorsteher.
  • Taktung der Busse: Eine stündliche Taktung des öffentlichen Personennahverkehrs im ländlichen Gebiet sieht Ullrich als „in Ordnung“ an. Die Verbindungen an den Wochenenden können jedoch optimiert werden.