6000 Hunde und Katzen auf einem Fleck, plus mehrere hundert Welpen – eine kaum vorstellbare Zahl und eine ohrenbetäubende Geräuschkulisse. Die Rede ist von der „SMEURA“ in Pitesti/Rumänien, das größte Tierheim der Welt. Die Smeura wird von der deutschen Organisation Tierhilfe Hoffnung mit Sitz in Dettenhausen betrieben. Dem Ehepaar Anette und Norbert Müller aus Sunthausen ist dieses Tierschutzprojekt ein Herzensanliegen.

In der „SMEURA“ in der Nähe von Bukarest/Rumänien, dem größten Tierheim der Welt, leben rund 6000 ehemalige Straßenhunde. Bilder: Norbert Müller
In der „SMEURA“ in der Nähe von Bukarest/Rumänien, dem größten Tierheim der Welt, leben rund 6000 ehemalige Straßenhunde. | Bild: Norbert Müller

Sie, 54, ist Erzieherin von Beruf. Ehemann Norbert, 64, ist Direktor der staatlichen Toto-Lotto-Gesellschaft in Stuttgart. Auf die Tierhilfe in Rumänien stießen sie durch ihre Hunde Lukas und Emily, beide aus Tierschutzprojekten in Rumänien. Nachdem Lukas im Januar 2018 verstarb, war klar, dass der nächste Hund wieder aus Rumänien sein muss. „Wir wollen keinen Zuchthund“, erklärt Anette Müller.

Doch dieses Mal wollten die beiden ihr neues Familienmitglied selbst abholen. Die Beschäftigung mit dem Thema machte das Paar auf die prekäre Situation der Straßenhunde in Rumänien aufmerksam. Tierschutz und Kastrationen zur Eindämmung der unkontrollierten Vermehrung seien in Rumänien wenig populäre Themen, weiß die 54-Jährige. Die Armut dort sei extrem, der Umgang mit Tieren oft unsäglich rau. In staatlichen Sheltern würden die Tiere elend dahinvegetieren oder gar getötet, auf der Straße verhungern sie.

Drei Tonnen Futter pro Tag

Einzig die Arbeit der Tierschützer vor Ort verhindere, dass die Tiere dem baldigen Tod geweiht sind. Es wird daran gearbeitet, die Bürger – besonders die Kinder im Rahmen eines Schulprojektes – für Tierschutz zu sensibilisieren. Eingefangene Hunde werden tierärztlich behandelt, kastriert, geimpft und gechipt. Doch das kostet Geld. So benötigt laut Internet die Smeura etwa drei Tonnen Futter pro Tag.

Also nahm sich das Ehepaar vor, selbst und direkt vor Ort zu helfen. „Wir wollen sehen, wo unsere Spenden ankommen und dafür sorgen, dass sie auch direkt dort ankommen, wo sie gebraucht werden!“ Es kaufte einen gebrauchten Caddy, befüllte diesen mit Trockenfutter und machte sich im Sommer vollgepackt mit Futter-, Sach- und Geldspenden auf den 1800 Kilometer langen Weg nach Pitesti. Alle Kosten bestritten die beiden aus eigener Tasche und investierten auch ihren Urlaub.

Die Spenden kommen direkt dort an, wo sie gebraucht werden.
Die Spenden kommen direkt dort an, wo sie gebraucht werden. | Bild: Norbert Müller

Die Situation vor Ort ließ die beiden Tierfreunde nicht mehr los. Oft schockierend, immer unglaublich berührend. Teilweise stehen Anette Müller die Tränen in den Augen während sie erzählt. Die Müllers übergaben die Spenden an die Smeura, befüllten den Caddy neu mit Futter und übergaben dieses sowie das Geld zu gleichen Teilen an zwei Schutzcamps. Den Caddy ließen sie dort.

Die Hunde gieren nach Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten. Im Schutzcamp „Hilfe statt Trost“ von Maria Christina in Babeni leben rund 200 Tiere.
Die Hunde gieren nach Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten. Im Schutzcamp „Hilfe statt Trost“ von Maria Christina in Babeni leben rund 200 Tiere. | Bild: Norbert Müller

Die nächste Fahrt

Ende Juli machen die Müllers sich wieder auf den Weg. Sie haben sich für die künftigen Fahrten einen Transporter gekauft. Nun sammeln sie wieder Spenden und sind dankbar für jede Unterstützung. Und übrigens hilft und berät Anette Müller auch bei der Vermittlung von Hunden aus Rumänien und kann jederzeit dazu angesprochen werden.

Spendenübergabe in einem der Schutzcamps.
Spendenübergabe in einem der Schutzcamps. | Bild: Norbert Müller