Die evangelische Johanneskirche von Bad Dürrheim ist eine von zwölf Kirchen, die im Rahmen einer landesweiten Ausstellung den eher schlechten Ruf der in den 60er Jahren gebauten Kirchen aufpolieren soll. Pfarrer Bernhard Jaeckel ist sich sicher: „Unsere Kirche hat so viel zu bieten, dass sie ein äußerst gutes Beispiel der Architektur darstellt.“

Pfarrer Bernhard Jaeckel ist sich sicher, dass die Johanneskirche ein wunderbar positives Beispiel der besonderen Architektur der 60er Jahre darstellt.
Pfarrer Bernhard Jaeckel ist sich sicher, dass die Johanneskirche ein wunderbar positives Beispiel der besonderen Architektur der 60er Jahre darstellt.

Die Ausstellung ist vom Landesamt für Denkmalpflege initiiert worden und stellt konkret zwölf Gotteshäuser vor. Der Auftakt fand bereits im Juli 2019 im evangelischen Gemeindezentrum in Stuttgart-Sonnenberg statt. Seither wechselt der Ausstellungsort monatlich. Nun ist ab dem 1. Februar Bad Dürrheim an der Reihe. 3D-Drucke, 360-Grad-Panoramen und historisches Bildmaterial stehen dem Besucher zur Verfügung, wodurch er sich eben jene Kirchenbauten der Nachkriegsmoderne anschauen kann. Jeweils sechs Kirchen aus Baden und Württemberg und hier wieder jeweils drei katholische und evangelische Kirchen wurden ausgewählt und repräsentieren die Architektur von damals.

„Man denkt, wenn man sich die Bauten der 60er Jahre, vorstellt, an große Betonklötze, die einem trutzig, kalt und wenig schön erscheinen“, so Pfarrer Jaeckel. „Doch nirgends lassen sich die spannenden Überlegungen der Entwerfer und Erbauer besser nachvollziehen, als vor Ort.“

Schaut man in die evangelische Kirche von Bad Dürrheim, so fällt einem sofort die große Weite und Offenheit auf. Das Altarfenster, ein Werk des europaweit bekannten Künstlers Georg Meistermann, schenkt dem Raum eine unheimlich helle und besondere Stimmung. Die kleinen Fenster im rechten Kirchenschiff, alles Darstellungen aus dem Johannes-Evangelium unter dem Leitwort „Ich bin“ ergänzen das Fensterensemble. Der Boden am Altar, der einen Fluss symbolisieren soll, der in die Gemeinde und die Stadt hinabfließt, ist ebenso präsent wie unbekannt.

Eines der vier Bilder im rechten Seitenschiff symbolisiert das „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“ aus dem Johannes-Evangelium.
Eines der vier Bilder im rechten Seitenschiff symbolisiert das „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“ aus dem Johannes-Evangelium.

Man könnte viele weitere Beispiele erwähnen, wie die Abendmahlsplastik von Erich Hauser, den Grundstein aus dem Jahr 1960 oder die besondere Symbolik der Hand, die sich im Altarbild, im Grundriss und im Turm wiederfindet. „Die wenigsten wissen von der Bedeutung all der in der Kirche verbauten Aspekte und Symboliken und so ist diese Ausstellung eine wunderbare Gelegenheit, den Menschen vor Ort ihre Kirche wieder näher zu bringen“, betont Bernhard Jaeckel. „Denn es ist unser aller Kirche, ein Schutzraum, ein Zufluchtsort, ein Ort der Begegnung und des gemeinsamen Feierns.“

Die Abendmahlsplastik von Erich Hauser ist ein besonderes Objekt im Ensemble der Kirche.
Die Abendmahlsplastik von Erich Hauser ist ein besonderes Objekt im Ensemble der Kirche. | Bild: Wolf-Wilhelm Adam

Mit seinen Konfirmanden geht Pfarrer Bernhard Jaeckel jedes Jahr durch die Kirche und zeigt ihnen, was sich die Erbauer alles gedacht haben. Und es ist erstaunlich, was da alles zu finden ist. Und außerdem passt die Ausstellung an sich natürlich auch zur Grundsteinlegung, die sich heuer zum 60. Mal jährt.

Der Grundstein im Boden der Kirche weist darauf hin, dass das Gotteshaus heuer 60 Jahre alt wird. Bild: Wolf-Wilhelm Adam
Der Grundstein im Boden der Kirche weist darauf hin, dass das Gotteshaus heuer 60 Jahre alt wird. Bild: Wolf-Wilhelm Adam

Eröffnet wird die Ausstellung am 1. Februar um 19 Uhr mit einem Festakt. Pfarrer Jaeckel ist es gelungen, um der Ausstellung noch mehr einen Bad Dürrheimer Anstrich zu verpassen, die Kunstschaffenden und Kunstfreunde zu bewegen, acht Gemälde zum Thema „Was löst die Kirche in mir aus“ auszustellen. Doris Arenas wird über diese Kunstwerke sprechen, die dann auch während der Ausstellung zu sehen sein werden.

Folkhard Cremer vom Landesamt für Denkmalpflege Freiburg wird den Festvortrag „Kirchenbauten der Nachkriegsmoderne in Baden-Württemberg am Beispiel der Johanneskirche Bad Dürrheim„ halten. Am 2. Februar findet um 10 Uhr ein Festgottesdienst statt. Das ursprünglich am 2. Februar geplante Konzert fällt leider aus. Vom 2. bis 7. Februar finden diverse Veranstaltungen statt, am 15. Februar gibt es einen Kindertag mit Angeboten für Kinder verschiedener Altersgruppen. Am 15. Februar rundet ein Kirchenkonzert der Posaunisten des Gewandhausorchesters Leipzig das Programm ab. Die Abschlussveranstaltung ist noch nicht genau terminiert.

Die Ausstellung kann dann täglich zu den üblichen Öffnungszeiten der Kirche angeschaut werden.