"Was lange währt wird endlich gut", so dürfte man den langwierigen und mitunter auch nicht ganz leichten Planungsprozess zur dringend notwendigen Kirchenrenovierung der evangelischen Kirche Oberbaldingen umschreiben.

  • Beteiligung: Bei einem Informationsgottesdienst im Gemeindesaal am Dienstagabend haben Pfarrer Dirk Hasselbeck und Vertreter des Bauausschusses die Öffentlichkeit über den Planungsstand informiert. Dabei wurde deutlich, dass die Planung immer von dem Gedanken geleitet wurde, dass die Bevölkerung miteinbezogen wird. "Ein Gotteshaus ist Heimat für verschiedene Generationen", betonte Pfarrer Hasselbeck. "Wie sich die Kirche wandelt, so wandelt sich auch der Raum", sagte er weiter. Dass die Gemeindemitglieder in den Gestaltungsprozess eingebunden werden, entspricht der Gemeindephilosophie. So wurde beim Infoabend der Diskussion ausreichend Zeit eingeräumt. Bei allen Planungsschritten mussten sowohl die Bedürfnisse der Gemeinde, des Denkmalamtes als auch der Kirchenbehörden in Karlsruhe in Einklang gebracht werden. Gerade die Anforderungen des Denkmalamtes legten manchen schweren Stein in den Weg einer zeitgerechten Konzeption. Doch letztlich zeigte man sich kompromissbereit.
  • Das wird verändert: Vor rund sechs Jahren keimte der Wunsch, den Kirchenraum grundlegend zu renovieren. Seit der letzten Renovierung sind gute 40 Jahre ins Land gezogen und sowohl die verborgenen als auch die offenkundigen Mängel rufen laut nach Beseitigung. Zum einen sind seit vielen Jahren deutliche Risse im Gemäuer der Kirche sichtbar und manch einer hat sich schon gefragt, wie lange der Kirchenbau noch halten möge. Allein die stabilen Gipsmarken zeugen davon, dass sich die Mauern seit Jahrzenten nicht mehr bewegen und somit in dieser Hinsicht keine Gefahr besteht. Böden, Wände, Orgel, Elektrik, und Kommunikationseinrichtungen bedürfen grundlegender Erneuerung. Aber nicht nur der Erhalt der Bausubstanz steht im kommenden Jahr an. Außerdem ist geplant, dass die Empore deutlich umgestaltet und auch die Kanzel einen anderen Ort finden wird. Die "Kanzelfrage" nahm einen breiten Diskussionsraum ein. Deutlich wurde das Bedauern über die geplante Entfernung der barocken Kanzel, die erst in den 1980er Jahren installiert worden ist, zum Ausdruck gebracht. Der Rückbau der L-förmigen Empore bedingt, dass sie sich architektonisch nicht mehr in den Raum einfügt. Anstelle dieser alten Kanzel soll ein Ambo an der rechten Altarseite deutlich in den Gottesdienstraum gestellt werden. Die Predigten sollen nicht von "oben" herab den Kirchenbesuchern übergestülpt werden, sondern alltagstauglich – so sieht es das Gottesdienstkonzept vor – in die Gemeinde hineingetragen werden. Dort wo heute die Kanzel hängt, wird die zukünftig weiße Wand Projektionsfläche für den Beamer, hauptsächlich zur Projektion der Liedtexte sein.Der Gottesdienst kann aber auch mit wechselnden Bildern oder Filmabschnitten lebendig gestaltet werden. Außerdem wird der Kirchenboden ausgetauscht. Das Parkett sowie der Sandsteinboden sind feuchtigkeitsanfällig, da der Untergrund nicht mehr dicht ist. Die Empore wird fürderhin keine L-Form mehr aufweisen, sondern um gut einen Meter weiter in die Kirche ragen und parallel zur Rückwand enden. Auch die Heizungsanlage wird komplett erneuert. Das Konzept der Sitzheizung wird dabei erhalten.
  • Finanzierung: Der Bauausschussvorsitzende Martin Kalisch legte einen detaillierten Finanzierungsplan vor, in dem von einer Gesamtsumme von 600 000 Euro ausgegangen wird. 240 000 Euro schießt die Badische Landeskirche zu. Je 120 000 Euro setzen sich aus Eigenmitteln der Gemeinde und einem zinsgünstigen Kredit zusammen. Die restlichen 120 000 Euro hofft die Gemeinde durch Spenden einbringen zu können.
  • Zeitplan: Derzeit ist geplant, dass die Architekten die Ausschreibung der Gewerke im Dezember 2018 auf den Weg bringen. Dann dürfte mit einem Baubeginn im März 2019 zu rechnen sein. Wenn alles gut läuft, möchte die Gemeinde Weihnachten 2019 in das renovierte Gotteshaus zurückkehren.