Der Biber fühlt sich in Bad Dürrheim wohl. An mehr als fünf Stellen auf dem Gebiet der Kernstadt sind Aktivitäten des Nagers bekannt, auch Sunthausen, Biesingen und Unterbaldingen sind Biberreviere. Die Reaktionen auf den Nager könnten jedoch nicht unterschiedlicher sein.

Im Kindergarten Stadtkäfer ist die Freude über den Biber groß. Die Bienen- und Käfergruppe machen häufig Ausflüge an einen Ausläufer der stillen Musel, wo eindeutige Spuren des Tieres zu sehen sind. Der "Biberbaum", wie er von allen genannt wird, ist rundum angenagt und die Kinder halten gespannt nach dem Tier Ausschau. Der Nager lässt sich natürlich nicht blicken, denn er ist nachtaktiv und wenn, dann nur bei Dämmerung zu sehen. Die Kinder seien trotzdem total begeistert und würden auch immer wieder Bücher lesen wollen, in denen der Biber vorkommt, berichtet Erzieherin Lena Fischer.

Ein Gespräch mit der Biberbeauftragten Bettina Saettele bringt die Kehrseite der Medaille zum Vorschein. "Es wird sehr viel über den Biber gemotzt", führt die Expertin an. "Wir tun, was wir können, um das Zusammenleben von Mensch und Biber in Einklang zu bringen." Es ist eine schwierige Situation. Begeisterung und Ärger liegen hier nahe beisammen. Dabei sind Biber hervorragende Landschaftsgestalter und Ökosystem-Ingenieure, wie es auf der Internetseite des Bundes für Umwelt und Naturschutz zu lesen ist.

Natürlich ist nicht abzustreiten, dass der Biber auch Schäden anrichtet. Bäume werden angenagt und gefällt, Bäche gestaut, teilweise dringt er sogar in die Stadt vor. Aktuell ist dies der Fall im Schabelweg hinter dem Schwimmbad Minara. Hier findet sich ein Damm, der das Wasser eines Ausläufers der Musel staut. Bei viel Wasser kann das dazu führen, dass die Dränagen der angrenzenden Häuser nicht mehr funktionieren und im schlimmsten Fall die Keller volllaufen. "Wenn der Biber in die Stadt kommt, müssen wir etwas tun", betont Bettina Saettele.

Die Handlungsspielräume sind dabei eingeschränkt, da das Tier streng geschützt ist. Hinter dem Schabelweg wurden Dammdränagen und Einleitungsrohre angebracht. Diese sieht man bei der Brücke auch hinter dem Solemar. Teilweise werden Dämme abgesenkt und Bäume mit Draht geschützt, so wie am Salinensee. Relativ neu ist eine getönte Paste, mit denen die Bäume eingerieben werden. Diese mit Kieselsalz versetzte Paste verklebt die Zähne des Nagers, wodurch dieser das Interesse an diesen Bäumen verliert. "Das fällt nicht groß auf und schützt die Bäume dennoch gut vor dem Verbiss", so die Expertin.

Bauhofleiter Michael Liedtke hört man den Frust über den Nager deutlich an: "Bäume, die ich vor 24 Jahren gepflanzt habe, werden vom Biber innerhalb von einer Nacht so zerbissen, dass sie gefällt werden müssen." Bäume gehören seiner Ansicht nach genauso zum Naturschutz wie der Biber. "Ich habe nichts gegen den Biber, aber wir sind zu wenig, um jeden Baum zu schützen und als Baumpfleger bin ich sehr traurig über die aktuelle Entwicklung in Sachen Biber." Besonders in Böschungsgebieten wie zwischen Sunthausen und Biesingen sei Stammschutz extrem schwierig. Und die Großbäume seien ja auch wichtige Orientierungshilfen für Fledermäuse und andere Tiere, betont er.

Umweltberater Gerhard Bronner erläutert, dass die Stadt bisher sehr reaktiv auf den Biber reagiert. Das liege mitunter daran, dass Renaturierungen, die den Biber außerhalb der Stadt halten sollen, langfristige Geschichten sind. "Wir sind verpflichtet, Gewässer zweiter Ordnung in einen naturnahen Zustand zu versetzen, wie aktuell an der Kötach bei Sunthausen geplant ist, was aber lange Zeit in Anspruch nehmen wird", so der Umweltberater.

Bettina Saettele weist auf hilfreiche kurzfristige Maßnahmen hin: "Es ist enorm wichtig, dem Biber außerhalb des Stadtgebietes Nahrung anzubieten. Es muss dringend Weichgehölz an den Gewässerrandstreifen nachgesteckt werden. Weiden eignen sich hierfür hervorragend." Saettele bemängelt, dass Bachläufe – beispielsweise vom Feuerwehrgerätehaus zum Minara – kaum mehr Gehölz aufweisen. Damit fehle dem Biber Nahrung, die er sich dann anderswo sucht.

Dies könne jedoch nur von der Stadt gemacht werden, so Gerhard Bronner, wenn ausreichend städtische Grundstücke vorhanden seien. "Wo landwirtschaftliche Nutzflächen bis ans Wasser heranreichen, müssen Landwirte Stücke davon bereitstellen, was nicht so einfach ist." Ein Entfernen des Bibers bringe auch keine Abhilfe, da sofort der nächste Biber nachrücken würde.