"Das Wort ist meine Heimat", sagt der deutsch-rumänische Dichter und Schriftsteller Dinu Amzar. Seit rund zweieinhalb Jahren lebt er mit seiner Frau Moiken Bosung-Amzar in der Kurstadt. Der Begriff Heimat spielt für den 75-Jährigen eine große Rolle. Auch in seinem neuesten Gedicht über sein Ankommen in der Stadt, greift er auf ihn zurück. "Heimatlos wie immer, bin ich hier endlich heimlisch geworden", schreibt Amzar darin. Dennoch schwingt auch Kritik mit, an einer Gesellschaft, die Andersartige, die nicht der Norm entsprechen, ausschließt.

Urlaubsort wird zur Wahlheimat

Er selbst ist davon betroffen. Seit einer missglückten Pockenschutz-Impfung in seiner frühen Kindheit, kann er kaum hören und sehen. Dennoch hat er es geschafft, die Sprache einwandfrei schreiben und sprechen zu lernen. Ein Computer mit großen Tasten und Vergrößerungstool ermöglicht es ihm, schriftstellerisch zu arbeiten. Seine eigene Biografie ist zu einer Triebfeder seiner Tätigkeit geworden.

Bad Dürrheim kennt Amzar seit 1965, in diesem Jahr kam er mit Freunden das erste Mal zum Wandern in den Schwarzwald. Seit 2000 hat er hier regelmäßig Urlaube mit seiner Frau verbracht. 2016 machte er die Kurstadt zu seiner Wahlheimat. Die Schwarzwaldluft tut ihm gut und lindert seine Asthma-Beschwerden.

Es ist keine neue Situation für den 75-Jährigen – das Ankommen an neuen Orten – hat er es während seines Lebens doch immer wieder lernen müssen. 1943 in Berlin als Diplomatensohn rumänischer Eltern geboren, verbrachte er seine Kindheit zunächst im Allgäu und dann in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. Eine weitere Station war Sigmaringen, wo seine Frau lange an der dortigen Hochschule lehrte. Mitgenommen hat Amzar überallhin seine Liebe zur deutschen Sprache. Über 300 Aufsätze, Gedichte, Romane und Kurzprosatexte hat Amzar Zeit seines Lebens veröffentlicht. Schon als er 13 war, schrieb er seinen ersten Roman. Über 400 Seiten lang wurde das Stück aus dem Science-Fiction-Bereich damals, handschriftlich hatte er es verfasst.

"Meine Literatur ist eine der Ausgrenzung", betont Amzar immer wieder. Und die begegnet ihm auch in Bad Dürrheim. Menschen in seinem Umfeld wissen nicht recht mit ihm umzugehen, denn durch seine Erkrankung ist die zwischenmenschliche Kommunikation erschwert. "Milimeterarbeit", heißt sein kürzlich erschienenes Gedicht, in dem er über Fußmatten in seinem neuen Wohnumfeld schreibt. Die Worte "Bewegen sie sich nur um Milimeter, so frohlocke ich", zeugen von der Isoliertheit, die Amzar verspürt. Seine Worte regen zum Nachdenken an.

"Menschen wollen immer direkt alles verstehen", sagt Amzar mit enttäuschtem Unterton. Das Sprachgefühl und der Umgang mit der Sprache habe sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Es fehle die Zeit, zu hinterfragen und hinter einen Sachverhalt zu blicken, das arbeitet in Amzar. Seit Jahren versucht er einen Verlag zu finden, der seinen 800 Seiten umfassenden Roman "Das Luftloch: Ein Liebesroman ohne Liebe zur Austreibung des Unglaubens" verlegt.

Laut Amzar trauen sich Verlage, wie der Suhrkamp Verlag die Veröffentlichung eines gesellschaftskritischen Romans wie diesem, nicht zu. Zwischen den Zeilen schwingt in Amzars Werken immer eine Symbolik mit. Den Spruch "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte", dreht Amzar um. "Ein Wort sagt für mich mehr als tausend Worte", sagt er. Und so kämpft der 75-Jährige unermüdlich für das Wort, das seine Heimat ist.