Bad Dürrheim – 40 oder 50 Jugendliche in der gesamtstädtischen Jugendkapelle bei der Musikgala des Stadtmusikverbandes im März 2018 könnten eine stolze Zahl sein, sind es aber nicht. Alle sechs Musikvereine der Stadt und ihrer Ortsteile gehören dem Stadtmusikverband an und errechnet man den Durchschnitt, kommen nicht einmal zehn Nachwuchsmusiker auf einen Verein. Eine Zahl, die das Problem aller Musikvereine verdeutlicht: Es hapert massiv am Nachwuchs.

So ist auch ein Thema, das Bad Dürrheim immer wieder beschäftigt, die Frage nach einer eigenen Jugendmusikschule. 2011 brachte der Stadtmusikverband dieses Ansinnen auf Anregung von Markus Heinemann zum ersten Mal auf. Fragen in diesem Zusammenhang sind: Ist eine eigene Jugendmusikschule für die Kurstadt sinnvoll und kann sich Bad Dürrheim das überhaupt leisten?

In einer nicht öffentlichen Sitzung der Musikvereine zusammen mit Bürgermeister Klumpp und den Fraktionsvorsitzenden am vergangenen Montag wurde erneut darüber gesprochen. "Es gibt einen Beschluss der Stadt aus der Vergangenheit, dass wir erst mal alles so lassen wie es ist", erklärte Bürgermeister Walter Klumpp auf Nachfrage dazu. Die Bad Dürrheimer Kinder gingen also in die umliegenden Musikschulen und man wolle sich dieses Themas erst mal nicht annehmen.

Jedoch gab es erneut die Anfrage der Musikschule Trossingen, ob man sich nicht in Bad Dürrheim eine eigene Musikschule vorstellen könne. Diese Anfrage griff der Stadtmusikverbandsvorsitzende Roland Manger auf und er drängte die Verwaltung in diesem Zusammenhang zu einem intensiveren Austausch über ein Thema, das ihm sehr am Herzen liegt: Die Musikvereine brauchen Unterstützung in der Gewinnung von Nachwuchs und insbesondere in der Ausbildung des Nachwuchses am Instrument.

"Die Musikvereine haben der Verwaltung und den Fraktionsvorsitzenden dargelegt, dass wir Hilfe brauchen, um die Qualität jeder einzelnen Kapelle in der Kernstadt und den Teilorten auf Dauer aufrecht erhalten zu können", erklärte Manger im Gespräch mit unserer Zeitung. Sein Ansinnen war es, die Sorgen und Nöte der Vereine zeitnah an die Stadt heranzutragen: "Wir werden einen neuen Bürgermeister und einen neuen Stadtrat bekommen. Wenn wir das Ganze nicht jetzt angehen, müssen wir quasi wieder bei Null anfangen", meint der Stadtmusikverbandsvorsitzende. Der Bürgermeister und die Verwaltung seien seiner Aussage nach sehr daran interessiert, mit den Musikvereinen eine einvernehmliche Lösung zu erwirken.

Das bestätigte auch Bürgermeister Walter Klumpp. Man wolle völlig ergebnisoffen verschiedene Möglichkeiten prüfen, die im ersten Schritt die örtlichen Vereine unterstützen. Ob irgendwann eine eigene Jugendmusikschule kommt, oder Bad Dürrheim eine Zweigstelle von der Musikschule Trossingen erhält, sei eine Frage, die grundsätzlich getroffen werden müsse und weit über die aktuelle Suche nach Unterstützung für die Vereine hinausgehe. "Hier kämen erhebliche finanzielle Aufwendungen auf die Stadt zu, die sich die Stadt auch leisten können muss", betonte Klumpp. Seiner Ansicht nach, werde der jetzige Stadtrat dieses Thema jedoch nicht mehr entscheiden, zumal der Haushalt das aktuell keineswegs vorsehe.

Bürgermeister Klumpp sicherte jedoch zu, nach diesen ersten Sondierungsgesprächen zeitnah zusammen mit dem Stadtmusikverbandsvorsitzenden das Gespräch mit den örtlichen Schulen zu suchen, um eine gemeinsame "erste" Lösung zu finden. Die Musikvereine können sich nämlich auch deutlich engere Kooperationen mit den Schulen vorstellen. Musik-AG’s oder Bläserklassen in den örtlichen Schulen wären eine Möglichkeit, die Jugendlichen wieder mehr an die Musik und an das Spielen eines Instrumentes heranzuführen.

Seitens der Musikvereine wurde am Montagabend dargelegt, wie prekär die Lage mancherorts ist. "Alle Vereine haben mit Nachwuchssorgen zu kämpfen. Der eine mehr, der andere weniger", so Roland Manger. Generell sind alle auf der Suche nach Kindern, die sich das Spielen eines Instrumentes in einem Verein aneignen möchten. Und genauso sind die Vereine auf der Suche nach Ausbildern und müssen sich teils jetzt schon externer Ausbilder bedienen, um die Qualität des jeweiligen Orchesters aufrecht erhalten zu können. Der Musikverein Oberbaldingen ist zum Beispiel einer dieser Vereine, der akute Nachwuchssorgen hat (wir berichteten). In der Jahreshauptversammlung am vergangenen Samstag berichtete Peter Kleinhans: "Wir werden immer weniger aktive Musiker und unsere Bemühungen um Nachwuchs sind sehr ernüchternd. Momentan kommt es auf jeden einzelnen der Aktiven an, damit wir überhaupt auftrittsfähig sind."

"Es wäre eine tolle Sache, wenn die Stadt ihren Bürgern das Angebot einer Jugendmusikschule vor Ort bieten könnte", findet Roland Manger und es wäre für die vielen jungen Familien in Bad Dürrheim natürlich sehr wünschenswert, eine Jugendmusikschule vor Ort zu haben. Aber das werde ein Thema sein, mit dem sich dann der neue Bürgermeister und die neuen Gremien auseinandersetzen müssen. Bürgermeister Klumpp möchte außerdem mit den Schulen über Bläserklassen sprechen.